Ausflug (ABC-Etüde)

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Die Wortspende von Bernd , Hüter des Blogs Red Skies Over Paradise , zur neuen Etüdenrunde

Pfründe

mondän

lassen

schrie für mich irgendwie nach einem historischen oder politischen Text, der sich aber nicht einfinden mochte. Stattdessen erfahren Sie nun vom Gebaren der Zahnbürsten und unsichtbaren Vögel im Fundevogelnest.Die Spielregeln und alle Texte, die um Bernds Wortspende entstanden, finden sich hier unter der Obhut der Etüdenpflegerin Christiane.

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Frau Fundevogel lässt ihre Flügel hängen, bereit augenblicklich den Kopf unter selbige zu stecken. Das Nest sieht halbwegs manierlich aus und endlich hat ihr jüngstes Küken nachgegeben und ist mitten im Satz eingeschlafen. Sanft pickt der Erzählvogel an ihrem linken Ohr.

„Gute Nacht mein Freund, bekomme ich noch eine Einschlafgeschichte?“

„Nein, lass‘ mich verreisen“

„Bitte?“ , Frau Fundevogel ist schlagartig wach. „Wo willst du hin?“

„Zu Frau Vrooooooo, die hat eine Muse, originell, sage ich dir, geistvoll und“, er seufzt, „eine Schönheit.“

Oha, den hats erwischt, denkt Frau Fundevogel: „Erst die grüne Zahnbürste und nun du, mein alter Freund, der Oktober erweist im Nest als wahrer Wonnemond.“

„Die grüne Zahnbürste! Pfrggh… deren wehleidiges Gequake kann nun wirklich niemand mehr ertragen“.

In der Tat, die grüne Zahnbürste, eigentlich eine begnadete Erzählerin, jammert Abend für Abend dem Whirlpool nach, den sie Anfang des Monats in einer übertrieben mondänen — dafür barrierefreien  –Ferienwohnung kennengelernt hat. Drei Nahverkehrszugfahrten plus Schienenersatzverkehr drang gedämpftes Abschiedsschluchzen aus unserem Koffer, die Zugbegleiterin guckte schon ganz komisch.

„Du wirst Frau Vros Muse nicht mit diesem selbstgefälligen Whirlpool vergleichen, die hat Witz, die hat Esprit. Und da meine Pfründe hierzu versiegen drohen …“

Und auf einmal wirds der Frau Fundevogel, die das bis jetzt alles ganz unterhaltsam gefunden hatte, flau ums Herz. Singt nun auch ihr ältester Freund mit im großen Vorwurfschor? Sie ist so müde, bräuchte dringend eine Gute-Nacht-Geschichte. Aber wenn dem Vogel das Futter auszugehen droht, was dann?

„Flieg“, murmelt sie. „Grüß die Muse und vergiss mich nicht“

„Ist doch nur ein Ausflug, ich komme mit neuen Geschichten für dich, für dich ganz allein.“

„Ich gehe Freitag zu dieser Lesung, Neruda und Matilde Urrutia“, antwortet Frau Fundevogel. „Und dann…“

„Dann ist da wieder was“, ergänzt der Vogel und hebt ab.

Lange lauscht Frau Fundevogel im Dunkeln dem Rauschen der Flügelschläge nach.

Ich freue mich immer über Likes und Kommentare zu meinen Texten, muss aber darauf hinweisen, dass WordPress.com – ohne dass ich daran etwas ändern könnte — E-Mail und IP-Adresse der Kommentierenden mir mitteilt und die Daten speichert und verarbeitet. Ich selbst nutze die so erhobenen Daten nicht (näheres unter Impressum und Datenschutz). Sollte das Löschen eines Kommentars im Nachhinein gewünscht werden, bitte eine Mail an fundevogelnest@posteo.de, meistens werde ich es innerhalb von 48 Stunden schaffen dieser Bitte nachzukommen.

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5 Gedanken zu “Ausflug (ABC-Etüde)

  1. Elke H. Speidel Oktober 31, 2018 / 9:16 pm

    Ich war heute auch allein. Ohne Enkel, ohne Dinosaurier, ohne Monster, ohne Krokodile und Wölfe mit Stacheln am Rücken und bösem Gesicht, ohne Dramintza, ohne Nopupa und ohne Bepampam. Nur die alte Oma ganz allein im Omahaus. Nein, nicht GANZ allein: mit Schnupfen und Husten. Die sind beim Rest der Belegschaft nicht so beliebt, deshalb haben sich alle anderen nicht zu mir getraut. Hast du den Schaden, brauchst du für die Einsamkeit nicht zu sorgen!

    Gefällt 4 Personen

  2. Christiane November 1, 2018 / 8:06 am

    Du wirst sehen, der Erzählvogel wird quietschfröhlich und funkelnd vor Lebendigkeit zurückkehren, und dir lauter wohltuende Geschichten ins Ohr flüstern. Vielleicht hat er aber zu viele Erzählstunden geschoben und braucht ein bisschen Zeit, um auszuruhen und Ideen zu sammeln? Sei nicht traurig, er kommt ja wieder …
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

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