Kastenzauber — Julian und Cardámine 65

Nun ist die Geschichte fast zu Ende – aber eine wichtige Sache har Cardámine noch zu erledigen …


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Rund wie die Sonne versank der Mond im Westen. Die vier leuchtenden Sterne des Pegasus prangten am östlichen Himmel. Verführerisch duftete die Nacht, trotzdem schlug ich Anemonas Einladung zum Tanzen aus. Den Weg zu Julians Kobel hätte ich mittlerweile im Schlaf fliegen können. Nur weil ich wusste, dass die Menschen nachts ihre Einfluglöcher versiegeln, bat ich Achillea mich hinzuwünschen und freute mich schon jetzt auf den Rückflug durch die erste warme Himbeermondnacht.

Ausgestreckt auf glattem Gewebe lag der Junge Julian auf seinem Lager, ein anderes glattes Gewebe hatte er über sich gezogen. So hatten wir in dem Kasten gelegen, in den die Retterin Pamina uns während der Starre gebettet hatte. Schaurige Erinnerung. Julian sah auf seinem glatten Lager ganz zufrieden aus. Als ich über ihm kreiste, öffnete er kurz die Augen und lächelte, ohne wirklich zu erwachen. Die Falle des seltsamen Tieres war leer. Er hatte das Richtige getan.

Ich ließ ihn schlafen, in dieser Nacht suchte ich die Altfrau. Ich flog durch den verwinkelten Menschenkobel. Sonnelob stand der Deckel ihres Einfluglochs offen .Die Altfrau starrte auf einen weiß erleuchteten Kasten. Über die leuchtende Fläche huschten Buchstaben. Auf einem zweiten Kasten tippte sie mit großer Geschicklichkeit herum. Lange schwebte ich hinter ihr, bis ich begriff, dass sie schrieb. Nicht mit einem dieser überfeegroßen Stäbe, mit denen die Schulkinder ihre Buchstaben schufen, sondern mit quadratischen Steinen, die in den flachen Kasten vor ihr eingelassen waren. In jeden Stein war ein Buchstabe eingemeißelt. Berührte die Frau den Stein, erschien der Buchstabe im Licht. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Mit diesem Kastenzauber müsste auch eine Fee schreiben können. Die heraufbeschworenen Buchstaben schwärmten von der neugeborenen Nachtigallenwasser.

„Schafft eins, zwei, drei, viele neue Teiche“, schrieb sie und zuckte heftig zusammen, als ich fragte: „Darf ich auch mal?“

Sie lachte.

„Eine Fee am PC. Wenn Grosse wüsste, wovon ich gerade kein Foto mache, würde er mich auf der Stelle wieder feuern! Warte, ich speichere eben ab“.

Sie drückte auf den Steinen herum, die keine Steine waren, sondern Plastikstücke.

„Hier, eine neue Datei. Nur für dich.“

Es war einfach. Ich schwebte über dem flachen Kasten, den sie „Tastatur“ nannte und trat mit dem linken Fuß auf den jeweiligen Buchstaben.

Ich schrieb: „ich heiße cardamine. ich bin eine fee, die menschenkunst lernt, um der feeheit zu dienen.“

Jo machte die Schrift auf dem weißen Licht ganz klein und setzte einen weiteren Kasten in Gang, der meine Buchstaben auf ein Blatt Papier bannte. Sie beherrschte ihre Menschenmagie gut. Dann schnitt sie meinen Text, der nur einen winzigen Teil des entennestgroßen Bogens bedeckte, aus, rollte ihn auf und schob einen kleinen Gummiring darüber, einen von diesen kleinen roten, in denen fee sich so unangenehm verheddern konnte. Keine lebensgefährlichen Fallen, aber äußerst lästige Dinger.

Ich schob die Rolle in mein Kleid.

„Danke. Eigentlich bin ich wegen einer anderen Bitte zu dir gekommen, einer größeren.“

„Sag an.“

Sie war begeistert. Wir schmiedeten Pläne, bis die Amseln sangen. Zuversichtlich flog ich nach Hause. Es würde eine Feenzukunft geben und ich würde ein Teil davon sein.

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