XL-Eier

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Ich habe ja bekanntlich einen Knall. Einen Hühner-Knall. Ich verehre gefiederte Drama-Queens, liebe ihre Geräusche, ihre Bewegungen, das kribbelige Gefühl, wenn sie einem mit ihrem spitzen Schnabel Körner aus der Hand picken. Die Mauser der beiden Kleinen ist fast vollzogen, sie sehen fast wieder aus wie Hühner. Eier legen sie noch nicht wieder.

Die Riesinnen legen auch schon seit Wochen nicht, aber ihre Federn haben sie noch. Mich, die ich mir doch so gern Sorgen mache, macht das ganz nervös. Das kann doch nicht gesund sein, nicht dass die Riesinnen als nächste tot umfallen. Lese nun, dass Hochleistungshennen das Mausern weitgehend abgezüchtet wurde bzw. nicht mehr im naturgegebenen Rhythmus stattfindet. Ich sag doch, das kann nicht gesund sein. Dabei dachte – und schrieb- ich, die Mauser sei der Grund, aus dem sie in kommerziellen Haltungen so früh geschlachtet würden.

Die Riesenen zogen am 1.7.2018 ein und legten weit über ein Jahr lang jede fast jeden Tag ein Ei.

Riesige Eier, die wir Zwerghuhneieresser spaßhaft Ministaußeneier oder XXL-Eier nannten.P1050140

Nun schickt mir der Verein „Rettet das Huhn“, dem ich auch die Riesinnen verdanke (und zu dessen Gunsten ich immer noch ab und an ein Buch verkaufe), eine gar gruselige Meldung über Zwangsmauser und XL-Eier.

(Warnung: Der verlinkte Artikel enthält reichlich Fotos, die entweder unappetitlich oder herzzereißend sind, auf jeden Fall kleben sie recht anhänglich im Gedächtnis, eine Nurtextversion habe ich leider nicht hinbekommen.)

Vom Kauf dieser XL-Eier kann ich also nur abraten, selbst ohne Hühner-Knall ist das nachvollziehbar, denke ich mal. Dass es kommerziell gehaltenen Hühner in ihrem kurzen Leben selten gut geht, wissen auch die meisten, wie man damit umgeht, muss jede und jeder für sich selbst entscheiden.

Eier von Hühner, die so gehalten werden wie meine Kuscheltiere, wären nicht bezahlbar. Ich weiß. Bis jetzt habe ich diese Mauserzeit eilos gut verbracht, es gibt in der Tat viele wohlschmeckende Alternativen. Und dass die meisten traditionellen Lebkuchenrezepte kein Ei enthalten, liegt auf der Hand. Versiegt mit dem Tageslicht doch auch der Trieb zum Legen. Früher wurden Hühner nicht beleuchtet (aber dafür schon mal an den Sitzstangen fest genagelt…)

Zur wirklich reinen veganen Lehre habe ich mich bislang nicht durchringen können, auch wenn das allermeiste, das ich auf den Tisch bringe, pflanzlicher Herkunft ist. Gerade habe ich Hafermilch für micht entdeckt. Eine überwiegend pflanzliche Kost ist gerade in den Städten bestimmt die sinnvollste Art sich zu ernähren.

Aber es gibt auch Gegenden auf der Welt, da ist vom Boden und von der Wetterlage her nur wenig Ackerbau möglich, Viehhaltung aber schon. Kühe fressen normalerweise Gras und kein importierten Futtermittel.

Ackerbau, Bio-Ackerbau zumal, der hoffentlich einst die Welt ernähren wird, wäre ohne den Dung der Tiere deutlich schwieriger. Gerade Hühner und Schweine sichern Kleinbauern und Back-Yard-Farmern die Eiweißversorgung, traditionell gehalten verspeisen sie in der Regel nicht hochwertigen Soja, sondern die Pflanzen und Pflanzenreste, die für Menschen eher unbekömmlich sind.

Die Symbiose zwischen Haustier und Mensch ist Jahrtausende alt. Ohne menschliche Züchtungsaktivitäten gabe es die Haustiere, die wir kennen, nicht, trotzdem kommen manche verwilderten Haustiere (Mustangs, zum Beispiel) ganz gut in der Wildnis zurecht.

Ich fände ich eine Welt ohne Haustiere in letzter Konsequenz furchtbar traurig. Wer außer mir würde Hühner (oder gar Rinder und Schweine) als Schoßhündchen halten? Sie würden einfach verschwinden, vielleicht in Zoos noch gezüchtet werden.

Wer Tiere nutzt, wird sie nicht wie im Bilderbuch halten können, kommt nämlich um das Schlachten nicht herum (das ist der Text, um den ich mich noch immer drücke.) Deshalb halte ich persönlich eine vegetarische Ernährung, also nur das Fleisch wegzulassen und weiter munter in rauhen Mengen Eier und Milchprodukte zu spachteln, für letztlich sinnlos. Es sei denn man wäre bereit, ein paar Hähne und männliche Kälber zu adoptieren und durchzufüttern.

Aber wünschen würde ich mir Rinder, die von Gras und Heu leben (können), anstatt von Sojaimporten aus Brasilien und Paraguay abhängig zu sein. Kälber, die die Milch ihrer Mütter saugen dürfen. Schweine, die während sie Speck ansetzen, mit ihren Schnauzen brach liegende Felder umbrechen und mit ihren Hinterlassenschaften düngen dürfen.  Hühner, die getrost ihre Mauser kommen und gehen lassen dürfen, bis sie wirklich nicht mehr legen. Das würde vieles ändern – auch an unserer Ernährung, denn tierische Produkte wären deutlich weniger verfügbar.

Es gibt Landwirte, die erschießen ihre Kühe auf der Weide, um ihnen den Schlachthof zu ersparen. Tot sind die Tiere hinterher natürlich trotzdem. Wer der reinen veganen Lehre anhängt, die das Lebensrecht aller Geschöpfe gleichsetzt, wird dieses verdammen.

Eine Haltung, die ich nicht teile, die mich aber immer wieder zutiefst anrührt.

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6 Gedanken zu “XL-Eier

  1. Elke H. Speidel Oktober 20, 2019 / 9:31 pm

    Früher gab es wohl für den Winter Sol-Eier, die waren irgendwie konserviert, keine Ahnung wie. Gibt es sowas noch? Die nutzte man, wenn die Hühner jahreszeitlich bedingt nicht legten. Ich weiß nicht, wie sie schmeckten und wie lange sie hielten. Wir hatten nie welche, aber mein Onkel, der Arzt war, bekam sie manchmal von ländlichen Patienten geschenkt.

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    • fundevogelnest Oktober 20, 2019 / 9:38 pm

      In einem meiner vielen Hühnerbücher gibt es da ein Rezept zu (Konservierung durch Salz halt), habe aber nie das Bedürfnis gehabt es auszuprobieren.

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  2. Katharina Oktober 20, 2019 / 9:52 pm

    Ich finde das so grausam, wie wir andere Lebewesen behandeln. Das Thema ist komplex und wo man jetzt die Linie zieht, ist jedem selbst überlassen, aber der Mensch ist schon absurd. Einerseits tut man alles für seinen Hund/Katze/Maus und gleichzeitig essen viele Menschen das Fleisch von Tiere, die in der Massentierhaltung gefoltert wurden.
    Grüße, Katharina

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    • fundevogelnest Oktober 22, 2019 / 1:04 pm

      Ja, das ist ein seltsamer Widerspruch. Wenn ich erzähle, dass wir in Ecuador Meerschweinchenfleisch gegessen habe, empören sich komischerweise ausgerechnet oft die, die ohne mit der Wimper zu zucken Chicken MCNuggets oder ähnliches essen.

      Wahrscheinlich ein typischer Fall für die beschränktheit des menschlichen Geistes, vor der ich in anderen Fällen natürlich auch nicht gefeit bin.

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  3. gkazakou Oktober 20, 2019 / 10:36 pm

    einfach nur schrecklich. Danke für den Link. Ich habe keinerlei Bedürfnis, besonders große Eier zu kaufen, sondern kaufe grundsätzlich nur aus „biologischen“ Produktionsstätten, in der Hoffnung, dass die Tiere dort einigermaßen vernünftig gehalten werden. Das von dir aufgeworfene Thema der vegetarischen bzw veganen Lebenshaltung beschäftigt mich auch, und auch ich bin für mich persönlich noch nicht zu einem abschließenden Urteil gekommen. Selbstverständlich möchte ich keine Tierquälerei fördern – wer möchte das schon?
    Ich gebe dir recht, dass das Landleben, das ich als Kind kannte und in Griechenland auch wieder erleben darf, ohne Tierhaltung nicht geht. Die Schafe und Ziegen, Schweine und Rinder werden bei den Kleinbauern nicht wirklich schlecht gehalten, auch die Puten und Hühner nicht – sie kaufen auf den Märkten Jungtiere und ziehen sie bis zur Schlachtung auf, in der Regel auf eigenen oder angepachteten Feldern. Es ist selbstverständlich keine Liebesbeziehung, sondern eine reine Nutzbeziehung. Und sie beliefern nicht die Supermärkte, sondern nur die lokalen Wochenmärkte. Die Supermärkte beziehen ihre Waren aus den Großbetrieben, die hier wie überall unerträglich sind.

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    • fundevogelnest Oktober 22, 2019 / 1:09 pm

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar und den Einblick in das griechische Landleben.
      Die Förderung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft gilt ja aus vielen Gründen als sehr wichtig und wirksam.
      Hier ist diese Lebensform allerdings so gut wie verschwunden , höchstens Privatverkauf dierekt an der Haustür gibt es noch.
      Ich glaube,dass viele in aller Unschuld XL-Eier kaufen, denken halt einfach die Hühner sind besonders groß.
      Ich habe zwar gewusst, dass Eier im Laufe eines Hühnerlebens größer werden, aber von solchen Manipulationen ahnte ich bis dato auch nichts.

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