Grosse — Julian und Cardámine 50

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Julian hatte Mamas Chef noch nie leiden können. Guido Grosse behandelte ihn wie ein lästiges Zubehörteil, das leider nicht von Jo abgeschraubt werden konnte. Einmal hatte er zu ihr gesagt: „Wenn du nicht so ein schwieriges Kind hättest, würde ich dir glatt eine Festanstellung anbieten.“

Dabei war Julian nicht schwierig. Herr Grosse sollte sich mal Dennis angucken oder Othello, der seit bald einer halben Stunde ohne Pause schrie.

Darüber hinaus war Grosse ein grässlicher Protz. Immerzu hatte er neue Handys, Laptops und Turnschuhe. Jo mokierte sich darüber, dennoch hatte sie sich nach Julians Feenwunsch die Augen ausgeheult und sich Grosse mit immer neuen Vorschlägen angebiedert. Nun hatte sie es geschafft. In schwarzer Lederkluft fuhr er auf seinem Angebermotorrad vor. Rücksichtslos hielt er seine Kamera auf die verschlammten Menschen, rammte ihnen das Mikro fast zwischen die Zähne und hatte sogar ein sparsames Lob für Jo übrig, weil sie Fotos mit ihrem Handy geschossen hatte, bis die Speicherkarte voll gewesen war.

„Gib her! Gib schon her“, er hörte sich an wie Mo, wenn sie Gurke witterte.

„Wenn du mir eine Festanstellung gibst.“

So cool hatte Julian seine Mutter noch nicht erlebt.

„Was du willst. Die Rechte an diesen Bildern sind Zigtausende wert.“

„Schriftlich“, antwortete Jo ungerührt. „Sonst drücke ich hier.“

Julian kannte sich mit Handys nicht aus, aber er begriff genauso gut wie Grosse, dass sich „hier“ die Löschfunktion befand.

„Profi“, sagte er, schrieb ihr eine Zusage auf einen Zettel und rannte mit fliegendem Mikro hinter Wolfgang Schröter her.

Die Feen hockten wie ein verschreckter Schwarm Spatzen auf einem Ast.

„Wäre ich eine Fee“, sagte Jo zu ihnen, „würde ich euch jetzt drei Wünsche erfüllen. Da ich aber keinen Zauberstab habe, verspreche ich euch, nicht zu ruhen, bis Ortigas Teich gerettet ist.“

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