Meister Yoda, der Vierbeinige (ABC-Etüde)

Ja, ich weiß, es ist schon wieder Kalenderwoche 19 und nicht mehr 18. Aber die Idee, die ich sofort zu Frau Vros Wortspende

Maibaum

galaktisch

wetteifern

hatte, musste nun einmal warten, bis ich die Ruhe hatte sie niederzuschreiben. Kein Wunder, dass Ruhe in dieser Etüde eine wichtige Rolle spielt. Frau Vro ist übrigens eine, die sich um das Schicksal einer Tomatenpflanze genausoviel Gedanken machen kann wie ich …

Alles, was um ihre Wortspende herum gesprossen und gediehen ist, findet sich in Obhut der Etüdenpflegerin Christiane, die Illustration ist wie immer von Ludwig Zeidler.

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Yoda, dein Name weckt galaktische Phantasien und deine großen, flauschigen Ohren kannst du ausdrucksvoll in alle Richtungen drehen, doch dein großes Talent ist es zu Erden. Fluchttiere nennt man Deinesgleichen, dabei erscheinst du unerschütterlich, erträgst Geflatter, Gekreisch, ungeschickte Bewegungen, selbst Grobheiten prallen an dir ab. Wahrscheinlich würdest du auch bei Volksfestgedudel geduldig mit Kindern auf deinem Rücken um den Maibaum zuckeln oder einen Polizisten heil durch den Tränengasnebel einer aus dem Ruder gelaufenen Demo tragen. In vergangenen Zeiten hättest du Droschken durch lärmende Städte gezogen oder man wäre auf dir, dem Verlässlichen, in Schlachten geritten, in denen deine Vorfahren zu Abertausenden niedergemetzelt wurden, obwohl es nicht im Entferntesten um eure Interessen ging.

Zum Glück brauchst du das alles nicht, sondern lebst mit vier Kumpeln in einer netten Stall – und Weidegemeinschaft und du musst auch nicht auf Turnieren um alberne Schleifchen und hässliche Pokale wetteifern. Deine Gabe Unruhe zu ertragen wird nicht missbraucht, um ein hysterisch-überdrehtes System irgendwie aushaltbar am Laufen zu halten, sondern die Absicht deiner Besitzerin — über deine Absichten zu spekulieren, maße ich mir nicht an — ist es, deine Kräfte als Therapiepferd heilend einzusetzen.

Das tut gut, seufzte mein kleiner Junge mit hörbarer Dankbarkeit, als er das erste Mal deinen großen durchwärmenden Körper unter sich spürte. Der kleine Junge ist nämlich einer, der keine Ruhe finden kann, weil seinem Körper die rechte Spannung fehlt, weil er sich selbst kaum spüren kann und nicht so recht weiß, wo er anfängt und aufhört, hampelt er rastlos und schrill durch die Tage, um sich nicht ganz zu verlieren. I couldn’t feel, so I tried to touch, singt Leonard Cohen, eine Liedzeile, die der kleine Junge mit jeder zerrupften Pflanze, jedem dahingerafften Buch oder Was-auch-immer-ich-gern-noch-behalten-hätte in Erinnerung ruft, vom ewigen Haare ziehen gar nicht erst zu reden.

Man warnt mich, ich solle keine Wunder von dir erwarten, Yoda, aber solange der kleine Junge sich glücklich an dich schmiegt und sich in deinen Bewegungen verliert, glaube ich, dass ziemlich viel gute Macht mit dir ist.

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7 Gedanken zu “Meister Yoda, der Vierbeinige (ABC-Etüde)

  1. vro jongliert Mai 8, 2018 / 7:13 am

    Ach wie schön! Dem kleinen Jungen wünsche ich ein wenig Ruhe und eine bleibende Erinnerung, die er einst als Kind fand auf dem Rücken eines Pferdes. Auf dass er immer in dieser Erinnerung Kraft und Ruhe finden möge.
    Liebe Grüße, Veronika

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  2. Christiane Mai 8, 2018 / 12:09 pm

    Ein Freund des Menschen, der Pelzige mit der Mähne. Seine Leute scheinen es ihm zu danken, das darf es gerne öfter geben.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  3. gkazakou Mai 8, 2018 / 12:56 pm

    eine durch und durch erwärmende Geschichte, so schön, dass ich weinen möchte. Wieso eigentlich weinen? Lächeln. Sei von Herzen bedankt. Gerda

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  4. Anna-Lena Mai 8, 2018 / 7:22 pm

    So sympathisch und schön umgesetzt, das kann den zeitlichen Wochenrahmen durchaus sprengen …

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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  5. violaetcetera Mai 8, 2018 / 8:14 pm

    Ja, auch ich konnte als Kind und Jugendliche an keinem Pony oder Pferd vorbei gehen. Sie bringen so viel Freundlichkeit und Wärme mit. Ein guter Verbündeter für den Fundevogel.

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