Gebeamt — Julian und Cardámine 41

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Es war nicht mehr so schrecklich dunkel. Unter der Feenerle leuchteten zwei starke Lampen. Sie gehörten den beiden Polizisten, einer Frau und einem Mann. Sie strahlten Pamina an, die ihren Kopf in Wolfgangs Armen vergraben hatte. Da Jo auch da war, schmiss Julian sich an ihre Brust und schluchzte wie seit Babytagen nicht mehr. Pamina weinte auch. Ihr Rücken zuckte und Wolfgang streichelte sie ohne Unterlass. Jo hörte schnell mit dem Streicheln auf. Solch einem Chaos konnte sie nicht widerstehen.

Sie übergab Julian an Imke, die ebenfalls durch Paminas Schrei angezogen worden sein musste. Imke zerrte ihm die durchweichten Oberteile über den Kopf und hüllte ihn in ihre eigene Jacke, die wenigstens von innen trocken war. Seine Zähne klapperten weiter. Jeden Feenwunsch hätte er für ein Paar trockene Schuhe hergegeben, größtenteils heulte er wegen des rasenden Schmerzes in seinen tiefgekühlten Füßen. Er schmiegte sich an Imke und stellte sich einfach vor, ihr Atem und ihr Herzschlag gehörten zu Jo, die gerade den Polizeibeamten zu erklären versuchte, dass es sich hier um einer rein private Angelegenheit handelte, die überhaupt nichts mit dem eben gefunden Kokain zu tun habe. Nein, sie hatten nicht nach Pamina gesucht, Wolfgang hatte doch gesagt, sie vermissten keinen Menschen, nein, dieser kläffende Hund, der da um das Mädchen herumhopste, war es auch nicht gewesen, es war …

Der männliche Polizist grinste fast, die Frau dagegen wirkte verärgert, weder er noch sie glaubten Jo ein Wort.

„So, Frau Martens, nun kommen Sie mal zur Sache, wen oder was haben Sie hier heute Nacht gesucht?“

„Dennis! Wo ist mein Dennis? Jo, bitte, ich meine natürlich Frau Martens, also liebste Jo, wo ist mein Dennis?“

Julian war verwirrt, wo kam Dennis Papa auf einmal her? Zumindest lenkte er die Polizisten ab.

„Möglicherweise können Sie ein wenig Licht in diese Angelegenheit bringen. Um wen handelt es sich bei diesem so genannten Dennis?“

„Ach du grüne Neune! Bullen!“, sagte Dennis Papa an Stelle einer vernünftigen Antwort. Das Talent sich in Schwierigkeiten zu bringen lag bei Börners offensichtlich in der Familie. Herr Börner kam für diesmal um die Schwierigkeiten herum, weil die Polizisten selbst welche bekamen. Vor Jos Nase erschien die Fee, die Julian eben hierher getragen hatte. Wie ein Hubschrauber stand sie in der Luft.

„Wir müssen mit Pamina, der Retterin, reden“, erklärte sie. „Jetzt. Wir haben nur noch wenig Zeit. Wenn die Jungen recht behalten, werden im ersten Zwielicht die Teichzuschieber kommen. Alle unsere Rettungsmissionen haben versagt. Keine Ersatzheimat wurde gefunden. Pamina hat drei Wünsche frei. Sie ist unsere letzte Hoffnung.“

„Paminchen ist eure letzte Hoffnung?“, Jo sah fast ein bisschen spöttisch aus. „Na denn. Du kannst doch zaubern. Schaffe uns diese Polizisten vom Hals, am besten wieder an ihre Arbeit mit meinem Drogenfund und lösche ihre Erinnerungen an ihre Erlebnisse unter diesem Baum.“

Verstohlen blickte Julian in die Runde. Die Polizisten wirkten ziemlich fassungslos. Die Lampe, mit der die Fee angestrahlt wurde, zitterte so stark, dass es flimmerte wie auf einem Jahrmarkt. Die Frau holte ein Funkgerät aus der Tasche und meldete sich vermutlich bei ihren Vorgesetzten.

„Ohne Menschenwünsche kann ich bei Menschen nichts ausrichten“, sagte die Ortigafreundin.

„Und wenn du mir einen Gefallen tun willst, schaffst du mir auch noch diesen Tropf Frank Börner vom Hals“, sagte Jo.

„Hier PO Rehders. Bitte sofort Verstärkung schicken. Freigelände neben der Grundschule“, sagte die Polizeibeamtin.

„Du blaues Mistding. Hat Ursel dich geschickt? Was hast du mit Dennis gemacht?“, brüllte Dennis Papa.

„Was um des Himmels Willen ist DAS?“, quietschte Imke Schröder.

Alle hatten gleichzeitig gesprochen. Insofern war es erstaunlich, dass Pamina nicht nur alles verstanden hatte, sondern auch noch sofort begriff, was zu tun war.

Sie rappelte sich hoch und sah der Fee direkt in die Augen.

„Danke, dass ihr mir Wünsche erfüllt.“

Wirklich cool. Julian hatte seinen Dank Cardámine erst im letzten Moment nachgebrüllt.

„Ich wünsche“, sagte Pamina, mit noch klarerer Stimme als sonst, „dass die beiden Polizeibeamten wieder bei Frau Martens‘ Drogenfund sind und vergessen, was sie hier gesehen haben. Herr Börner soll in seinem Bett liegen und auch alles vergessen haben.“

Die Fee nickte ihr anerkennend zu. Der Feenpollen stäubte, wie Julian es mittlerweile gewöhnt war, dazu die offensichtlich unverzichtbare Formel: „Es sei.“

„Wow! Wie gebeamt“.

Herr Börner starrte auf die Stelle, an der eben noch die beiden Beamten gestanden hatten. Dann wurde er selbst gebeamt. Die Lampen waren samt ihren Besitzern verschwunden. Es war zappenduster.

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