Nächtliches Intermezzo

In der Stunde, in der der Schutzmantel der Seele am durchlässigsten ist, in der Stunde der Nachtgespenster, werde ich wach. Durchs geöffnete Fenster faucht der Wind, die Baumkronen, die unser Zuhause im zweiten Stock so wundervoll umkränzen, sind in ächzender Aufruhr.

Hat mich das geweckt? Oder waren es die zwei eisekalten Füßchen, die sich unter mein Nachthemd schieben, die ebenso klammen Händchen, die sich um meinen Nacken legen?

Was ist das?, fragt ein banges Stimmchen.

Und ich antworte, was Eltern seit Menschengedenken ihren Kindern antworten, wenn sie wach werden, in den Stunden, in denen die Gespenster unterwegs sind: Es ist nichts, es ist nur der Wind. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Und hör mal: Es regnet.

Es regnet! Dann bist du aber fröhlich Mama.

Ja, antworte ich, sehr sogar.

Das ist gut. Das ist richtig gut.

Schniefelnd und schnuffelnd, wühlend und Haare fitzelnd schläft der Kleine Fundevogel wieder ein.

Der eigene Schlaf ist kapriziös geworden, nach Jahrzehnten des Schichtdienstes, der viel zu vielen Gedanken und Nachtgespenster. Einmal verscheucht, ziert er sich lange zurückzukommen.

Also lausche ich der Nacht, dem Wind, dem lang ersehnten Regen und dem ewig schniefenden Atem des Kleinen Fundevogels.

Kein Wiegenlied könnte schöner sein.

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11 Gedanken zu “Nächtliches Intermezzo

  1. violaetcetera April 27, 2019 / 9:42 pm

    Keine Ahnung, ob sich der kleine Fundevogel später noch daran erinnern wird, aber mir hat es früher sehr geholfen, dass meine Mutter mir immer wieder über diese Momente hinweg geholfen hat.

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    • fundevogelnest April 28, 2019 / 9:37 pm

      Er ist ja nun schon fünf, da erinnert man so einiges.
      Aber ob wir je die Ängste der ersten fünf Monate aufwiegen werden?
      Schön, dass deine Mutter so liebevoll war.

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  2. Christiane April 27, 2019 / 9:53 pm

    Mir geht es mit dem Regen ähnlich. Das letzte Dürrejahr verstärkt dieses Gefühl noch zusätzlich.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest April 28, 2019 / 9:41 pm

      Die Nächte zuvor hatte ich Albträume deswegen, irgendeinen Grund nicht zu schlafen gibt es immer.
      Bemerkenswert fand ich wie bewusst sich der Kleine Fundevogel dessen war,. Klar hatte ich ab und an gesagt hoffentlich regnet es bald oder so, aber dieses tiefe „dann bist du aber fröhlich“, hat mich schon sehr berührt.

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  3. charlotteweiss April 27, 2019 / 9:59 pm

    Auch ich werde oft in der Nacht wach, weniger wegen des Sturms und des Regens, als von dem erleichtert seufzenden kleinen Mädchen, das neben mir liegt, ihren Arm und ihr Bein um mich legt, sich unter meine Decke schiebt und weiter schläft, während ich noch ein paar Momente brauche, wieder in den Schlaf zu finden, weil ich mich so freue…
    Liebe Grüße
    Charlotte

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    • fundevogelnest April 28, 2019 / 9:46 pm

      Die Morgende, an denen der Kleine Fundevogel in seinem Bett aufwacht, kann man auch noch an den Fingern abzählen.
      Inzwischen ist es für mich gut,ja auch eine Freude, jahrelang war seine nächtliche Anwesenheit ein eher zwiespältiges Vergnügen, weil er sich sofort in meine Haare verkrallt und verbissen hat und zwar nicht nur ein bisschen.
      Inzwischen reicht tatsächlich ein, „Nein, das tut mir weh““ und er hört auf damit.
      Liebe Grüße
      Natalie

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    • fundevogelnest April 28, 2019 / 9:48 pm

      Und in dieser einen Nacht sind alle Linden in der Straße grün geworden. Festlich sieht das aus.

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  4. Ulli April 28, 2019 / 11:19 am

    Einer der besonders schönen Momente im Leben, wenn sich ein kleiner Körper vertrauensvoll an einen schmiegt und die Angstgespenster soeben wieder den Raum verlassen haben und das Kind ruhig atmend wieder eingeschlafen ist. Ja, manchmal kann es auch nervend sein, weil man selbst gerne durchschlafen möchte, aber es geht ja so schnell vorbei, dann doch! Jetzt genieße ich es noch manchmal mit den Enkelkindern.
    Liebe Grüße
    Ulli

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