Das Fotoalbum (Gast-Etüde)

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Hier, wie versprochen, die Geschichte, die meine Freundin in unserem Urlaub zu Gerda Kazakous Wortspende für die ABC-Etüden schrieb.

Da meine Freundin den ganzen Urlaub vom Kleinen Fundevogel und mir angehustet worden ist, ist sie nun selbst erkältet bei einem stressigen Alltag und hat ihre Geschichte nicht mehr weiter überarbeitet, doch ich fand ihre Geschichte von Anfang an schön.

Liebe Regina, vielen Dank fürs Mitspielen!

Gudrun betrachtete das selbstgebastelte Fotoalbum, welches ihre Tochter Lena zu Weihnachten bekommen würde. Ein zufriedenes Lächeln huschte über ihr Gesicht. Endlich konnte sie mit diesen Kinderfotos ihrer Tochter die Vergangenheit erhellen. Genauso wie sie alles minutiös in ihrem Tagebuch festgehalten hatte, sollte auch Lena gegenüber die dunkle Vergangenheit ans Licht. Wochenlang hatte sie mit skrupulöser Akribie das schwarze Tonzeichenpapier zurechtgeschnitten, die Fotos immer wieder in anderer Reihenfolge zusammengestellt. Die vergilbten, braun-stichigen Schwarz-Weiß-Fotos ihrer Großmutter und Mutter, die blaustichigen Fotos aus ihrer Kindheit und alle Fotos von Lena seit der Geburt bis zum achtzehnten Geburtstag. Das war typisch für sie: Bis sie mit irgendetwas Selbstgemachten zufrieden war, dauerte es Wochen. Früher verfiel sie angesichts ihrer schwierigen Kindheit in eine tiefe Traurigkeit. Mittlerweile gelang ihr immerhin Selbstironie. Trotz allem war es ihr gelungen, Lena zu einer prima lebenstüchtigen und positiven jungen Frau zu erziehen. Sie malte sich aus über die Weihnachtstage mit Lena die alten Fotos zu betrachten, zu selbstgebackenen Brownies und Baumkuchen alles über die Vergangenheit zu erzählen und sich dem Verständnis der Tochter endlich ganz sicher zu sein. Schon die Vorfreude darauf war ein Genuss, der ihr rosige Wangen und ein Lächeln ins blasse, schmale Gesicht zauberte.

Der schrille Klingelton des Handys riss sie aus ihren Tagträumen. „Mama“, Lenas aufgewühlte und erschrockene Stimme erstickte jegliche Vorfreude in Gudrun. „Mama, ich werde nicht kommen können. Es ist etwas Schlimmes passiert!“. Sofort krochen in ihr die alten Ängste wieder hoch, schwärzer als das Tonzeichenpapier im Album. Oh nein, nicht sie auch. Nicht die gleiche schreckliche Geschichte auch mit Lena, dachte sie nur, bevor sie das Bewusstsein verlor.

Als sie am zweiten Weihnachtstag im Krankenhaus wieder aufwachte, stand Lena an ihrem Bett, mit einem selbst hergestellten Fotoalbum aus dem gleichen schwarzen Tonzeichenpapier. „Das habe ich mit Großmutti für dich gebastelt“

Ihre Augen füllten sich mit Tränen der Rührung.

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4 Gedanken zu “Das Fotoalbum (Gast-Etüde)

  1. Christiane Oktober 20, 2018 / 8:43 am

    Da ist es, das Band, das verbindet, die Liebe, die trägt. Sie muss sich keine Sorgen machen, aber die Biester sind heimtückisch und schlagen hinterrücks zu …
    Gefällt mir sehr.
    War Regina letztes Mal beim Maskenzauber, darf ich fragen?
    Liebe Grüße, gute Besserung allerseits!
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  2. fundevogelnest Oktober 20, 2018 / 8:40 pm

    Liebe Christiane,
    Ich habe das außergewöhnliche Glück seit mehreren Jahrzehnten zwei gute Freundinnen an meiner Seite zu haben.
    Die mit dem Maskenzauber war die andere, bei der ich aber eher gedacht hätte, sie würde mal die Neigung verspüren eine Etüde zu schreiben.
    So gibt es auch in alten Freundschaften noch Überraschungen.
    Natalie

    Gefällt mir

  3. violaetcetera Oktober 20, 2018 / 10:07 pm

    Sehr eindrücklich, diese Etüde. Kann ich nur bestätigen, wer viel Schlimmes erlebt hat, schaltet in so einer Situation erstmal ab. Umso schöner dieses warme Ende.

    Gefällt 1 Person

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