Ein einziges Mal (ABC-Etüde)

Christiane, die hochgeschätzte Etüdenpflegerin, spendet diesmal höchstpersönlich die Worte der Woche.

Und was für welche!

Notenblatt

schwanger

trainieren

Die diesmal herrlich farbenfrohen Illustrationen stammen wie immer von Ludwig Zeidler.

Alle weiteren Etüden und die Regeln finden sich in der Schreibeinladung.

2018_16_2_zwei

Langsam wandelten sich in ihrer zitternden Hand zwei hellblaue Streifen von etwas gespenstisch Vagem zu einer nicht länger interpretierbaren Realität: Sie war schwanger. Sie hatte das, wofür andere dem Hörensagen nach jahrelang trainierten, beim ersten Versuch unter Zuhilfenahme eines Kondoms geschafft.

So war das eigentlich nicht gedacht gewesen, als sie Armandos und vor allem Sallys Drängen nachgegeben hatte.

„Komm Süße, zu behaupten, du magst das nicht, ohne es je ausprobiert zu haben, das ist wie wenn einer sagen würde, er mag keine Cellomusik, obwohl er bislang nur ein Notenblatt dafür gesehen hat“

Sie hatte währenddessen also an Sally und an Cellomusik gedacht und es ganz und gar nicht gemocht, was nicht an Armandos behutsamer Zärtlichkeit gelegen hatte. Jetzt war er längst in einer anderen Stadt, einem anderen Land und sie konnte zusehen, wie sie los wurde, was sie sich eingebrockt hatten. Sally riet, die Sache möglichst schnell ungeschehen zu machen und den armen Armando nicht damit zu behelligen, leben und leben lassen, sei ihre Devise.

Auf dem Heiweg unter den blühenden Bäumen erschien ihr auf einmal leben lassen der gangbare Weg zu sein, schließlich war sie 32, hatte eine schöne Wohnung, einen Festvertrag, würde Elternzeit bekommen und mit Kindern hatte sie schon immer gekonnt.

Von ihrer plötzlichen unbändigen Freund überrumpelt, ließ sie sich auf eine Bank plumpsen und musste auf einmal schallend lachen – ein einziges Mal hatte dafür genügt.

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3 Gedanken zu “Ein einziges Mal (ABC-Etüde)

  1. gkazakou April 21, 2018 / 10:44 pm

    na, das nenne ich Glück! Mit 32 das erste mal probieren – gleich schwanger werden – der Erzeuger außer Sichtweite – Festanstellung – und eine Bank zum Draufplumsen ist auch gleich zur Stelle. Hallihallo!
    Wie traurig sind dagegen die Geschichten, die ich ständig therapeutisch aufarbeiten muss, von Frauen, die trotz vorhandener Ehe, größter Anstrengung und Kosten für fortschrittlichste Technologie (Fremdovarien, Hormonbehandlungen, operative Eingriffe) nicht schwanger werden. Nicht beim ersten, nicht beim fünften Versuch. Nix zu machen.

    Gefällt 1 Person

    • fundevogelnest April 21, 2018 / 10:52 pm

      Ja, diese Trauer habe ich unter anderem bei meiner Schwester miterlebt und das Thema war durch Christianes Wortspende sogar gerade recht präsent in meinem Kopf- habe ich für eine Etüde aber verwrfen.
      Natalie

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  2. Christiane April 22, 2018 / 10:30 am

    Ich mag ja die Wendung total: Sie findet Sex an sich ziemlich blöde, behält aber das Kind, danke schön, so einfach kommt sie nie wieder zu einem eigenen. 😉
    Ich habe übrigens bei zwei Frauen mitbekommen, dass sich das gewünschte Kind einstellte, nachdem sie als Paar alle Hoffnung (und alle (zum Teil gewaltigen und verkrampften) Anstrengungen) hatten fahren lassen.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

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