Vom Aushalten

tLetzthin waren wir im Kino, der Große Fundevogel, die Fundevogelfreundin und ich.  Den Film Systemsprenger wollte ich den Großen Fundevogel – volljährig oder nicht- auf gar keinen Fall allein schauen lassen. Zuviele Gespenster könnte die Geschichte der verlassenen und traumatisierten „Benni“ wecken, fürchtete ich. Die Neunjährige – beklemmend gut dargestellt von einer Zehnjährigen -, die so wenig Halt mehr in dieser Welt hat, dass ein Minimum an Zurückweisung und sei es nur eine Anweisung oder ein nicht jetzt, sondern später reicht, um sie Vernichtungsangst spüren zu lassen, sie regelrecht expoldieren zu lassen. Sie wird gewalttätig und läuft fort. Wehe dem oder der, die sich ihr in den Weg stellen. In ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung hat sie keinen Zugang mehr zu ihrem Verstand oder ihrer sonst durchaus vorhandenen Empathie.

Nur Erwachsene hier, der Große Fundevogel sieht sich beklommen im Kinosaal um, den Rest des Films verbringen die Freundinnen eng aneinandergeschmiegt, Popcorn essend, scheinen meine gelegentlichen besorgten Blicke nicht wahrzunehmen, bin wohl gerade nicht notwendig und lasse mich in „Bennis“ schwer auszuhaltendes Leben ziehen. Weiterlesen

XL-Eier

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Ich habe ja bekanntlich einen Knall. Einen Hühner-Knall. Ich verehre gefiederte Drama-Queens, liebe ihre Geräusche, ihre Bewegungen, das kribbelige Gefühl, wenn sie einem mit ihrem spitzen Schnabel Körner aus der Hand picken. Die Mauser der beiden Kleinen ist fast vollzogen, sie sehen fast wieder aus wie Hühner. Eier legen sie noch nicht wieder.

Die Riesinnen legen auch schon seit Wochen nicht, aber ihre Federn haben sie noch. Mich, die ich mir doch so gern Sorgen mache, macht das ganz nervös. Das kann doch nicht gesund sein, nicht dass die Riesinnen als nächste tot umfallen. Lese nun, dass Hochleistungshennen das Mausern weitgehend abgezüchtet wurde bzw. nicht mehr im naturgegebenen Rhythmus stattfindet. Ich sag doch, das kann nicht gesund sein. Dabei dachte – und schrieb- ich, die Mauser sei der Grund, aus dem sie in kommerziellen Haltungen so früh geschlachtet würden. Weiterlesen

Abhängigkeiten

Den einen Abend nun will die Frau Fundevogel zu Bett, muss aber erst mal wieder etwas suchen,

Mandy sucht wieder ihr Handy, spottet gutmütig der Student der Geowissenschaften und wählt hilfsbereit die Nummer. Es klingelt – nicht.

Dieses Mal steckt es nicht in Ach-diese-Jacke-hatte -ich -an. Im Garten vergessen? Unterwegs verloren?

Nun ja, kümmer ich mich morgen drum. Ich habe ja den Kleinen Fundevogel, da macht es nichts , wenn das Telefon mich nicht weckt, sage ich cool und gehe schlafen. Schlafen? Von wegen. Ich liege im Bett und mache mir Sorgen um mein Telefon. Hoffentlich find ich es wieder. Hoffentlich liegt das arme Ding irgendwo warm und trocken und scheidet nicht in nassem Gras und Regen elendig dahin. Weiterlesen

Noch einmal in Falters Namen

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Plötzlich ist es wieder sommerwarm und ein Schmetterling verirrt sich durch die geöffnete Balkontür in die Stube, gaukelt um die Lampe herum, prallt dann ein paarMal gegen die Scheibe und verschwindet hinter den nach den ersten Frostnächten reingeholten Basilikumkästen. Beim vorsichtigen Herausgeleiten sehe ich, es ist ein Pfauenauge. Ich sehe ihm noch nach, als es gar nicht mehr zu erkennen ist, schicke ihm alle erdenklichen guten Wünsche hinterher. Es ist erst das dritte oder vierte, das ich in diesem Jahr sehe, jedenfalls hier sehe, bei meiner Mutter an der Ostsee gab es deutlich mehr. Weiterlesen

Nach Luft schnappen

Nein, ich kann nichts Kluges über den rechtsextremistischen Gewaltexzess in Halle schreiben.

Etwas Heilendes schon gar nicht.

Aber gar nichts zu schreiben geht auch gerade nicht.

Ich kann nur das Entsetzen teilen, die Sprachlosigkeit, wo große Worte notwendig wären. Donnernde Worte voll alttestamentarischen Zorns. Aber wer kann sie, wer wird sie sprechen? Weiterlesen

Drei Wünsche frei (ABC-Etüde)

Nach schwer kommt leicht.

Fraggles extravagante Wortspende

Gewächshaus

fälschen

jodhaltig

setzte in mir nur Unfug frei…

Außerdem ist es mir zum ersten Mal gelungen meine Etüde am Worterscheinungstag nun zumindest geschrieben zu haben (handschriftlich, Punktlandung 299 Wörter, man erwirbt seltsame Fähigkeiten). Die Fundevogeloma hielt es nämlich für eine gute Idee den Kleinen am Sonntagmorgen ins Kinderkino einzuladen. Im Nachhinein fand sie die Idee nicht mehr ganz so gut („so laut wie er war keiner“), aber ich saß bei Kaffee und Croissant im Café mit Papier und Stift, Traum für wahr. Weiterlesen

Freundschaftsgeschichten (verspätete ABC-Extraetüde)

Keine Etüde von mir in der letzten Runde und die Extraetüde nun mit Verspätung. Ich bin noch immer mit meiner inneren Mauser zugange. Meine Mausertexte behalte ich für mich, mag nicht entblößt im Internet stehen.

Dieser Etüde liegt allerdings ein Mausertext zugrunde. Der wäre aber vermutlich nur noch für Leute die mich gut kennen wiederzuerkennen und so ist es mir auch recht. Weiterlesen