Zuflucht — Julian und Cardámine 46

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Die Wolkendecke riss auf, durch die Lücken schimmerte der zunehmende Viertelmond. Ewig hatten wir ihn nicht gesehen. Ich begrüßte ihn als Hoffnungsschimmer.

„Hüit-tik-tik-tik, hüit-tik-tik-tik“, verkündete der erste Gartenrotschwanz den nahenden Tag. Kein Teichzuschieber war zu sehen. Die Altfrau und der Mann mit der tiefen Stimme krochen zu uns ins Auto.

„Erstaunlich warm hier.“

Die Altfrau blies auf ihre klammen Finger. Weiterlesen

Othello — Julian und Cardámine 45

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„Mama! Mama!“

Er lauschte. Es war still. Kein Donner mehr. Kein Blitz. Das fortwährende Getrampel des Regens auf der Dachschräge hatte aufgehört. Die jähe Stille hatte Othello geweckt. Nicht einmal die Atemzüge seines Bruders waren mehr zu hören. Weiterlesen

Pollenallergie – Julian und Cardámine 44

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Wie gemein von Filipendula! Gemein oder unbedacht.

Es konnte dem Jungen Julian nicht gefallen so bloßgestellt zu werden. Trotzdem antwortete er Filipendula: „Meine Mutter kann das. Sie kriegt bestimmt raus, wessen Wunsch diese Teichkaputtmacherei ist. Sie liebt Recherchen.“ Weiterlesen

Konferenz — Julian und Cardámine 43

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Im Joromoauto sah es aus wie bei einer richtigen Konferenz in der Redaktion des „Neuen Tageblatts“. Wenn gar kein Babysitter aufzutreiben gewesen war, hatte Julian in der Vorschröterzeit einigen dieser Veranstaltungen beigewohnt. Da hatten auch alle ernst zusammen gesessen, nur waren die Teilnehmer trocken gewesen und niemand hatte Flügel gehabt. Außerdem interessierte Julian sich heute für das Besprochene, bei Herrn Grosse hatte er immer nur Meerschweinchen gemalt. Weiterlesen

Regentonnenblues

Die Regentonne geht kaputt, wenn du Steine reinwirfst, lass es sein!

Wie oft kann man einen Satz wiederholen? In Variationen, mit Erklärung und ohne, ruhig und genervt. Alle Steine in einem Garten wegzuräumen ist unmöglich.

Und so ist die Kunststoffregentonne schließlich erfolgreich leck geschlagen.

Ich hätte in Tränen ausbrechen können. Weiterlesen

Altfrau — Julian und Cardámine 42

Die Welt am Ende der Welt“, „Der Alte,  der Liebesromane las“ und natürlich die kleine verwaiste Möwe Afortunada, die der Kater Zorbas in Hamburg-St.Pauli das Fliegen lehrt: Luis Sepúlveda verwebte in seinen Romanen Spannung und Apelle  für Umweltschutz und Menschenrechte mit Spannung auf geradezu magische Art genausogut konnte er scharfsinnige und gut lesbare Artikel zu Themen wie Privatisierung verfassen.

Im April ist er nach einem überaus abenteuerlichen Leben an den Folgen einer Coronainfektion in Spanien gestorben. Weiterlesen

Gebeamt — Julian und Cardámine 41

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Es war nicht mehr so schrecklich dunkel. Unter der Feenerle leuchteten zwei starke Lampen. Sie gehörten den beiden Polizisten, einer Frau und einem Mann. Sie strahlten Pamina an, die ihren Kopf in Wolfgangs Armen vergraben hatte. Da Jo auch da war, schmiss Julian sich an ihre Brust und schluchzte wie seit Babytagen nicht mehr. Pamina weinte auch. Ihr Rücken zuckte und Wolfgang streichelte sie ohne Unterlass. Jo hörte schnell mit dem Streicheln auf. Solch einem Chaos konnte sie nicht widerstehen. Weiterlesen

Menschenklumpen — Julian und Cardámine 40

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Gerade als Julian durch die Hecke auf den Schulhof schlüpfen wollte, hörte er jemanden schreien: „Ich will nicht sterben! Mutter! Vater!“

So rief nur eine ihre Eltern.

Julian stürzte zurück ins Dunkel, nicht nur kälter, sondern auch mutiger, als er es sich selbst jemals zugetraut hätte. Weiterlesen

Stümperei — Julian und Cardámine 39

Dass die Kapitel zum Höhepunkt hin immer kürzer werden, mache ich nicht um die Lesenden zu ärgern oder das Projekt auszudehenen. Es ergibt sich aus dem Perspektivwechsel zwischen Menschen und Feen. (Ist eigentlich jemanden aufgefallen, dass ich zwei Kapitel in der Reihenfolge verwechselt habe?)


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Elf Feen im Kobel und keiner fiel der Fehler auf. Mit Ortiga waren wir sogar zwölf, doch lebend hätte unsere Altfee diesen Wunsch nicht durchgehen lassen. Weiterlesen

Megaunfair — Julian und Cardámine 38

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„Dein Papa ist echt der letzte Mensch! Wieso darf Julian mit, wenn so was Krasses passiert? Und wir werden hier eingeschlossen. Das ist megaunfair! Und wo ist Pamina? Wenn die sich hinterher geschlichen hat ohne uns mitzunehmen, ist aber der Bock fett!“

Unter dem Saum seiner hellblonden Stoppelhaare wurde Dennis knallrot. Gleich explodiert er, dachte Tamino. Dann wird er den Herd durch das Küchenfenster werfen. Oder mich. Dennis war beunruhigend groß, viel größer Julian, der mit ihm in eine Klasse ging und fast zwei Jahre älter war.

„Lass uns Pamina suchen, möglicherweise hat sie ja noch eine Idee, wie wir hinter Vater herschleichen können“. Weiterlesen