Bier — Julian und Cardámine 55

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Herr Börner wachte auf. Sein Schädel brummte, als sei er zusammen mit seiner verlorenen Karre in der Schrottpresse gewesen. Krampfhaft versuchte er sich zu erinnern, wieso er nicht nur in all’ seinen Klamotten, sondern auch mit völlig verschlammten Turnschuhen an den Füßen eingeschlafen war. Mit welchem seiner Kumpel hatte er gezecht? Und warum um Himmels Willen lag Dennis‘ Mountainbike in der nicht mehr genutzten Hälfte des Ehebetts? Weiterlesen

Sondersendung — Julian und Cardámine 54

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Julian war gefangen und versank vermutlich gerade im Schlamm. Seine Arme und Beine ließen sich kaum noch bewegen. Eine weiche Masse drückte ihm auf Nase und Mund.

„Nein“, keuchte er. „Nein, nein.“

„Julian, erwache.“ Weiterlesen

Aethusa — Julian und Cardámine 53

Aethusa ist heil und unversehrt von ihrem Rendezvous mit Frau Stachelbeermonds Schweinehund zurückgekehrt. Auf den Schweinhund trifft heil und unversehrt leider nicht ganz so zu.


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„Carámine! Carámine!“

Meinen Namen wusste er immer noch nicht. Wie eine Blindschleiche robbte der Junge Dennis durch die Binsen, wohl in der Hoffnung so nicht von seinen Mitmenschen entdeckt zu werden, er wusste wie unglaublich schlechte Beobachter sie waren. Kein einziger bemerkte die blonden Borstenhaare, oder ihnen war egal, was jenseits des Bannbandes geschah. Um seine rechte Hand hatte Dennis eine Feenfalle geschlungen, aus der goldglitzernd Strafschleim quoll. Ich hatte richtig vermutet. Fee brauchte nicht besonders schlau zu sein, um zu raten, was er von mir wollte. Aber weder hatte er Wünsche frei, noch ich einen Zauberstab. Er würde lebenslang vor sich hin glibbern. Dieser Strafschleim zehrte den Körper aus. Zauberstabdiebe lebten meist nur noch wenige Sommer nach ihrer Tat. Ein elendes Siechen, das der Junge Dennis nicht verdient hatte. Weiterlesen

Schlafen — Julian und Cardámine 52

Der Titel passt heute sehr gut. Ich bin zum Umfallen müde, zwei Frühschichten hintereinander – aus mir wird in diesem Leben kein früher Vogel mehr.


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Bevor er sich richtig ausgestreckt hatte, stürzte Julian schon in abgrundtiefen Schaf. Plötzlich schreckte er hoch, ohne zu wissen, was ihn geweckt hatte. Othello, Tamino und Dennis atmeten beruhigend nah bei ihm. Nur das strahlende Sonnenlicht störte die vertraute Gemütlichkeit. Es war seltsam, tagsüber im Bett zu liegen ohne krank zu sein. Ungebeten flatterten die Ereignisse der letzten Tage durch seine Gedanken: Blut troff aus Frau Steffkes Stirn, die Hassfee stieß Todesdrohungen aus, die tote Fee lag mit verdrehten Gliedern in schwarzem Schleim, Filipendula sagte: „Der Junge Dennis läuft dem Jungen Julian nach wie ein Entenküken“. Wie ein Echo hallten die verzweifelten Schreie der versinkenden Bauarbeiter in seinem Kopf. Weiterlesen

Wasserlache — Julian und Cardámine 51

Heute trafen der Kleine Fundevogel und ich an dem Bach, der in die Feenwasser fließt, zwei Kindergärtnerinnen, die mit allerlei Stofftieren und Figuren für ihre zu Hause weilenden Kitakinder einen Film mit ihren Handys drehten. Feen waren auch dabei.


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Erschöpft kauerten wir bei Ortigas Leichnam. Filipendula weinte vor Verzweiflung. Sie hatte versucht, den Zauber zu sprechen, der Ortigas Geist den Wassern zurückgeben sollte. Das musste geschehen, wenn eine Feenartige starb. Leider hatte Ortiga uns nicht gelehrt, wie es ging. Ich hatte zugesehen, wie sie damals Angélica den Wassern übergeben hatte. Während der letzten Starrmonde hatte eine Lungenentzündung diese ewig kränkelnde Fee dahingerafft. Sogar über den paar Resten, die eine Katze von Jasione übergelassen hatte, hatte Ortiga die magische Formel gesprochen. Beide Male hatte sie mehrere Anläufe gebraucht bis die komplizierten magischen Bewegungen und Worte gelungen waren. Wahrscheinlich deshalb hatte sie die Totenriten an keine von uns weitergegeben. Weiterlesen

Grosse — Julian und Cardámine 50

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Julian hatte Mamas Chef noch nie leiden können. Guido Grosse behandelte ihn wie ein lästiges Zubehörteil, das leider nicht von Jo abgeschraubt werden konnte. Einmal hatte er zu ihr gesagt: „Wenn du nicht so ein schwieriges Kind hättest, würde ich dir glatt eine Festanstellung anbieten.“

Dabei war Julian nicht schwierig. Herr Grosse sollte sich mal Dennis angucken oder Othello, der seit bald einer halben Stunde ohne Pause schrie. Weiterlesen

Verräterin –Julian und Cardámine 49

Dinge gehen vor im Internet … Der Schweinehund der Frau Stachelbeermond hat dem Vernehmen nach Aethusa von irgendwelchen Pralinenpapierflügeln befreit und wird sie demnächst zum Essen ausgeführen. Ich hoffe das artet nicht in irgendwelche Dummheiten aus, denn Aethusa wird hier ziemlich bald ziemlich dringend gebraucht werden.

Nicht, dass das Ganze unvorhergesehene  Eigendynamik entwickelt, damit hat die Geschichte schon Erfahrung: Es war ja nur eine „Feengeschichte für Jungs“ bestellt worden, so für einen gemütlichen Vorleseabend oder so … Weiterlesen

Letzter Wunsch — Julian und Cardámine 48

Heute wird es dramatisch.


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Die Sterne verblassten. Rosa und orange Schlieren kündeten die Sonne an, bis sie gemessen wie eine Königin über dem gezackten Dächerhorizont emporstieg. Es war ein gigantischer Anblick. Den Regenumhang der vergangen Wochen hatte die Himmelskönigin von sich geworfen. Der prächtige Feuerball spiegelte sich in den Riesenpfützen, die Schulhof und Feenland bedeckten. Auf Jos Schoß hielt Julian den Atem an, überwältigt von soviel Schönheit. Seit Stunden sangen die Vögel, wie um der Sonne einen würdigen Empfang am Feenteich zu bereiten. Nichts ahnten sie von Zuschütten, Zerstören und Absägen, deshalb musste Julian fast weinen über ihren Gesang. Weiterlesen

Glitzerschleim– Julian und Cardámine 47

Beim Durchsehen der Feengeschichte blieb ich immer wieder an Dennis hängen. Wie konnte ich den Kleinen Fundevogel damals schon kennen? Ich schrieb die Geschichte Jahre vor seiner Geburt und er hat in seiner hitzigen Art, mit seinen auf kurzfristigen Vorteil bedachten Handlungsweisen, aber auch mit der charmanten Bequatscherei so viel von diesem Jungen. Seit unserer wilden Haarschneidemaschinenaktion sehen sie sich sogar noch ähnlicher. Das Gute ist, ich habe Dennis schreibend sehr, sehr lieb gewonnen und er ist auch noch für einige Überraschungen gut.

Eigentlich dürfen in Hamburg ab Montag die Fünf-und Sechsjährigen wieder in die Kindertagesstätten gehen und ich dachte schon die Geschichte sei länger als die Schließzeit. Aber für so Kaliber wie Dennis und den Kleinen Fundevogel gelten eigene Regeln. Weiterlesen

Morgen früh um vier (ABC-Etüde)

Letzte Etüdenrunde musste ich passen, ich hatte zwar eine Etüde im Kopf, aber keine Ruhe sie aufzuschreiben, deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, die Wortspenden von Frau Myriade( Teppich, gläsern, flattern) und Herrn Olpo Olponator (Katamaran, totschweigen, großspurig) in einer einzigen Etüde zu verarbeiten, ich hoffe die beiden sehen mir das nach.

Nachdem es anlässlich einer anderen Etüde bereits zu Missverständnissen kam, betone ich ausdrücklich: Die in dem Text vertretene Meinung zu den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist NICHT meine eigene, wiewohl eine, mit der ich mehrmals täglich konfrontiert bin, wenn auch mit deutlich anderer Wortwahl. Und ich habe keine Schuppentür vernagelt, nicht mal in Gedanken. Weiterlesen