Feenkobel – Julian und Cardámine 2

Heute mittag habe ich zum ersten Male Bienen auf Schnee sitzen sehen, wir haben den ersten Schneemann dieses Winters gebaut und selbstgebastelte Eisberge (aus Schnee) in der Regentonne schwimmen lassen.

Wenn soviel Unerwartetes in der Luft liegt, gilt es die Augen offen zu halten, vielleicht ist es sogar möglich eine Feezwischen den Schlehenblüten am Bachufer zu erblicken – oder einen Eisvogel, der sieht von Ferne fast genauso aus und macht ebenfalls glückselig.

Der Anfang der Geschichte findet sich hier.

Der Regen prasselte auf unsere Zweigkugel. Falls Menschen unser Zuhause im dichten Laubwerk überhaupt bemerkten, hielten sie es für ein Elsternest oder für einen Kobel, jenes überdachte Nest, das sich Eichhörnchen zum Schlafen bauen. Doch die sorgfältig geflochtene Kugel am Weststamm der Sechs-Stämme-Erle war ein Feenkobel. Seit meine Flügel gesprossen waren, lebte ich dort, zusammen mit Anemona und Achillea, den zwei besten Freundinnen, die fee sich wünschen konnte.

Die Feuchtigkeit dieses scheußlichen Sommers drang allmählich durch die Ritzen, allem abdichtenden Lehm und Moos zum Trotz. Die kühle Nässe ließ meine Mitfeen schläfrig werden. Einzig ich war zappelig wie ein Zugvogel vor der Reise und langweilte mich seit die erste Amsel gesungen hatte. Verfroren nähte ich an meinem neuen Kleid, setzte einen Trank an, fegte sogar. Ich polterte dabei nach Kräften, fast wie ein Mensch. Meine Freundinnen in ihrem Steinschlaf rührten sich trotzdem nicht.

Als der letzte, kaum sichtbare Krümel zum Einflugloch hinaus geflogen war, fiel mir nichts mehr ein. Fröstelnd starrte ich in die aufgeweichte Welt und wusste nicht was schlimmer war: Die Kälte oder die Langeweile.

In der Fiazeh würde die Heizung wärmen, ein guter Grund, den Flug durch die feenfeindliche Nässe zu wagen. Ein noch besserer Grund war Julian, der Menschenjunge, mit ihm hatte ich schon lange etwas vor.

Mein sorgfältig ausgeheckter Plan gelang. Nur die widerlichen Borsten,die hatte ich nicht bedacht.

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5 Gedanken zu “Feenkobel – Julian und Cardámine 2

  1. Katharina März 31, 2020 / 8:28 am

    Die Geschichte gefällt mir bisher wirklich gut und ich freu mich auf die Fortsetzung. Btw sind die Namen zauberhaft.

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    • fundevogelnest März 31, 2020 / 10:06 pm

      Das freut mich sehr.
      Cardamine ist der lateinische Name des Wiesenschauimkrauts und nach dem Muster funktionieren alle Feennamen

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  2. Olpo Olponator April 1, 2020 / 6:32 am

    Na bitte. Ich irre mich selten in meinen spontanen Eingebungen 😉 …
    Windröschen und Schafgarbe ? Unterschiedlich zarte Dinger, die Freundinnen, scheint mir…

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  3. fundevogelnest April 1, 2020 / 11:06 pm

    Leider haben manche Blumen literarisch eher unbrauchbare Namen. Anthriscus wollte ich wirklich keine Fee nennen, sosehr ich den Wiesenkerbel auch liebe.

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    • Olpo Olponator April 2, 2020 / 5:18 am

      Das wäre auch nicht gut möglich, ist ja ein Mann – einer Fee dürfte zB der Name Franciscus ebenso schlecht stehen … 😉

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