Regentonnenblues

Die Regentonne geht kaputt, wenn du Steine reinwirfst, lass es sein!

Wie oft kann man einen Satz wiederholen? In Variationen, mit Erklärung und ohne, ruhig und genervt. Alle Steine in einem Garten wegzuräumen ist unmöglich.

Und so ist die Kunststoffregentonne schließlich erfolgreich leck geschlagen.

Ich hätte in Tränen ausbrechen können.

Nicht wegen der 39 Euro, die die Tonne gekostet hat, auch nicht weil sie nicht mal ein Jahr alt war oder wegen der Mühe sie ohne Auto in den Garten transportiert zu haben, nicht einmal wegen der 300 Liter sinnlos versickerten Regenwassers, obwohl dieses trockene Frühjahr sehr an meinen Nerven frisst und Dürre eine der bevorzugten Erscheinungsformen der Nachtgespenster ist.

Es ist, weil der Kleine Fundevogel und ich die Regentonne zusammen gekauft und hinterher Franzbrötchen gegessen haben, weil er sie bei dem wackeligen Transport auf dem Einkaufstrolley umsichtig navigiert hat, weil er bei der Installation mit hochrotem Kopf konzentriert die Bohrmaschine gehalten hat, weil er mit mir auf der Leiter gestanden und die Regenrinne entrümpelt hat.

Weil er mit den Worten der Kleinen Hexe versucht hat Regen zu zaubern, wegen des Jubels, als endlich Wasser in die Tonne plätscherte.

Weil es den Anschein hatte, diese Tonne sei ihm wichtig.

Weil nichts davon zählt, wenn ein kleiner Kobold durchs Gehirn springt.

Weil ich manchmal lieber gegen Windmühlen kämpfen würde, denn diese richten keinen Schaden an, wenn man sie unbesiegt stehen lässt. Weil ich mir eine Rosinante wünsche die mich trägt und dass Sancho Pansa endlich aus dem Home Office zurückkehrt.

Am Abend kreisen die gerade angekommenen Mauersegler am Himmel und es riecht nach Regen. Ein freundlicher Blick der Dulcinea über ihren Fächer.

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10 Gedanken zu “Regentonnenblues

    • fundevogelnest Mai 10, 2020 / 9:27 pm

      Ach vielleicht gar nicht so viel.
      Ich merke einfach, dass das Drüberschreiben den notwendigen Abstand schafft, die Geschichte einordnet und mich an meine innere Dulcinea erinnert.

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  1. wildgans Mai 10, 2020 / 12:26 pm

    So freundlich formuliert „wenn ein kleiner Kobold durchs Gehirn springt“…, ach, ich kann die traurige Wut gut nachvollziehen, denn beim Enkel springen sie auch ab und zu…
    Gruß von Sonja

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  2. fundevogelnest Mai 10, 2020 / 9:35 pm

    Die Kobolde gehören zum Stammpersonal des Fundevogelnests, leider muss ich sagen. Aber sie so zu benennen, hat uns sehr viel weiter gebracht. Es macht dem Kleinen leichter zu verstehen, was da passiert, das er nicht böse ist, sondern dass da etwas passiert, das wir irgendwie in den Griff kriegen müssen, dass er nicht der Feind ist, sondern wir einen gemeinsamen haben. Ausgehend von der Hypothese, dass eine echte Fehlfunktion im Gehirn vorliegt, ist es eben wirklich etwas das da „springt“. Wenn ich wachsam genug bin, bemerke ich die Kobolde rechtzeitig und wir können sie gemeinsam in mein Handtasche sperren oder mit – imaginären- Spraydosen glitzerbunt besprühen. Aber erstens bin ich nicht durchgehend so präsent und zweitens gibt nicht jede Situation so ein Spielchen her. Und ich fürchte keine Schule wird das leisten.

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    • fundevogelnest Mai 10, 2020 / 10:19 pm

      Du ahnst nicht wieviel unsichtbare Spraydosen neben das ganze andere Gerümpel passen, was ich so dabei habe.
      Nur mein Kopf der denkt manchmal, Vögelchen spielt so schön und schaut nach dem Wolkenkuckuck ..

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      • stachelbeermond Mai 11, 2020 / 9:15 pm

        Hast du auch immer deinen halben Haushalt dabei? Ich meine, man weiß ja schließlich nie! Und wenn man den schon dabei hat, passen unsichtbare Spraydosen auf jeden Fall noch rein. 🙂

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