Das Zaubererhaus (ABC-Etüde)

Alles ist plötzlich  voller orangener Schmetterlinge. Bei Ihnen auch?

Distelfalter sind es, Wanderfalter, die den Winter im nördlichen Afrika und im Nahen Osten verbringen und von denen es alle paar Jahre Masseneinflüge gibt (bei Interesse ist reichlich im Netz darüber zu finden z.B.beim NABU)

Ich kann nicht umhin jedem einzelnen zuzulächeln. Und in meinem Garten, in dem es aus Zeitmangel noch irrer wuchert, als es sowieso schon soll, sind die Tische schon mal reich für sie gedeckt.

Vielleicht ist es ja dem Distelfalterumflattertsein zu verdanken, dass mir endlich mal wieder eine leichte Etüde gekommen ist, ausgerechnet zu den eher schweren Wörtern, die Werner Kastens spendete:

Abweichung

unabwendbar

verengen

sollten in einem Text beliebigen Genres von höchstens 300 Wörtern Länge vorkommen. Mein Text basiert sehr frei auf einer Anekdote, die mir die Beste Freundin mal erzählte.

Bei Christiane finden sich alle eingegangenen Etüden und ihr verdanken wir auch diese schöne Illustration.

 

2019_2324_2_300

Unsere Töchter wurden gemeinsam eingeschult. Schon nach wenigen Tagen wollte die eine stets da sein, wo auch die andere war. Shanice Eltern hielten ernsthaft zwei Shetlandponys im Garten, daher ging auch ich dort bald ein und aus, trank manchen Kaffee mit ihrer Mutter Isabelle.

Isabelle war wie ich gern gewesen wäre. Die ideale Mischung zwischen liebevoll und streng. Ihre Töchter hatten einen geregelten Alltag, von dem es immer wieder ganz undramatisch Abweichungen geben durfte, weil das Leben dadurch schöner wurde.

Im ganzen Haus hing und stand Kreatives von ihr, den Kindern und auch ihrem Mann, manches schon liebevoll gerahmt, anderes noch im Zustand des Werdens, dazu die Ponys, die ungeniert auf die Terrasse kamen und sich, wenn es die Anatomie erlaubt hätte, bestimmt mit an den Kaffeetisch gesetzt hätten. Trotzdem war es bei ihr übersichtlicher und aufgeräumter, als es mir mit allen Mittel der Verzweiflung in einer Vierzimmerwohnung mit Kind und Kaninchen je gelingen würde.

Man hätte sich vor Neid in den eigenen Ellenbogen beißen können, ich beschloss einfach zu genießen.

Wir stellten fest, dass wir in einer Straße aufgewachsen waren. Wir sprachen über den Minisupermarkt und den cholerischen Schuster. Erinnerte sie, die Jüngere, das „Zaubererhaus“? Ganz hinten am Ebereschenweg, da, wo die Straße sich zu einem von Weißdornbüschen fast überdachten Sandweg verengte? Das bröckelnde Haus hinter dornigen Hecken galt als Schandfleck. Des Zauberers Bart erinnerte an den noch nicht erfundenen Dumbledore. Die Röcke der Hexe waren bodenlang und sie rauchte Pfeife. Kräutersträuße trockneten am lecken Regenrohr. Beide grüßten nie.

Einmal sah ich durch die Hecke ein Mädchen im Garten spielen, ein Baby fast noch. Meine Freundinen und ich gruselten uns, die Zauberer hatten es bestimmt geraubt, unabwendbar würde es schaurige Verwandlungen über sich ergehen lasse müssen…

Isabelle kicherte haltlos: Meine Hippie-Eltern lachen sich tot, wenn ich denen das erzähle!

Ich freue mich immer über Likes und Kommentare zu meinen Texten, muss aber darauf hinweisen, dass WordPress.com – ohne dass ich daran etwas ändern könnte — E-Mail und IP-Adresse der Kommentierenden mir mitteilt und die Daten speichert, verarbeitet und an den Spamerkennungsdienst Akismet sendet. Ich selbst nutze die erhobenen Daten nicht (näheres unter Impressum und Datenschutz). Sollte das Löschen eines Kommentars im Nachhinein gewünscht werden, bitte eine Mail an fundevogelnest@posteo.de, meistens werde ich es innerhalb von 48 Stunden schaffen dieser Bitte nachzukommen.

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9 Gedanken zu “Das Zaubererhaus (ABC-Etüde)

  1. violaetcetera Juni 15, 2019 / 10:07 pm

    Nicht neidisch werden sondern einfach nur die schönen Stunden genießen finde ich eine sehr gute Lebenseinstellung!

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest Juni 16, 2019 / 8:47 pm

      Ja, nicht wahr? Wenn es auch ein bisschen dem Stress der 300 Worte geschuldet ist.
      Liebe Grüße
      Natalie

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  2. Christiane Juni 15, 2019 / 10:44 pm

    Und ich lache mich gerade scheckig wegen deiner Auflösung!
    So ein Haus gab es bei uns in der Straße auch, aber die Bewohner waren undramatischer und deren Geschichte vermutlich erheblich dunkler …
    Distelfalter: Ja, ich. Ungewöhnlich viele. Flatternd. Letztes Wochenende auf der Elbinsel Kaltehofe. Wobei mir nur klar war, dass das KEIN Admiral und KEIN Kleiner Fuchs war, und ich dir hiermit freudig für die Aufklärung danke.
    Danke für die Etüde!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou Juni 16, 2019 / 12:44 am

      bei uns wimmelt es grad von Zitronenfaltern. (jedenfalls heißen sie für mich so. Sind gelb, die Unterseite gleicht, wenn die Flügel zusammengefaltet sind, einem hellgrünen Blatt)

      Gefällt 2 Personen

      • fundevogelnest Juni 16, 2019 / 8:54 pm

        Soviel ich weiß sind die mit dem grünlichen Touch die weiblichen Zitronenfalter, aber hier sind bessere Insektenkennerinnen unterwegs als ich.
        Gruß
        Natalie

        Gefällt 1 Person

    • fundevogelnest Juni 16, 2019 / 8:50 pm

      Lachschecken waren ausdrücklich erwünscht.
      Zu Distelfaltern, Vanessa cardui, habe ich meiner kleinen Romanheldin wegen ein ganz besonderes Verhältnis.
      Liebe Grüße
      Natalie

      Gefällt 1 Person

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