Im Affenhaus

Zur letztwöchigen  Etüdenrunde mit dergls Wortspende, die das Wort Affenkasten enthielt, schrieb  Myriade eine Geschichte über eine malende Orang-Utan-Frau, die in mir viel zum Klingen brachte.

Viele Tiere in Zoos lösen bei mir Traurigkeit aus, weshalb ich da nach Möglichkeit gar nicht hingehe, bei Menschenaffen kommt Scham hinzu, denn sie scheinen die Situation zu durchschauen.

Angeregt durch Myriades Geschichte habe ich ein altes Gedicht (echt alt, wenn damals „erst“ sechs Milliarden Menschen auf der Erde lebten …) wieder ausgegraben. Ich schreibe mittlerweile keine Gedichte mehr, weil sie mir meist selbst nicht gefallen. Dieses aber mag ich noch und ich durfte es sogar einmal im Rahmen eines Wettbewerbs in einem kleinen Radiosender vortragen.

 

Im Affenhaus

Sie pflückt ihren Sohn vom Gitter
und legt ihn an ihre BrustEs nuckelt“
ruft begeistert mein Sohn
und ich pflück’ ihn vom Gitter.

Die Orang-Utan Mutter 
birgt ihr Kind im Arm
eines der letzten seiner Art,
durch das Gitter 
sieht sie mich an.

Durch das Gitter
seh’ ich sie an
mein Kind im Arm
das sechsmilliardste seiner Art.

Zwei Möglichkeiten 
sehen einander an,
durch das Gitter.

Ich freue mich immer sehr über Likes und Kommentare zu meinen Texten, muss aber darauf hinweisen, dass WordPress.com – ohne dass ich das ändern könnte — E-Mail und IP-Adresse der Kommentierenden mir mitteilt und die Daten speichert und verarbeitet, ich selbst nutze die so erhobenen Daten nicht (näheres unter Impressum und Datenschutz). Sollte das Löschen eines Kommentares im Nachhinein gewünscht werden, bitte eine Mail an fundevogelnest@posteo.de, meistens werde ich es innerhalb von 48 Stunden schaffen dieser Bitte nachzukommen.

 


8 Gedanken zu “Im Affenhaus

  1. Christiane Juni 5, 2018 / 1:28 pm

    Schlicht und stark formuliert, gefällt mir sehr.
    Ich würde das gern rebloggen, ich frage allerdings immer vorher, weil ich es selbst nicht mag, also: darf ich?
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest Juni 5, 2018 / 9:18 pm

      Ja, darfst du.
      Was veröffentlicht ist, darf seine eigenen Wege gehen.
      Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen rebloggen und Pingback?
      Oder ist es das selbe?
      Lieben Gruß
      Natalie

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      • Christiane Juni 5, 2018 / 10:56 pm

        Nein, ist es nicht. Rebloggen (über den Button unter dem Beitrag bei den Likes; kann man abschalten) ist quasi eine Neuveröffentlichung auf dem Blog des Rebloggenden (in dem Fall bei mir), allerdings mit deutlicher Absenderangabe, damit ich mich nicht mit fremden Federn schmücke (da sei das Urheberrechtsgesetz vor) und der Möglichkeit, einen eigenen Kommentar/Text dazu abzugeben. (Reblogs kann man nicht timen: Ich machs morgen früh.)
        Um einen Pingback zu generieren, müsste ich deinen Text nur in meinem verlinken. Nichts anderes machst du, wenn du zu den Etüden verlinkst, du erzeugst einen Pingback bei mir.
        Liebe Grüße
        Christiane

        Gefällt 3 Personen

  2. violaetcetera Juni 5, 2018 / 6:32 pm

    Ich finde es angenehm schnörkellös und direkt. Kannst du ruhig mehr von bloggen. Und ja, ich glaube auch, dass Menschenaffen zumindest teilweise verstehen, was los ist

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  3. Christiane Juni 6, 2018 / 7:00 am

    Hat dies auf Irgendwas ist immer rebloggt und kommentierte:
    Letzte Woche hatten wir in den Etüden den „Affenkasten“. Ich habe, wie viele andere vermutlich auch, zuerst an Zoos gedacht, die ich nicht (mehr) so besonders mag. Und dann hat Natalie aus dem Fundevogelnest ein altes Gedicht dazu nachgereicht, das ich einfach nur großartig finde. Aber lest selbst!

    Gefällt 2 Personen

  4. www.wortbehagen.de Juni 6, 2018 / 7:04 pm

    Es ist ein gutes Gedicht, weil es Gefangensein und Freisein sehr schön und ohne Pathos gegenüberstellt. Die eine hat Glück, die andere Pech und keine von beiden hat schuld daran, auf welcher Seite sie steht.
    Es erinnert mich an den Panther von Rilke, den ich seitdem immer hin-und hergehen sehe – hinter den Stäben mit leerer Pupille.
    Ich hab keine Zoos mehr. Grenzen gibt es schon mehr als genug.

    Liebe Grüße von Bruni

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    • www.wortbehagen.de Juni 6, 2018 / 11:48 pm

      Es sollte heißen: Ich mag keine Zoos mehr!

      Gefällt 1 Person

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