Wie der Froschkönig die Frau Fundevogel etwas lehrte (ABC-Etüde)

Die Wörterspende für die Etüden stamm dieses Mal von Viola, deren ehrlichen Texte ich sehr gern lese.

Froschkönig

trüb

helfen

heißen ihre Wörter, die in einem Text mit höchstens 300 Wörtern vorkommen sollen.

Alles mehr oder weniger Märchenhafte, das um Violas Wörter herum gesponnen wurde, findet sich bei Christiane, die wie immer alles vorbildlich organisiert und illustriert hat.

Vielen Dank, liebe Christiane, dass du unser Lieblingsspielzeug so gut am Laufen hälst.

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Aber wenn du mich liebhabhaben willst, und ich soll dein Geselle und Spielkamerad sein, sprach der Frosch zu der Prinzessin in den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat.

Und plötzlich war es, als hülfe das Wünschen bis heute: Keine kleinen Finger bogen Märchenbuchseiten, kein tiefes Seufzen: „Ist das noch lange?“, sonden eine hörte gebannt zu. Der alte Wasserpatscher, der so gern eines Menschen Geselle sein wollte, hatte vermocht, woran die Raupe Nimmersatt, die Kleine Hexe und Pu der Bär gescheitert waren: Mein Kind ließ sich vorlesen, verlangte die Geschichte vom garstigen Frosch gar weitere Male.

Wer dir geholfen hat in der Not, den sollst du hernach nicht verachten, hatte ich gelesen und schaffte sogleich eine wunderschöne Froschkönig -Bilderbuchausgabe an. Fortan mäkelte ich nie mehr an diesem Lurch, der als Lohn für etwas, das ihm nicht besonders schwer gefallen sein dürfte, die Prinzessin mit Haut und Haar verlangte, selbst in ihr Bett wollte er kriechen. Ihr Vater beschütze sie nicht, speiste den Frosch nicht ab mit einem fürstlichen Male und vielleicht einem Hauskonzert zum Lohne. Wartete nicht ab, was sich zwischen den beiden entwickelte, sondern ward zornig und schickte seine Jüngste zum Beischläfchen, wie es Gerda Kazakou in ihrer Etüde so trefflich auf den Punkt gebracht hat.

Ich verlangte meinen Kindern keine Prinzenehen ab, jedoch ein Leben ohne Geschichten erschien mir gar zu trüb, das wollte ich sie nicht führen lassen.

Diese Goldene Kugel schien der Froschkönig mir nun geborgen zu haben.

Die Freude darüber währte indes nicht lang, bald mochte das Kind weder ihn noch andere Märchen mehr hören, nur der Froschkönigteller ist Herzensding geblieben, wie gut dass ich ausgerechnet diesen fing, als das Geschirrregal zusammenbrach.

Es gibt welche, die bedürfen keines Prinzen. Und welche, die verlangen keiner Geschichten.

Ihrer quakenden Majestät danke ich vielmals für diese Erkenntnis.

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10 Gedanken zu “Wie der Froschkönig die Frau Fundevogel etwas lehrte (ABC-Etüde)

      • Elke H. Speidel Juli 1, 2019 / 9:09 pm

        Hm, hier ist er nicht. Aber wenn Bepampam und Nopupa aus dem Wölfenwald wiederkommen, wo sie derzeit zu Besuch sind, werde ich sie mal fragen, ob sie Misi dort getroffen haben.

        Gefällt 1 Person

  1. Christiane Juni 28, 2019 / 5:42 pm

    Ein Leben ohne Geschichten, das heißt für mich: ein Leben ohne innere Bilder. Klar, es müssen nicht gerade Märchen oder Vorlesegeschichten sein. Aber … keine BILDER? Nichts durch Bücher, die man selbst liest, nichts, was durch Musik kommt, nichts zum Vorsichhinträumen durch Filme?
    Geht das? Oder verstehe ich da was falsch?
    Ich ziehe deine Aussage nicht in Zweifel, ich kann es mir nur einfach nicht vorstellen.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest Juni 30, 2019 / 11:15 pm

      Danke für deine Antwort, die ich lange in mir bewegt habe.
      Deine Frage nach den inneren Bildern kann ich letztlich nicht beantworten.
      Ich fürchte sie sind oft eher überwältigend, vielleicht ist das ein Teil der Antwort.
      Filme guckt sie gern.
      Natalie

      Gefällt 1 Person

  2. violaetcetera Juni 28, 2019 / 5:53 pm

    Mir geht es wie Christiane, ohne diese Bilder kann ich mir mein Denken nicht vorstellen. Mein Mann hingegen liest nur Sachliteratur und vermisst nichts. Da sind die Menschen wahrscheinlich unterschiedlich.
    Aber immerhin dieses eine Märchen vom Froschkönig ist wohl hängen geblieben beim Fundevogel.

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest Juni 30, 2019 / 11:22 pm

      Liebe Viola
      Ja, ich habe es ja auch schließlich akzeptiert, allen Parolen „Kinder brauchen Bücher“ und allem Glauben an das Heilende in Geschichten zum Trotz.
      Besonders Letzters hat mich in dieser Angelegenheit recht verbohrt werden lassen.zum Trotz
      Kinder, die eher auf Sachbücher stehen, bevorzugt über Baustellen, Züge und Saurier kenne ich übrigens eine ganze Menge.
      Wie immer danke für deine Gedanken.
      Natalie

      Gefällt 1 Person

  3. puzzleblume Juni 28, 2019 / 5:53 pm

    Nicht jeder kann Vorstellungen in seine Gefühls- und Vorstellungswelt dringen lassen, die bei anderen nur der Phantasie dienen. Es gibt Menschen, die haben eine zu durchlässige Membran zwischen Fiktion und Empfindung, sie werden davon nicht angeregt, sondern gewaltsam erfasst.

    Gefällt 4 Personen

    • fundevogelnest Juni 30, 2019 / 11:35 pm

      Vielen Dank für diesen klugen Kommentar.
      Das mag besonders dann zutreffen, wenn die Welt ohnehin als extrem verwirrender Ort wahrgenommen wird.
      Ich habe es ja auch schließlich akzeptiert.
      Natalie

      Gefällt 1 Person

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