Aethusa — Julian und Cardámine 53

Aethusa ist heil und unversehrt von ihrem Rendezvous mit Frau Stachelbeermonds Schweinehund zurückgekehrt. Auf den Schweinhund trifft heil und unversehrt leider nicht ganz so zu.


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

„Carámine! Carámine!“

Meinen Namen wusste er immer noch nicht. Wie eine Blindschleiche robbte der Junge Dennis durch die Binsen, wohl in der Hoffnung so nicht von seinen Mitmenschen entdeckt zu werden, er wusste wie unglaublich schlechte Beobachter sie waren. Kein einziger bemerkte die blonden Borstenhaare, oder ihnen war egal, was jenseits des Bannbandes geschah. Um seine rechte Hand hatte Dennis eine Feenfalle geschlungen, aus der goldglitzernd Strafschleim quoll. Ich hatte richtig vermutet. Fee brauchte nicht besonders schlau zu sein, um zu raten, was er von mir wollte. Aber weder hatte er Wünsche frei, noch ich einen Zauberstab. Er würde lebenslang vor sich hin glibbern. Dieser Strafschleim zehrte den Körper aus. Zauberstabdiebe lebten meist nur noch wenige Sommer nach ihrer Tat. Ein elendes Siechen, das der Junge Dennis nicht verdient hatte.

„Was willst du, Zauberstabdieb?“, Aethusas Stimme war kalt.

„Ich habe das nur gemacht, um euch ein wenig zur Hilfe zu zaubern“, beteuerte Dennis.

„Und du hast geglaubt, Feenstäbe wirkten in Menschenhand?“

„Nun ja. Eigentlich hatte ich gedacht, es passiert gar nichts. Ich wollte es trotzdem ausprobieren, denn vielleicht hätte ich ja Cooles für euch zaubern können. Euren Garten retten oder so …“

Treuherzig lächelte er Aethusa an. Bei ihr war er mit diesem Gehabe im falschen Kobel gelandet.

„Selber schuld“, schnaubte sie. „Fee spielt nicht mit dem Uralten Gesetz, den Rest deines Lebens werden goldgierige Menschen hinter dir her sein. Immer wirst du sie erzürnen, denn nichts als Katzengold trieft aus deiner Hand.“

„Den Rest meines Lebens?“, kreischte Dennis entsetzt.

„Keine Angst, es wird nicht lange dauern.“

Verstört starrte Junge auf den Saum junger Erlen, die uns vom Wasser trennten.

„Es sei den, du hast drei Wünsche frei“, fügte sie gehässig hinzu, „Doch leider bedeutet Feen retten nicht, Feen zu bestehlen. Da hat unsere kleine Menschenbrut etwas falsch verstanden.“

Ich hätte Aethusa eine Warze auf die Zunge wünschen können, fragte sich nur von wem und womit. Dennis schwoll rot an. Mittlerweile kannte ich ihn gut genug – gleich würde etwas geschehen, was uns endgültig den Menschenschwarm auf den Hals hetzen würde. Mein Zauberstab fehlte mir sehr. Ortiga hatte ihn geschnitzt. Wenigstens diese Kunst hatte sie weitergegeben. Filipendula, Scilla und Rosa waren gut Schnitzerinnen. Achillea übte seit Beginn des Jahres jeden Tag.

Aethusa hatte nicht den Eifer in Dennis‘ Augen gesehen, als wir unsere Rettungsmission geplant hatten. Sie hatte nicht sein „Logo!“, gehört, als es darum ging, eigene Wünsche zum Wohle der Feeschaft zurückzustellen. Am meisten hatte mich das Werfen mit diesen Holzdingern berührt. Er war an unserer Stelle verzweifelt, denn für ihn selbst würde der Tod der Feenwasser letztlich belanglos sein.

„Wer weiß, ob Dennis nicht doch drei Wünsche frei hat“, sagte ich. „Immerhin hat er versucht uns zu helfen.“

„Versucht“.

Mehr sagte Aethusa nicht, aber ich verstand: Larvenhaft! Hoffnungslos romantisch! Und eine Verräterin dazu.

„Aethusa! Sei doch nicht so. Ich bin sicher, Dennis würde etwas zum Erhalt der Feenwasser wünschen.“

Der blonde Borstenberg neben uns nickte heftig.

„Bitte, nur einmal versuchen“, beschwor ich, obwohl es keinen Grund gab, sich lächerlich zum machen.

„Versuch mal selber. Ohne Zauberstab.“

Coladose, dachte ich, aber biss mir auf die Lippen.

Dennis machte kein Geschrei, wie ich befürchtet hatte. Er weinte leise. Tränen rannen über sein riesiges Gesicht, wie über einen Felsen. Schließlich vergrub er den Kopf bäuchlings liegend in den Armen.

Aethusa schien nachzudenken.

„Wünsch’ doch“, sagte sie zu dem schluchzenden Berg. „Macht mir eigentlich nichts aus. Ich kriege ja keine Strafschleimhand davon.“

Der Borstenhügel schnellte durch die Luft.

„Echt jetzt?“

„Echt jetzt. Es gibt kaum einen schöneren Anblick, als einen blöd guckenden Menschen. Wirf mir hinterher nicht vor, ich hätte dich nicht gewarnt.“

Dennis sah mich Hilfe suchend an.

„Mach es“, riet ich ihm. „Wir haben nichts zu verlieren.“

„Nee, bei euch beiden gibt es kein Stück Grips mehr, das verschüttet werden könnte. Stell dir vor, Menschenblag, deinen ersten Wunsch weiß ich schon: Du willst den Strafschleim loswerden.“

„Ja. Aber nicht einfach so. Frau Schmidt-Bruhns soll ihn an der Hand haben.“

Aethusa pfiff anerkennend: „Biberstark. Jetzt tut es mir fast leid, dir nichts erfüllen zu können. Aber sieh selbst.“

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