Megaphon– Julian und Cardámine 57

Heute morgen trafen der Kleine Fundevogel und ich eine kleine Katze, klein im Sinne von noch sehr jung. Sie wollte sich zwar nicht streicheln lassen, aber heftete sich an des Kleinen Fundevogels Fersen und ließ sich nicht mehr abschütteln, zwischendurch raste sie halsbrecherisch im Zickzackkurs über die Straßen. Weil sie so klein war, sich so leichtsinnig verhielt und es so schüttete, nahmen wir sie schließlich mit nach oben.

Über eine „Vermisste Katzen Gruppe“ des Fratzenbuchs gelang es dem Studenten der Geowissenschaften den Besitzer ausfindig zu machen.

Also eine Geschichte mit Happy End. Nur nicht für den Kleinen Fundevogel, der wohl dachte die Katze, die ihn so anhimmelte, würde bleiben. Er ist sehr traurig und zweimal ausgerastet wie lange nicht mehr. Ich hasse es ihn festzuhalten wie ein Bereitschaftsploizist im Einsatz, aber prügeln lassen kann ich mich auch nicht.

Wir sind restlos erschöpft.

Er hat wirklich viel von Dennis.


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

„Freunde! Wir haben es geschafft! Der Gemeindrat hat nachgegeben. Der Feenteich ist gerettet!“

Julian bremste. Durch das Megaphon hörte Jos Stimme sich fremd an. Erst beim Wort „Feenteich“ hatte er begriffen, wer sprach. Wie blöd war sie eigentlich? Sie hatten feierlich geschworen, niemanden von den Feen zu erzählen und jetzt trötete sie „Feenteich“, dass es bis zur Hauptstraße schallte.

Was immer sich die Zuhörer bei Jos Wortwahl gedacht hatten – die Luft bebte vor Jubel. Es hörte sich an, als habe Deutschland ein Tor bei der Fußballweltmeisterschaft geschossen. Sogar Böller wurden gezündet. Julian trat in die Pedale. Cardámine und ihre Freundinnen waren also gerettet. Und der Teich. Und die Erlen, die er inzwischen wirklich von anderen Bäumen unterscheiden konnte. Er fuhr langsamer. Gerettet. Er sollte sich freuen, schneller fahren, feiern, in den Jubel einfallen. Er müsste viel glücklicher sein, als alle diese komischen Leute, die in riesigen Klumpen den Weg zu Jo versperrten. Von diesem Menschenschwarm und ihrem Megaphon würde Jo nicht leicht zu trennen sein. Stattdessen würden ihn wohlmöglich Fremde vor lauter Freude umarmen wollen. Erwachsene machten auf Demos unter Umständen komische Sachen, das hatte er auf den Teichwiesen gelernt. Bestimmt eierte auch dieser schreckliche Grosse mit seiner Kamera da rum. Fotos von Kindern machen sich besonders gut. Auf einem Foto war es auch unwichtig, ob das Kind schwierig war oder nicht.

Schröters waren nach Hause gegangen, um ihre Tiere zu füttern. Er selbst kam gerade von Mo, die immer unleidlicher wurde. Deshalb war es auch keine gute Idee zum Freuen nach Hause zu fahren. Er bog in die Schulstraße ein. Am Straßenrand lag ein Mountainbike. Wenn er sich nicht sehr irrte, war Herrn Börner mit diesem Rad Donnerstagnacht zur Feenerle gekommen, bevor er samt Rad gebeamt worden war.

Über ihm kicherte jemand. Dennis war auf einen hohen Baum geklettert – keine Erle – und sah sich die Siegesfeier von oben an. Die mit Abstand beste Idee. Leider war Julian nicht so geschickt wie Dennis. Aber sein Freund zog und zerrte kräftig an Julians Armen, bis sie nebeneinander auf einem breiten Ast kauerten. Dennis sonderte keinen Glitzerschleim mehr ab.

Jos verzerrte Stimme teilte mit: „Gerade hören wir, dass das Schuhhaus Wirscher einen Teil seines Wirtschafthofes für einen neuen Sportplatz zur Verfügung stellt. Leute, das finde ich super! Beifall für Wirscher!“

Mehr Jubel und noch mehr Böller folgten.

„Haste gehört? Cool, oder?“

Julian nickte

„Wo warst du die ganze Zeit?“

Da Dennis nicht antwortete, sprach Julian weiter: „Was meinst du? Gehen diese Demonstranten jetzt wieder weg?“

„Cardámine meint, sie glaubt nicht, dass die noch lange nicht merken, dass die da was machen, was sie eigentlich gar nicht vorhatten.“

„Wie bitte?“, Julian brauchte fast eine Minute, um den Sinn dieses Endlossatzes zu verstehen. „Willst du damit sagen, dass ein Mensch sich diese Demo von einer Fee gewünscht hat?“

Dennis nickte.

„Wer?“

„Ich.“

„Leute, lasst uns Party machen! Wir haben es verdient!“, schepperte Jos Stimme durchs Megaphon.

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