In freundschaftlicher Sorge (ABC-Etüde)

Mein Kopf ist gerade sehr beschäftig, der Erzählvogel kommt kaum noch zu Wort, manches schreibe ich auf, manches von dem Geschriebenen stelle ich hier ein. Hintenrunter fallen dabei die von „aussen“ angefragten Texte, Ullis Alltagsprojekt zum Beispiel und auch die Etüden. Aber ohne Etüde fühlt es sich einfach nicht gut an, also habe ich diesmal keine Geschichte geschrieben, sondern meine ausfüllenden Gedanken mit der schönen Wörterspende vom Blog Kopf und Gestalt,(wo ich zurzeit meistens die faszinierenden Insektenbilder bewundere) kombiniert

Füße

harmonisch

wünschen

ein langes Gespräch mit meiner Freundin ging diesem Text voraus, wir haben im Laufe unserer Freundschaft und unserer insgesamt fünf Kinder die Fähigkeit entwickelt, trotz permanenter Kleinkind- und anderer Störungen tiefgründige Gespräche zu führen. Wir knüpfen einfach unbeirrt nach jeder Unterbrechung wieder an, kein Aufregen, kein Rechtfertigen einfach weiter. Das geht sonst mit niemandem.

Danke, meine Liebe, dass dieser Text hier stehen darf.

Und wie immer großen Dank an Christiane für die Etüdenpflege und das Bild.

Die Etüden haben nun Sommerpause. Aber ein Intermezzo wirft schon seine Schatten voraus. Ich bin schon sehr gespannt.

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Eine erzählte mir einen Kummer, einen Nebenkummer nur, in der Geschichte von der großen Schwere, die sich auf ihr Leben legte. Einen Kummer, den ich erkannte, aus der Zeit, in der ich mich für die Fundevögel entschied.

Selbst ihren Füßen nicht mehr vertrauen könnend, möchte sie den, den sie liebt und der noch mehr Hilfe braucht als sie, aus dem Pflegeheim zurückholen in die gemeinsame Wohnung, fraglos ein Wagnis, und so mehren sich Stimmen es bleiben zu lassen, die Überforderung und drohendes Scheitern kommen sehen.

In dieser liebevollen, ja liebenden Besorgnis, in Bedenken, die Schatten werfen, die größer sind als sie selbst, geht etwas verloren: Die Anerkennung eines Menschen, der seinem Herzen zu folgen versucht, nicht leichtsinnig, sondern mit Bangnis und Bedacht.

Natürlich dürfen Warnungen sein, liebende Bedenken sollten im Herzen bewegt werden, denn eine Freundschaft, die krampfhaft immer harmonisch sein will, ist wenig wert.

Am Ende jedoch entscheidet jede allein und manche unerhörten Kassandras fühlen sich dann leichtfertig zur Seite geschubst und fangen heftig zu bohren an, häufen Gründe wie Mühlsteine. Du machst dich unglücklich, begreife es doch.

Wer sowieso von Zweifeln gebeutelt kaum noch gerade steht, zieht sich dann manchmal eine Rüstung an, eine, die weder bequem ist noch passt, einen glänzenden  Harnisch aus Stärke, die nicht existiert.

Euch werde ichs beweisen.

Und dann hat man sie an, diese dumme Rüstung. Wenn verzagte Tage folgen, Tage zum Heulen und sich anlehnen, dann geht das nicht in diesem Panzer aus vorgetäuschter Stärke. Gewarnte fürchten, sie hätten das Recht zu klagen verspielt, wollen nicht ertragen: Ich habe es doch gesagt, fünf so demütigende Wörter, selbst wenn nur gedacht.

Ich wünsche mir und ich wünsche erst recht dir, meiner Freundin, Menschen, die Entscheidungen ertragen können und auf dem eingeschlagenen Weg trösten können, ohne zu triumphieren, die Heulen nicht als Scheitern verstehen.

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11 Gedanken zu “In freundschaftlicher Sorge (ABC-Etüde)

    • fundevogelnest Juli 23, 2019 / 8:11 pm

      Ja das Unausgesprochene würde sich wohl über kurz oder lang in unerfeulicher Form entladen.

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  1. hummelweb Juli 21, 2019 / 8:11 am

    Wunderbarer Text!
    Es sei uns allen zu wünschen, dieses Mittragen unsere Entscheidung, diese Schulter, die keine Wertung ist, sondern nur Liebe und Stärkung.

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest Juli 27, 2019 / 8:49 pm

      Oh ja, das wünsche ich mir oft und weiß doch selbst, es zu geben ist nicht immer leicht.

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  2. Elke H. Speidel Juli 21, 2019 / 8:22 am

    Oh ja. Ich kenne auch so eine, um die ich mich (vielleicht zu viel) sorge. Weil sie sich (vielleicht) zu viel zumutet in ihrer Sorge für einen, um den ich mich (vielleicht auch zu viel) auch sorge. Und dann sorgen sich die beiden um mich, um die ich mich doch weit weniger sorge, und trauen sich nicht, bei mir zu klagen, weil sie mich nicht belasten wollen. Dabei heißt es doch so treffend: Einer trage des anderen Last (Galater 6,2). Dann trägt immer jemand mit, und alles wird (ein ganz klein wenig) leichter.

    Gefällt 3 Personen

  3. Christiane Juli 21, 2019 / 9:42 am

    Dein Text regt (wie immer) zum Nachdenken an. Sofort bin ich bei der Frage, wie ich Freundschaft definiere, diese „Ich habs dir ja gesagt“-Leute – denn wenn man sich gegen deren Rat entscheidet und dann derartige Sprüche fürchtet, dann ist da was nicht okay. (Thema: Ratschläge sind auch Schläge.)
    Auch ich würde andererseits zu einer Freundin mit einer einsamen Entscheidung vermutlich sagen: Hör mal, auch wenn ich dich gut verstehe; dass du da jetzt in die Bredouille kommst, das Risiko war aber nicht eben klein. Um dann zu fragen: Wie kann ich dir denn jetzt helfen, dass es besser wird – denn wenn das Kind im Brunnen ist und mein*e Freund*in damit zu mir kommt, dann ist nicht meine Meinung oder gar eine Wertung gefragt, sondern konkrete Hilfe in der konkreten Situation.
    Danke dir hierfür.
    Liebe Grüße am Sonntagmorgen
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

  4. gkazakou Juli 21, 2019 / 11:58 am

    Ein Text zum Nachdenken, fürwahr. Wenn es erlaubt ist, eine Verallgemeinerung: „Wir schaffen das“, sagte die Kanzlerin, ohne zu definieren, wer dieses „Wir“ denn sei. „Wir, die Regierenden“, „wir, die wirtschaftlichen Eliten“, „Wir, das deutsche Volk“, „wir, die europäischen Nationen“? Am meisten übelgenommen wird in solchen Fällen, wenn eine Entscheidung ohne Beratung oder gegen den Rat der anderen im Alleingang gefällt wird, und die Folgen der Entscheidung dann aber den anderen aufgehalst werden. Wenn diese anderen dann protestieren, heißt es: wir sind Menschen, ihr seid Unmenschen.
    Deiner Freundin und allen, die durch eine „Ich-schaffe-das“ Haltung Hilfllosen Hilfe geben wollen, wünsche ich viel Kraft und gutes Gelingen. Eine Rüstung brauchen sie nicht. Ein wenig Demut ist da angebrachter und die Einsicht, dass Selbstüberschätzung auch im Guten Kosten hat, die man nicht auf Dritte abwälzen kann. Liebe Grüße!

    Gefällt 3 Personen

    • fundevogelnest Juli 28, 2019 / 12:16 am

      Liebe Gerda,

      Danke für deinen skeptischen Kommentar.
      Ich finde den Vergleich mit der politischen Ebene eher schwierig. Abgesehen davon , dass man in unserem Stadtteil mit mehreren Flüchtlingsheimen, einer Unterkunft für unbegleitete jugendliche Flüchtlinge und der Zentralen Erstaufnahme wirklich den Eindruck hat,dass „das“ wirklich ziemlich unaufgeregt zu schaffen ist, schrieb ich über die persönliche Ebene. Selbst wenn ich Angela Merkel gewählt hätte, wäre ich nicht mit ihr befreundet.

      Wenn ich zwei Pflegekinder aufnehme, von denen eines vorher von mehreren Familien abgelehnt wurde, ist das in erster Linie meine Verantwortung.Ich hatte durchaus eine Ahnung was mich erwartet, nicht zuletzt im Internet gibt es ja viel zu erfahren, ich habe meine Kräfte abgewogen und gemeint, es wäre zu schaffen.
      Aber manchmal ist es viel, manchmal fühlte es sich auch zuviel an und dann tut es gut, einfach mal unzensiert und vielleicht auch unausgewogen in anteilnehmende Ohren jammern zu dürfen, ohne dass gleich das ganze Projekt in Frage gestellt wird.
      Das steht nämlich nicht in Frage.
      Und auch ohne, dass die Freundinnen in irgendeiner Form tätig werden müssten. Das ist nicht ja nun nicht immer möglich und trotzdem klärt es oft sich etwas, wenn ich die Möglichkeit habe mir etwas ohne falschen Stolz von der Seele reden zu dürfen.

      Dieses Jammern ist etwas sehr Privates und wäre auf einer politischen Ebene missverständlich und unangebracht.

      Liebe Grüße

      Natalie

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  5. violaetcetera Juli 21, 2019 / 12:00 pm

    Ich wünsche jedem Menschen solche Freunde, die den Lebensweg einfach mitgehen. Und mir die Fähigkeit, so eine Freundin zu sein. Eine Etüde, die dazu einlädt, sich selber zu hinterfragen, und das finde ich sehr schön.

    Gefällt 3 Personen

    • fundevogelnest Juli 27, 2019 / 9:08 pm

      Vielen Dank.
      „Einfach mitgehen“, ist vermutlich leichter gesagt als getan, denn das eigene Leben ist ja auch recht ausfüllend und sollte nicht verloren gehen.
      Aber in Stücken oder mit Respekt zusehend, das ist auch schon was und sollte nicht gering gerdet werden.

      Gefällt 1 Person

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