Zweierlei Plastikmaß

Mittwoch nun ist Markttag. Und immer wieder mittwochs wird mir bewusst, wie gut ich es habe mir und meinen Kindern nach Herzenslust Essen kaufen zu können, Essen, das uns gut tut, Leib und Seele nährt.

So ungern ich sonst einkaufe, mit den mir inzwischen so vertrauten Maktleuten schwatze ich gern. Kohlrabiblätter und Möhrengrün für das Hühnervolk gibt es gratis dazu, manchmal auch einen nicht mehr verkäuflichen Salat.

Die Kinder kommen an Markttagen quasi satt nach Hause, eine Möhre hier, ein Apfelviertel dort, dann noch ein Stück Fladenbrot und wenn wir zu dem von Mutter und Tochter betrieben Stand mit Käse,Eiern, Wurst und Honig gehen, gibt es noch ein kleines Würstchen auf die Hand.

Zwischen Honiggläsern und Eierkartons haben sie einen Flyer ausliegen. Es geht um eine Organisation, die sich um Kinder mit einem seltenen genetischen Syndrom kümmert. Die kleine Nichte hat es.

Eigentlich dürfen wir das nicht mehr,  sagt die Jüngere, als sie den bei den Kindern so begehrten Frischkäse in meine mitgebrachte Plastikdose füllt. Immer bedient uns die Tochter, denn der Mutter ist das Abwiegen der Dose mit der Tarafunktion zu nervig. Seit Jahren kennt sie mich und meine Dosen. Öko-Schrulle-Exotin war ich mal und mit Herzklopfen dabei. Inzwischen kaufen viele so ein, weil Plastik in Meeresschildkrötenmägen in allen Social Medial Kanälen präsent ist.

Der Kollege an dem Stand mit den orientalischen Aufstrichen und Salaten ruft seine Kunden inzwischen auf, eigene Dosen mitzubringen. Trotzdem trage ich von ihm immer wieder Einweg-Plastikschälchen heim, der Gute schenkt immer gern einen kleinen Bonus dazu.

Diese Schälchen hebe ich auf, um Beeren drin zu pflücken. Der Stapel ist schon beträchtlich, trüge ich alles in Einwegschälchen heim, überragte er wohl bald das Haus.

Ein Parteiprogramm ohne Kampf gegen Plastikmüll scheint unvollständig.

Und dann geht da eine vom Gesundheitsamt über den Markt und maßregelt unsere liebe Verkäuferin, weil sie den Frischkäse kundenorientiert, umweltfreundlich und auslaufsicher verpackt. Ich könnte ihr ja die Pest über ihren Tresen schieben.

Ich muss halt immer schauen, ob sie da irgendwo steht, sagt sie und ich erzähle ihr vom anstehenden Strohhalmverbot , das für manche Menschen mit Behinderungen bedeutet, nicht mehr selbstständig trinken zu können.

Was für ein Quatsch.Was ist denn nun mehr Plastik, so ein dünner Strohhalm oder diese ganzen Dosen?

Wir kriegen es nicht zusammen.

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5 Gedanken zu “Zweierlei Plastikmaß

  1. Elke H. Speidel März 7, 2019 / 6:36 am

    Jede gute Überzeugung, die in Stur- und Starrheit ausartet, kann zur Gefahr werden. Und es gibt (fast) nichts Schlechtes, das nicht zu irgendwas gut wäre, und umgekehrt. Leben und Sterben, Sein und Nichtsein ist viel komplexer, als wir es wahrhaben wollen und können. Wir Menschen erliegen gern der Illusion, mit unserem individuellen Handeln etwas Großes (zumindest mit-) bewirken zu können. Und manchmal bewirken wir, als winziger Teil eines Großen, tatsächlich etwas, aber wir haben die Nebenwirkungen nicht bedacht und/oder nicht erkannt, weil sie im Kleinen kaum sichtbar waren, und im Großen (das wir mitbewirkt haben), summieren sie sich zu einer Riesengefahr, übersteigen nicht selten die angestrebte Hauptwirkung. Daher ist es, so ärgerlich es uns manchmal scheinen mag, vermutlich sogar funktional, dass Menschen zwar versuchen, nachhaltig zu handeln, aber durchaus nicht jeweils dasselbe darunter verstehen. So heben sich zwar die Wirkungen teilweise auf, aber dafür halten sich auch die Nebenwirkungen in entsprechenden Grenzen. Das mag als Wesen der Demokratie angesehen werden: Sie ist, anders als Diktaturen, weder sehr gut noch sehr böse, sondern einfach sehr mittelmäßig. Und wahrscheinlich ist das gut so.

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    • fundevogelnest März 7, 2019 / 8:28 pm

      Liebe Elke,
      Danke für diesen weisen Kommentar.
      Dir aus gegebenen Anlass die besten Wünsche für morgen.
      Natalie

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      • Elke H. Speidel März 8, 2019 / 10:04 am

        Danke schön. Ich kann gerade sehr viel Kraft gebrauchen, aber ich weiß, das geht dir genauso. Also nimm einfach auch du meine besten Wünsche entgegen. Am 18. März soll ich operiert werden.

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        • fundevogelnest März 8, 2019 / 7:27 pm

          Ich werde an dem Tag ganz fest an dich denken!
          Sie Zeit davor ist bestimmt emotional sehr anstrengend, ich hoffe du wirst von möglichst vielen Seiten ein bisschen verwöhnt.<3
          Hier ruckelt sich gerade vieles zurecht.
          Die Perspektive des Großen Fundevogels ist erstmal geklärt (Weiterführung des Pflegeverhältnis über das 18. Lj. hinaus, keine gesetzliche Betreuung)
          Und insgesamt gehen Anspruch und Realität meines Lebens wieder ein bisschen liebevoller miteinander um. Ein langsamer Prozess, der nun Früchte trägt.
          Wenn du es magst, fühle dich aus der Ferne umarmt.
          Natalie

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          • Elke H. Speidel März 8, 2019 / 9:19 pm

            Oh, danke. Das freut mich für dich, dass es etwas besser zusammenpasst und dass die Perspektive deines Großen Fundevogels geklärt ist. Das zeigt mir, dass es doch auch noch gute Nachrichten gibt auf der Welt, was mich gerade sehr aufbaut.

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