Lillys Ernüchterung (ABC-Etüde)

Die sich kringelnden Coronatage laufen weiter. Ich trudele zwischen Arbeit und Kinderbetreuung und habe das Gefühl gar nichts zu tun, obwohl das Gegenteil zutrifft. Gefühlt könnte ich drei Wochen durchschlafen.

Hätte ich nicht meine Feengeschichte, wäre dieser Blog eine coronabedingte Wüstenei. Aber die Geschichte wird am 2. Juni endgültig zu Ende sein. Dann möchte ich wirklich wieder etwas Neues schreiben, es gibt ja ein Wispern, das von Kita ab 8.6. raunt. Glaube ich aber erst, wenn der Kleine Fundevogel durch die Pforte getreten ist.

Nun gibt es in dieser Etüdenrunde noch eine Feengeschichte zur gradlinigen Wortspende (Zeitplan, schlimm, fallen) von Herrn Kopf und Gestalt – wer seine erstaunlichen Insektenfotos noch nicht kennt, sollte unbedingt vorbeischauen. Mich würde es nicht wundern, wenn er plötzlich eine Fee präsentierte.

Die folgende Geschichte ist gleichzeitig die Fortsetzung von dieser wie von jener, die  Frau Stachelbeermond spendierte.

Recht herzlichen Dank dafür und natürlich an Christiane für die Etüdenpflege in guten wie in schlechten Zeiten.

 

2020_2122_1_300

Die Menschheit schlich durch ein reduziertes Frühjahr, alle Welt drückte sich mit bremsenden Grüßen aneinander vorbei. Ihre Mitschülerinnen weinten nach der Schule.

Nur Lilly barst vor Leben.

Ihre Eltern hatten eingesehen, dass Julian trotz Corona die Bienen nicht allein versorgen konnte. Alle neun Tage mussten die schweren Stöcke im Mai geöffnet werden, um nach Könniginnenzellen zu schauen und unkontrollierte Bienenschwärme zu verhindern.

Indes, was wussten Eltern vom imkerlichen Zeitplan? Sie stutzen nicht über die vielen Stunden, die Lilly täglich mit Julian verbrachte.

Der ernsthafte Julian, mit dem sie über alles sprechen konnte, Julian, an dessen Hand sie in die Welt der Bienen und Feen eingetreten war. Feen, die sie schon als Kind neben der Schule tanzen gesehen und sich selbst nicht geglaubt hatte.

Inzwischen verehrte sie die Feeheit mit einer Inbrunst, die Julian schon peinlich war. Die Fee Achillea aber beantworteten alle ihre Fragen mit Genauigkeit und Geduld.

Heute saß Achillea inmitten eines Schwarms mitschülerinnengleich giggelnder Feen.

„Habt ihr gehört von Aethusa aus der Sechs-Stämme-Erle? So eine begnadete Fee und verbringt ihre Zeit mit Papierflügel- und Siebentageschluckaufflüchen. Neulich hat sie angekündigt, sie würde mir lila Punkte ins Gesicht fluchen. Nix da! Nun hat sie es bei einer menschlichen Dichterin versucht.“

„Die Dichterin war aber zu schlau für Aethusa“, mischte sich eine andere Fee ein. „Hat nur ihren Schweinehund erwischt, den hat sie nämlich vorher noch mit einem ihrer albernen Liebestränke abgefüllt.“

„Nicht schlimm. Wirkt zum Glück alles nur ein paar Monde lang…“

„Wir könnten ihr beim nächsten Treffen …“, die ersten flatterten, weil sie kichernd vom Zweig gefallen waren.

„So hinterlistig können Feen sein?“, fragte Lilly hilflos und Julian merkte, wie sie innerlich Heiligenscheine bröckeln sah.

Er lachte sanft und nahm sie in den Arm.

„Manchmal. Und ich finde das eigentlich ganz tröstlich“

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8 Gedanken zu “Lillys Ernüchterung (ABC-Etüde)

  1. Werner Kastens Mai 30, 2020 / 12:33 am

    Auf der einen Seite echte Imker Fakten, auf der anderen Seite Fantasien. Eine schöne Mischung. Gefällt mir!

    Gefällt 1 Person

    • fundevogelnest Mai 30, 2020 / 7:31 pm

      Ja die Schnittstelle zwischen Phantasie und Realität reizt mich immer wieder. Freut mich dir eine Freude gemacht zu haben.

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  2. Christiane Mai 30, 2020 / 9:51 am

    Ob Feeheit oder Menschheit, Macken haben sie alle! Aber ein Liebestrank … armer Schweinehund. Wird ihm sicherlich sehr peinlich sein. Irgendwann. Vielleicht aber auch nicht 😉
    Schade, dass deine Feengeschichte bald endet.
    Liebe Grüße aus dem ruhigen Hamburger Süden
    Christiane 😁☕🍪🌞👍

    Gefällt 1 Person

    • fundevogelnest Mai 30, 2020 / 10:22 pm

      Jede Geschichte ist irgendwann zu Ende … und viele lesen– glaube– ich auch nicht mehr mit.
      Aber diese gelegentlichen „zehn Jahre später“ Geschichtchen werde ich mir bestimmt ab und an mal gönnen.
      Grüße aus dem Hamburger Osten, ob der ruhig ist, weiß ich nicht. Hier im Nest zumindestnicht.

      Gefällt 1 Person

  3. stachelbeermond Mai 31, 2020 / 10:41 pm

    Oh-oh! Nun ist die Frage, sage ich´s ihm oder sage ich´s ihm nicht? Er läuft nämlich immer noch verliebt durch die Gegend, selbst die lila Punkte haben ihn in keinster Weise abgeschreckt, Aethusa hier und Aethusa dort… ich glaube, sie könnte ihm auch grünes Fell wünschen, dann würde er halt behaupten, grasgrün sei schon immer seine Farbe gewesen.
    Eigentlich… eigentlich ist er ganz süß im Moment.
    Das würde ich ihm natürlich nie sagen.
    Nie!
    🙂

    Gefällt 1 Person

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