Reha (ABC- Etüde)

Und wieder wirft Christiane spannende Wörter in die Etüdenarena.

In zehn Sätzen muss die Wortspende von Bernd, der den sehr vielfältigem Blog Red Skies Over Paradise schreibt, untergebracht werden

Ohnmachtsanfall

angekohlt

piddeln

letzteres musste ich mir erstmal übersetzen, aber damit war die Inspiration auch schon da …

Die Illustration spendete der getreue Ludwig Zeidler.

2018_07_2_zwei

Sie ignorierte ihre Ohnmachtsanfälle bis zu dem Tag, an dem die Nachbarn die Feuerwehr riefen, weil die angekohlte Bohnensuppe den Rauchmelder in anhaltende Hysterie versetzt hatte. Es folgte ein längerer Krankenhausaufenthalt, die Einstellung auf nebenwirkungsstrotzende  Anti-Epilepsiemedikamente und schließlich – so sehr sie sich auch sträubte – eine neurologische Reha irgendwo im Nirgendwo.

Die Therapien taten gar nicht schlecht, nur die Mitpatienten schienen wahlweise geistig in der Helmut Kohl- oder Schmidtära zu verweilen, betonten zwar auf keinen Fall die AfD zu wählen, aber man müsse ja zugeben, in gewissen Punkten hätten die ja gar nicht mal so …

Einzig die kunstsinnige, aus dem Rheinischen stammende Frau Schmitz-Geldermann, die diszipliniert mit ihren fortschreitenden Lähmungen kämpfte, erwies sich als halbwegs anregende Gesprächspartnerin.

Scheinasylanten ins Lager, klebte auf zu vielen Straßenlaternen, die ihrer beider Weg zur Konditorei säumten und bei der letzten ertrug sie ihre eigene Ergebenheit nicht mehr, sollte Frau Schmitz-Geldermann sie doch für komisch halten, irgendwann war die gemeinsame Zeit zum Glück vorbei.

„Ach, piddeln Sie diesen Nazi-Dreck auch immer runter? Meine Hände machen das leider nicht mehr mit.“

„Frau Schmitz-Geldermann, wozu machen wir hier Reha? Das kriegen wir hin. Aber das heißt doch nicht piddeln, das heißt friemeln!“

7 Gedanken zu “Reha (ABC- Etüde)

  1. Anna-Lena Februar 12, 2018 / 11:33 pm

    Boah, so mitten aus dem Rehaleben und alles Drumherum ist realistisch und gut nachvollziehbar.
    Habe ich sehr gern gelesen! 🙂

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    • fundevogelnest Februar 15, 2018 / 11:58 am

      Das hoffe ich auch, ich hatte zwar eher an Aufkleber als an Plakate gedacht, aber eigrntlich ist das egal.
      Ich für meinen Teil habe bis jetzt nur ermutigende Reaktionen aus Nazi-Aufkleber abpulen,piddeln, gnibbeln, friemeln bekommen.
      Vielleicht bin ich denen, die sie klebten, noch nicht begegnet.
      Natalie

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