Februarerwachen (ABC-Etüde)

Die Wortspende vom Berlin-Autor Renédümpelte hier eine ganze Weile vor sich hin, trieb ihren Schabernack mit mir. Die Wörter Schabernack, breit und erheben mochten sich zu keinem rechten Text zusammenfinden, denn der schabernackreiche Karneval fließt in Mäandern um unserer Nest herum, nur der Kleine Fundevogel hat als Kleine Hexe mit dem Pappraben Abraxas auf dem Blocksberg im Kindergarten getanzt.

Nun eine Etüde aus ungewöhnlicher Perspektive.

Christiane, wie immer den besten Dank für Etüdenbereitung, -beherbergung und -illustration.

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Das Erwachen aus dem Winterschlaf dauert. Langsam schleichen sich Träume in den abgrundtiefen Schlaf, der uns durch die Starrmonde trug. Ich fürchte diese Aufwachträume, die bösen Schabernack mit mir treiben, mir vorgaukeln die Welt sei so, wie ich sie vor dem Einschlafen gekannt hatte und dann ist sie plötzlich auf eine tückische, nicht fassbare Weise verschoben. Bäume verändern ihren Standort, Bäche ihre Fließrichtung,Vögel ihren Gesang.

Mühsam kämpfe ich gegen den Sog dieser Träume an, fast unmöglich scheint es die Augenlider zu auseinander zu bekommen. Endlich schaffe ich es mich von meinem Lager zu erheben. Benommen und schwindelig hocke ich da wie ein sturmverwehter Schmetterling, strecke zögernd Arme, Beine, Flügel. Meine beiden Freundinnen, mit denen ich diesen Kobel nun schon das dritte Jahr teile, schlafen noch, in der Zeit, die zwischen ihren einzelnen Atemzügen verstreicht, könnte fee einmal um die Feenwasser herumgeflogen sein. Aber sie leben und unsere Erle steht noch fest am Ufersaum.

Ich taste nach meinem Zauberstab, der zwischen die Rohrkolbensamen meines Lagers gerutscht ist, trinke etwas und knabbere an den getrockneten Himbeeren, die wir uns vor im Nackastmond für diesen Tag bereit gestellt haben.

Nach dem Winterschlaf durch das Einflugloch zu kriechen und die Flügel auszubreiten ist immer wieder atemberaubend. Die Sonne glitzert auf der Feenwasser, die breite Krone der alten Rotbuche winkt einladend zu mir herüber, Amseln singen, Meisen flirten, Haselkätzchen blühen, Krokusse, allererste Schlehen, Lungenkraut und dort sogar schon ein vorwitziger Löwenzahn.

Schade, dass die meisten meiner Mitfeen den wunderbaren Haselkätzchenmond halber verschlafen. Stets bin ich die Erste, schnuppere übermütig frische Erde, grüße frohgemut eine geschäftige Honigbiene und koste ersten Krokuspollen.

Aber irgendetwas ist seltsam, unheimlich beinahe, ich grüble und merke es ist das Licht, es stimmt nicht, die Sonne steht, als befänden wir uns noch in den Starrmonden.

Als sei an meinen bösen Träumen etwas wahr.

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14 Gedanken zu “Februarerwachen (ABC-Etüde)

  1. Christiane Februar 28, 2020 / 12:53 pm

    Sehr zauberhaft, und doch vor einem sehr ernsten Hintergrund. Die Natur ist heuer noch früher dran als im letzten Jahr, möge es bedeuten, was es wolle. Wir werden es erleben.
    Sogar eine meiner eigentlich noch winterruhenden Amaryllis hat schon entschieden, dass es jetzt gut sei, und arbeitet an einer Knospe.
    Danke dir für diese zarte Etüde.
    Ganz herzliche Grüße in den Norden 😉
    Christiane 😁😺☕👍

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    • fundevogelnest Februar 29, 2020 / 10:38 pm

      Überall in den Nachbargärten erblühen gerade die Forsythien und Narzissen, Pflanzen, dienach dem phänomenologischen Kalender den Erstfrühling anzeigen, normalerweise ist das Mitte, Ende März soweit.
      Wohin das führen wird, werden wir sehen, die Naturwertet nicht, sie passt sich irgendwie an.
      Und mit dem Irgendwie müssen wir dann irgendwie klarkommen.
      Herzliche Grüße zurück.
      Natalie

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  2. hummelweb Februar 28, 2020 / 1:08 pm

    Wenn ich das so lese, erscheint mir ein Winterschlaf gar nicht mehr so erstrebenswert. Dann doch lieber miterleben, wie sich alles verändert, und früher erwacht. Eine schöne Etüdenidee hast du da gehabt!

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    • fundevogelnest Februar 29, 2020 / 10:47 pm

      Winterschlaf ist der Kontrollverlust über Monate.Ich verliere mich gern in Gedankenspielen,wie die Menschheit sich wohl entwickelt hätte, wenn homo sapiens eine Winterschlaf haltende Spezies wäre, die ganze Industrialsierung, die massive Veränderung des Antlitzes der Erde, aber auch die Medizin wären nicht in der Art möglich gewesen, wie wir sie kennen.

      Die Fee dieser Geschichte, die ich schon lange kenne, ist ein zappeliges, neugieriges, den Menschen zugewandtes Exemplar. Ihre Mitfeen vertrauen da mehr auf den althergebrachten Rhythmus der Natur.

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    • fundevogelnest Februar 29, 2020 / 11:25 pm

      Haselkätzchenmond, Apfelblütenmond, Goldregenmond, Heckenrosenmond, Himbeermond, Mirabellenmond, Holundermond, Apelmond, Nacktastmond und in den Starrmonden ab in den Winterschlaf.
      Ja, es ist ein ganzes Universum, mit dem ich mich laaaange beschäftigt habe, während die gewünschte „Feengeschichte für Jungs“ auf knapp 300 Seiten anschwoll.

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  3. Katharina Februar 28, 2020 / 10:11 pm

    Magisch und auch bedrückend. Auch eine perfekte Feenwelt wird wohl irgendwie von der Realität eingeholt werden.

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    • fundevogelnest Februar 29, 2020 / 11:28 pm

      Magische Ideen konsequent weiterzudenkenreizt mich immer sehr … Die Fee – Cardamine heißt sie -ist eigentlich die Hauptperson einer längeren Geschichte, die ich mal geschrieben habe. Diese Episode habe ich mir aber für die Etüden ausgedacht

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  4. violaetcetera Februar 28, 2020 / 10:24 pm

    Eine märchenhafte Etüde mit einer bitteren Prise Wirklichkeit. Ist dir sehr gut gelungen, finde ich.

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