Ewigkeitssonntag, Etüden, Ergebenheit

Totensonntag, Ewigkeitssonntag, das protestantische Pendant zu Allerseelen, der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Ich glaube noch immer nicht an Gott, aber der Rhythmus des Kirchenjahres gibt Takt. Auf dem Frühstückstisch sollen wie jedes Jahr Kerzen brennen für die, die im Umkreis des Nestes gestorben sind, ob sie nun Menschen waren, Fell oder Federn trugen. Weiterlesen

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Anderer Blick

Die Auszubildende der Kita fragt, ob sie den Kleinen Fundevogel zum Objekt einer Hausarbeit machen darf. Und ob sie dafür Fotos machen darf.

Sie darf.

„Gucken Sie mal, voll süß geworden“, strahlt sie und schenkt mir Abzüge der Fotos. Liebevoll fotografiert, denke ich.

Ein paar Wochen später strahlt sie noch mehr: Bestnote! Ob ich ihre Hausarbeit vielleicht lesen möchte? Weiterlesen

Die kleine Schwester der Zauberei

Auf meinen Text von vorgestern über den Großen Fundevogel und auch auf den über den Kleinen vom Sommer bekam ich schöne und herzwärmende Kommentare.

Dafür noch einmal den allerherzlichsten Dank.

Und mag es sich auch ein wenig verrückt anhören, nicht nur die Kommentare, auch die Texte erwärmen mein eigenes Herz, das sich nach Wärme sehnt, denn auf meinem Herzen lässt die Schwere sich gerade gern nieder, sitzt da immer mal wieder wie eine riesige, klamme, schleimende Nacktschnecke. Weiterlesen

15 Jahre Großer Fundevogel – die zweite Liebeserklärung

Lieber Großer Fundevogel,

Vor ziemlich genau fünfzehn Jahren trat ich aus einem Fahrstuhl. Übel vor Aufregung war mir dabei, denn dort erwartete mich eine Frau, neben ihr ein Buggy mit einem wohlverpackten Kind. Das Kind war nicht besonders gut zu erkennen, war der größte Teil doch durch einen dunkelblauen Schneeanzug verdeckt. Was noch rausguckte, verschwand unter einer Mütze mit rotem Rand und hinter einem Schnuller, der falsch herum im Mund saß. Weiterlesen

Novemberleuchten

Die Sonne ist mit ihrem dünnsten Wolkenschleier angetan. Zerstäubt wie Mehl aus einem großen Sieb rieselt das Licht auf Fluss, Sträucher und Weg.

Gelb ist der Weg, so gelb wie ein Kind die Sonne malen würde. Sonnengelb ist der Weg, auf dem das Kind, das nie eine Sonne malt, auf einem gelben Fahrrad fährt. Weich ist der Weg unter dem Kind und er leuchtet. Leuchtet sonnengelb. Sanft fallen gelbe Blätter durch zerstreutes Licht, machen noch weicher den laubgelben Weg. Machen frei den Blick durch die Zweige. Weiterlesen

Wie der Oktober roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Das geschätzte Fräulein ReadOn führt ihre wunderbare Suche nach Gerüchen weiter. Schon ist auf ihrer Seite wieder ein wahres Zauberkästchen zum Schnuppern und Festlesen zusammengetragen worden. Weil es hier in den ersten Novembertagen nach der Salzlösung im rauschenden Inhaliergerät, nach dem Salbei, der meine Halsschmerzen tatsächlich fortnehmen konnte und dem Schnupfenatem eines kleinen Kindes roch, kommt mein Beitrag erst jetzt. Weiterlesen