3. Mai 2020 (ABC-Etüde, Sommeredition)

Sommer ist es, diesmal wieder mit Regentagen, besänftigend ist das und den Schnecken leider ein Jubelfest.

Keine vertrauten 300-Wörter-Etüden derzeit.

Stattdessen lädt Christiane zur Sommergeschichte ohne Limit, dafür mit mindestens sieben aus zwölf kunterbunt zusammengespendeten Wörtern, die auf der ebenfalls von Christiane gestaltetet Graphik zu finden sind, die von mir rausgepickten habe ich nicht „gefettet“, wie Olpo so schön sagt, weil mich das immer beim Lesen irritiert. Und ein Ort auf Erden sollte darin erkennbar sein, es wurden mehrere.

Geschrieben habe ich im Haus meiner Mutter, in dem ich nie gelebt habe, in Sierksdorf an der Neustädter Bucht, mit der Hand geschrieben, weil ich nichts Technisches dabei hatte und die Gedanken schweiften weit und weiter, weigerten sich zu Hause zu bleiben und der Text wurde lang und länger und wäre noch viel länger geworden, wenn die Störungen nicht zahlreicher als die Uferschwalben gewesen wären.

Sierksdorf hin oder her, es ist kein autobiographischer Text, allen beschriebenen Orten bin ich schon mal begegnet. Nur war alles ganz, ganz anders.

Der Coronalockdown in Ecuador wurde mir von einem guten Freund so wie beschrieben  in mehreren Telefongesprächen geschildert.2020_etsompauint_02_1000

Meinst du Mama, der ist aufgeregt? Ich meine, weil der ja jetzt hier oben auf meinem Finger sitzt? Denkst du sein Herz puckert noch öfter als das von einer Maus?

Keine Ahnung, wir können versuchen das im Internet rauszukriegen, aber nur wenn du mir versprichst, dass wir nachher noch ein halbes Stündchen Hausaufgaben machen.

Die ernsthafte Aufmerksamkeit mit der Nelson den Ohrenkneifer auf der Spitze seines Zeigefingers betrachtet, lässt Finjas Herz vor Liebe überquellen und die nervtötende morgendliche Streiterei um die Rechtschreibzettel, die bis morgen eingescannt und an Frau Leipe gesandt werden müssten, vergessen.

Lehrerin ist noch nie ihr Berufswunsch gewesen und es ist schon eine ziemlich gehässige Ironie der Geschichte, dass sie nur um Muisne und Elena wiedersehen zu können, Frau Leipe angefleht hatte, Nelson selbst unterrichten zu dürfen, drei Wochen lang bloß, das kann doch in der zweiten Klasse nicht so schlimm sein.

Nelsons Schulbefreiung ist damit wohl hinfällig, vermutlich hat Frau Leipe sie am Tag der Schulschließung nur angerufen, um ihr diesen Kommentar möglichst süffisant um die Ohren zu schlagen.

Finja hält Frau Leipe für keine schlechte Lehrerin, sie scheint Nelson zu mögen, nur Extrawürste kann sie partout nicht ausstehen und Finjas Leben ist nun mal eines, das immer mal wieder nach Extrawürsten schreit.

#stayathome, das Gebot der Stunde hat sie trotz des stornierten Fluges vermasselt. Wie klug es gewesen war, zu Papa zu fahren, zeigt sich, als Schleswig-Holstein kurz darauf seine Landesgrenzen für alle, die dort weder wohnen noch arbeiten, schließt. Dass sie ihrem nach Elena schreiendem Herzen versagen übers Meer zu fliegen, nun gut, das ist tränenreich einzusehen. Aber die 90 Kilometer zu Papa, nein das kann sie nicht akzeptieren. Die Nachbarn wissen natürlich, dass Finja und Nelson sich mehr oder weniger illegal in Sierksdorf aufhalten, aber sie heißen es gut, wenn sich diese verrückte Tochter sonst auch viel zu selten um ihre Eltern kümmert.

Ihre Schwester, die eigentlich Kümmerin, die Extrawürste genauso hasst wie Frau Leipe hätte das bestimmt nicht hinbekommen. Und deshalb ist es wohl richtig, dass sie hier sitzt und ihrem Vater die Einkäufe erledigt und sich mit dem Pflegeheimheim, in dem Mamie seit ihrem dritten Schlaganfall untergebracht ist, anlegt.

Mein Vater sieht seit Wochen niemanden außer uns, er KANN nichts haben, doch hier sind keine Extrawürste zu bekommen.

Abend im Bett, wenn Nelson leise neben ihr auf seiner Luftmatratze vor sich hin schnorchelt und sie sich leer geweint hat von ihrer Sehnsucht nach Elena und dem anderen Meer, dann denkt sie an Mamie und sie merkt, sie kann sich nicht reindenken, erstens konnte sie sich noch nie in ihre Mutter reindenken und zweitens kann sie sich Demenz einfach nicht vorstellen und drittens reicht ihr Papas Kummer. Er ist gewohnt, Tag für Tag seiner verdriftenden Frau Lieder vorzusingen, und sein Herzschmerz wird nur durch die Anwesenheit seines Enkels gemildert. Er hat mit ihm einen Drachen gebastelt, den die beiden nun Tag für Tag am Strand fliegen lassen. Warm ist es für die Jahreszeit und am stur blauen Himmel stehen allenfalls ein paar Sahnewölkchen, aus denen kein Tropfen fällt. Normalerweise wäre es hier zum Drachensteigen lassen schon viel zu eng, zumindest an den Wochenenden, doch in diesem Jahr sind die meisten Strandkörbe noch gar nicht aufgestellt, es laufen nur wenige Menschen am Strand entlang, viele davon mit Kindern, Schulkindern, wo doch nirgendwo Ferien sind, und sie achten ängstlich darauf, die Kinder nicht zu nah zueinander zu lassen.

Die Achterbahnen des Hansaparks ragen schweigend in den Himmel. Niemand sagt grinsend fünfzehn Uhr in seine Kaffeetasse, wenn die Pseudomarschmusik der täglichen Parkparade auf die Terrasse schwappt.

Weder Eis noch Pommes an der Strandpromenade, die doch gerade erst mit Landes- und EU Mitteln aufwendig einfallslos gemacht worden ist. Es ist eine der letzten und auch versöhnlichsten Erinnerungen an Mamie, wie sie Finja vom Wanderweg an der Pfingstbeek voll Vorfreude kichernd zum Baustellenschild geschleppt hat, Attraktivierung der Strandpromenade. Sie mussten sich einen Kaffee gönnen, um aus dem Lachen wieder herauszufinden. Das Ergebnis der damaligen Attraktivierung sind in Drahtkäfige eingesperrte Steinbrocken – an besonders attraktivierten Stellen Altglasbrocken – seltsam gewölbte Bänke, überdimensionierte wippende Strandhaferhalme aus Metall, die wohl stylischer sind als herkömmliche Schaukelpferde.

Hinter alledem die wuchtige Betonskyline der Attraktivierung der 70er Jahre.

Schon wieder muss sie schlucken. Eigentlich sollte Nelson mit seinem Drachen jetzt an einem anderen Strand entlang rennen, zusammen mit Elenas Jungs, die so dunkelhäutig sind wie er, statt auf künstlichem Strandhafer zu wippen, sollten sie unter Palmen tollen, während huschende Strandkrabben wie kleine Gespenster vor den nackten Jungsfüßen flöhen.

Er soll keine Milch aus dem Neustädter Rewe trinken, er soll morgens losrennen, eine Plastikflasche und ein paar Cent in der Hand, um das Milchpferd auf der Straße abzupassen. Er soll dieser Tage nicht auf dem Vordersitz von Opas klapprigem Volvo sitzen, sondern neben seiner Patin Elena in einem triciclo, einer Fahrradrikscha, wie man sie überall an der ecuadorianischen Küste sieht. Mit Jaime am Lenker, Jaime, der Elena und Finja schon als Jugendlicher kichernd über die Insel kutschiert und sie seine Prinzessinnen genannt hatte, Jaime, der jetzt Vater ist und dessen Kinder Elena und sie als Patinnen unterstützen.

Doch auch Elena ist mit ihren Jungs nicht dort, wo sie aus Liebe Lehrerin geworden ist, erst zu einem Mann und nun da der Mann nicht mehr da ist, zu der Insel und ihren Menschen. Während die Schulen geschlossen sind und das ecuadorianische Gesundheitssystem zusammenbricht, sitzt Elena mit ihren Jungs in Quito genauso fest wie Nelson und sie in Sierksdorf.

In Quito haben sie sich in all‘ den Jahren nur einmal gesehen, sie erinnert Elenas Elternhaus auf einem Hügel gelegen mit freiem Blick auf den Vulkan Cayambé, im Garten wuchsen Avocados und Nelson wurde verwöhnt und mit den Enkeln in den Zoo ausgeführt, während Elena und sie Hand in Hand das historische Stadtzentrum, Weltkulturerbe und was nicht alles erkundeten. Aller Herzlichkeit zum Trotz sind in ihr vor allem die hässlichen Zwischentöne in diesem Haus hängengeblieben. Sie hatte sie gleich erkannt. Wie Mamie nie ganz aufgehört hatte, damit zu hadern ungefragt zur Großmutter eines farbigen Enkelsohns gemacht worden zu sein, litten Elenas Eltern am Entschluss ihrer Tochter aus der Hauptstadt weg zu den monos, zu den „Affen“ an die Küste zu ziehen und als Gipfel der Unvernunft einen von ihnen zu heiraten. Wie ihre Eltern das Scheitern ihrer Beziehung mit Lenín schon während der Schwangerschaft klaglos akzeptierten, schien auch Elenas Eltern das Verschwinden ihres Schwiegersohns irgendwie folgerichtig und ihr Weltbild bestätigend zu sein.

Elenas und Finjas Freundschaft dagegen verwirrt sie. Stolz waren sie schon gewesen, als ihre Tochter damals, kinderlos noch, als Delegierte einer Menschenrechtsorganisation nach Deutschland fahren durfte, um über die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen der Shrimpszucht in ihrer Wahlheimat zu berichten. Gerührt waren sie, als sie hörten, wie fürsorglich Elena von Finja in Hamburg aufgenommen wurde, wie sie sie nicht nur zu ihren politischen Terminen begleitete, sondern mit ihr im Hafen gewaltige Containerbrücken und historische Windjammer bestaunt und ihr einen Ferientag im Haus ihr Eltern an einem ganz anderen Meer geschenkt hatte.

Nach einem gewaltigen Mittagsmahl, aufgetischt von Mamie waren sie gemeinsam am Strand entlanggelaufen, die Füße im Wasser. Elena hatte über die Kälte, die vielen Steine und die kaum vorhandene Brandung in der Bucht gestaunt. Und irgendwo zwischen den Brutkolonien der Uferschwalben im Steilufer und dem Gedenkstein für die Opfer des 1945 in Sichtweite der Bucht versenkten Schiffe  Cap Arcona und Thielbeck hatte das tiefe Einverständnis zwischen ihnen begonnen, das Finja noch nie vorher bei irgendeinem Menschen gespürt hatte, nicht bei ihren Eltern, nicht bei ihrer Schwester, bei keiner Freundin, bei keinem Mann .

Ihretwegen hatte sie einige Jahre in Ecuador studiert und gearbeitet, fast zeitgleich hatten sie ihre Männer kennengelernt und dann auch gemeinsam ihre dicken Bäuche über die Insel getragen und wie Elena hat sie sich in die Küste verliebt, die nun Schlagzeilen macht, wegen der Coronatoten, die auf der Straße liegen sollen, sei es wie weltweit auf allen Kanälen gepostet, weil die Leichenbestatter mit der Arbeit nicht mehr nachkommen oder weil sie durch den strengen Lockdown daran gehindert werden, wie Elena sagt.

Seit Finja wieder in Hamburg lebt, hat ihre Freundschaft sich unmerklich verändert, manchmal kommt sie ihr nur noch vor wie eine Utopie einer idealen Freundschaft, von der sie irgendwo gelesen hat.

Beide sind sie eingebunden in ihre Projekte, und immer noch nimmt es sie mit, dass Elena nie auch nur erwogen hat, wenigstens ein paar Monate in Deutschland zu verbringen. Nein, Muisne ist mein Platz, hab‘ keine Zeit für Spielereien.

Finja hat Muisne seit dem Erdbeben 2016 noch nicht wiedergesehen und sie schämt sich dafür, als hätte sie die Insel und Elena an jenem Tag im April im Stich gelassen, sich vorsätzlich in ihr stoßgedämpftes altes Leben verzogen und die Trennung der Welten eigenhändig vollendet. Das alles hätte nun wieder gut werden sollen. Wären sie nur zwei Wochen früher geflogen. Dann säßen sie jetzt gemeinsam fest, dann würde sie sich nicht wie die verwöhnte Erste-Welt-Frau vorkommen, die sie nun einmal ist, egal was sie tut, wo sie lebt, wie sie sich gibt. Und was für die letzten Zweifler ersichtlich wurde, als sie nach Hause flog, um ihren Sohn an einem regnerischen Sommertag in einem Hamburger Kreißsaal zu gebären

Na, das nenne ich Luxus, höhnt Elena, als Finja ihr ihre Coronaverdrossenheit schildert und Finja nickt wie belehrt, dabei weiß sie es längst.

Wir haben hier Ausgangssperre von vierzehn bis fünf Uhr in der früh, erzählt Elena, und das heißt noch lange nicht, dass du jeden Tag raus kannst, nur an bestimmten Tagen, an welchen hängt von der letzten Ziffer deiner Handynummer ab. Und öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht mehr, gar nicht. Und du über sechzig, also meine Eltern, dann darfst du überhaupt nicht mehr vor die Tür.

Und wehe, du verstößt gegen die Regeln, das Militär patrouilliert wieder auf den Straßen wie in den schlimmsten Zeiten.

Wie soll man da Geld verdienen? Du weißt doch, wie viele leben vom Straßenverkauf, von den Äpfeln, den Zigaretten, den Regenschirmen und den geputzten Schuhen.Die haben keine Rücklagen, nie,nicht einen Cent, auch nicht Jaime unser Tricilista und das Milchpferd ist notgeschlachtet worden, wo du es doch gerade erwähnt hast.

Und auch wir haben heute mit unserem letzten Geld die Stromrechnung gezahlt, kommt ja nichts mehr rein.

Wir kommen schon durch, aber ich bin sicher, mehr werden hungers sterben als an dieser verdammten Seuche.

Ja, ja vor Corona sind wir alle gleich, hatte Frau Leipe noch schnippisch zu Finja am Telefon gesagt. Was für eine satte Lüge. Die, die haben, treibt es in den Diätwahn, weil sie sich an Nudeln und selbstgemachtem Hefegebäck zu überfressen drohen, die die nicht haben, verhungern nicht mehr fast, sondern ganz. Sie hatte nicht den Mut gehabt, das der herrischen Lehrerin zu sagen, sondern nur leise geknurrt.

Soll ich dir Geld schicken?, fragt Finja leise und kommt sich entsetzlich dabei vor.

Ich werde es dir zurückzahlen.

Wir sind doch Freundinnen.

Sie legt auf. Papa steht vor ihr, einen Strauß Goldregen und Flieder im Arm.

Grüße von Elena, sagt sie.

Wie geht es ihr? Braucht sie Geld, ich meine da ist das doch nicht so mit Kurzarbeitergeld und Überbrückungshilfen und so.

Nee, echt nicht.

Ich möchte ihr gern etwas geben oder auch anderen, die du kennst, mehr kann ich ja nicht tun.

Das hätte sie ihm nie zugetraut, wenn sie ihn gebeten hätte, vielleicht. Aber einfach so?

Sie fragt sich was Mamie dazu gesagt hätte, aber eigentlich ist das mittlerweile egal.

Was willst du denn mit diesem Riesenstrauß?

Ich darf ja nicht einkaufen, da habe ich selbst gepflückt. Ist doch der dritte Mai.

Der Tag an dem die Schiffe untergingen, in Sichtweite des in diesen Tagen so seltsam leeren Strandes, die Schiffe mit den Überlebenden des KZ Neuengamme an Bord. Die Schiffe um die sie und Elena gemeinsam geweint haben an jenem ersten Tag. Immer weicht er aus, wenn Finja Papa fragt, ob er das als Kind mitangesehen hatte, vielleicht ja, vielleicht nein, vielleicht wird er es ihr auf dem Sterbebett verraten. Wenn er denn nicht vorher dement wird.

Ist doch egal, ein Verbrechen war es allemal.

Nehmen wir Nelson mit zum Gedenkstein?

Wenn er will, er weiß doch längst, dass die Welt eine schlechte ist.

Aber er hat eine Mutter, die alles gibt, um aus ihr eine bessere zu machen.

Das sagt ihr Papa, wirklich, das sagt er in diesem Augenblick.

Sie macht ein Foto von Nelson und ihm mit seinem Strauß am Gedenkstein, zusammen mit der PayPal Anweisung schickt sie es an Elena.

Elena wird es verstehen.

Ich freue mich immer über Likes und Kommentare zu meinen Texten, muss aber darauf hinweisen, dass WordPress.com – ohne dass ich daran etwas ändern könnte — E-Mail und IP-Adresse der Kommentierenden mir mitteilt und die Daten speichert, verarbeitet und an den Spamerkennungsdienst Akismet sendet. Ich selbst nutze die erhobenen Daten nicht (näheres unter Impressum und Datenschutz). Sollte das Löschen eines Kommentars im Nachhinein gewünscht werden, bitte eine Mail an fundevogelnest@posteo.de, meistens werde ich es innerhalb von 48 Stunden schaffen dieser Bitte nachzukommen.

 

 

 

37 Gedanken zu “3. Mai 2020 (ABC-Etüde, Sommeredition)

      • Olpo Olponator Juli 29, 2020 / 10:21 pm

        Ja.
        Wenn ich mir dann zeitgleich überlege, ob ich mir diesen Sommer eine 2. Fahrt in den Süden leisten kann oder mir doch besser ein Auto für den Winter kaufen sollte, wird mir klar, daß Luxus früher beginnt und nicht erst, wenn frau in einem Kreißsaal in der EU ein Kind zur Welt bringen darf mit allen Sicherheiten und Annehmlichkeiten und ich relativ machtlos bin, etwas an ‚Nebenschauplätzen‘ ändern zu können – außer geringe finanzielle Nothilfe zu leisten… und dann kann ich solche Berichte nicht wie einen Roman am inneren Auge vorbeiziehen lassen, sondern hab‘ eher die Toten vor mir, die, alleingelassen, auf der Straße krepieren mußten.
        So einfach ist das und deshalb eben auch wieder nicht.

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        • fundevogelnest Juli 30, 2020 / 11:49 pm

          Wahrscheinlich verdrängen wir die skandalöse Ungerechtigkeit auf diesem Planeten deswegen so gern – weil sie schlicht nicht auszuhalten ist.
          Die Toten auf den Straßen Guayaquils, die im April durch die Medien gezerrt worden sind, sind wohl nicht unbedingt allein gestorben, sondern bei ihren Familien, die dann keinen Bestatter bekommen haben, weil die entweder überlastet oder wegen des strengen Lockdowns nicht kommen durften – und Guayaquil liegt in den Tropen.

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          • Olpo Olponator Juli 31, 2020 / 12:02 pm

            Ja. Das fatale an der Geschichte ist, daß es niemandem in der 3., 4. Welt hilft, wenn wir unseren Konsum aus falscher ‚Solidarität‘ völligeinschränken/stellen. Ich kann mich nur damit trösten, daß es den betroffenen Menschen nicht ganz so schlimm geht, wie jenen auf dem aktuellen Spielplatz der Global Player zum mit Waffensystemen rumprobieren, in Syrien … ob meine Spenden-Tröpfchen tatsächlich verhindern können, daß in einem der Flüchtlingslager der letzten Reste der syrischen Zivilgesellschaft die Seuche durchbricht ? Das mein‘ ich dann mit Hilflosigkeit und Verzweiflung…
            Die Toten in der Presse sind, als sie ‚aktuell‘ waren, weder an mein Ohr noch Auge gedrungen – diesen Luxus des dichten Regenschirmes gegen die Verblödungsberieselung gönnte ich mir. Ich weiß, du konntest das nicht…

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            • fundevogelnest August 1, 2020 / 12:11 am

              Selbst angeschaut hatte ich mir die Bilder aus Guayaquil tatsächlich auch erst nachdem ich mehrfach darauf angesprochen wurde und ich habe es zum Anlass genommen zu telefonieren.
              Spenden sind ein schwieriges Thema, „Meine“ bringen natürlich wenig, aber nun kurz die Augen schließen und sich eine Welt vorstellen, in der gar nicht für Notleidende gespendet würde …. Eben.

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  1. Christiane Juli 29, 2020 / 8:28 am

    Eine Geschichte über Liebe und Verantwortung, wie so oft bei dir. Danke dir dafür.
    „Aber er hat eine Mutter, die alles gibt, um aus ihr eine bessere zu machen.“
    Ja, ich glaube, das bist du.
    Liebe Grüße
    Christiane ❤️

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    • fundevogelnest Juli 29, 2020 / 10:04 pm

      Ich pflege zurzeit Rebdezvous mit meinen alten Geschichtenprotagonisten, ich sehne mich nach ihnen und möchte wissen wie es ihnen geht (etwas verrückt, ich weiß)
      Finja gehört auch dazu, eine Geschichte aus Sicht ihrer Nichte mit vielen gutmütigen Kobolden, Hamburg-St.Pauli und Nelson als Baby, aber für den Blog leider zu lang.

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      • Christiane Juli 29, 2020 / 10:18 pm

        Nee, ich kenne das mit den Protagonisten, mein Wassermaler ist wieder wach und interessanterweise auch mein „Unterwasserkönig“ von vor zwei Jahren. Ich kämpfe noch 😉
        Vielleicht findest du ja noch einen Rahmen für deins. Ich würde es lesen wollen.
        Liebe Grüße
        Christiane 😁🍷👍

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                • Olpo Olponator Juli 30, 2020 / 10:44 am

                  Und wofür war das jetzt ? Ich tu‘ mich mit flüchtigen Tippheitsfehlern weit leichter als du, oder ;-!

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                • Christiane Juli 30, 2020 / 10:49 am

                  Für die Unterstellung, man dürfe/solle mir nur korrekturgelesene Texte schicken.
                  Und ja, ich glaube durchaus, dass du dich damit leichter tust. Und? 😉

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                • Olpo Olponator Juli 30, 2020 / 10:53 am

                  DU sollst sie doch korrekturlesen VOR Veröffentlichung, das hatten wir doch schon …

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                • Christiane Juli 30, 2020 / 10:55 am

                  Ach, sorry, Mensch, das war an mich gerichtet? Ich dachte, der Spruch ging an Natalie. Ja, klar würde ich das machen.
                  *schlappenzurückhol*
                  *betrübtguck* 😦

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                • Olpo Olponator Juli 30, 2020 / 10:59 am

                  Das kommt davon, wenn man immer in dieser beschissenen Halbwebseite liest, das entbehrlichste Gimmick von WP – bei mir stehen die Zuordnungen untereinander und eingerückt…

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                • Christiane Juli 30, 2020 / 11:01 am

                  War eindeutig mein Fehler. 😦

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            • fundevogelnest Juli 30, 2020 / 11:53 pm

              Tass, tss, kaum wagt die Fundevogelfamilie mal die Elbe zu überqueren, um sich an Hängebauchferkeln zu ergötzen und Fischottern beim Schlafen zuzusehen – bewerfen sich hier im Nest Frau Christiane und Herr Olpo mit Schlappen.
              Ihr dürft die Geschichte auch beide bekommen, wer mehr Flüchtigkeitsfehler findet, gewinnt.

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              • Christiane Juli 31, 2020 / 9:48 am

                Als ob ich deine Geschichten nur deshalb lesen wollen würde, also echt 😉
                Hey, ich glaube, ich weiß, wo es euch hin verschlagen hat! Die Fischotter sind großartig: so possierlich und so Raubtier! War es voll? Findet die Flugshow statt? Die zieht mich nämlich immer magisch an …

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                • fundevogelnest August 1, 2020 / 12:17 am

                  Ja, wir waren genau dort.
                  Brechend voll, womit eine Freundin und ich nicht gerechnet hatten, unter der Woche unter grauem Himmel, die Bitte des Parks Masken zu tragen wurde weitgehend ignoriert, das ganzer Unternehmen war mit drei -nun ja- etwas auffälligen Kindern zwischen drei und sechs eher schwierig, am meisten Zeit brauchten wir natürlich zum Ziegen und Hängebauchschwein (über)füttern und der Kleine Fundevogel und ich sind in Rekordzeit den Aussichtsturm rauf und ohne uns weiter mit der Aussicht aufzuhalten wieder runtergerast.
                  Theoretisch hatten wir die Flugshow sehen können.

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          • Olpo Olponator Juli 31, 2020 / 9:48 am

            Mmm … das kann ich jetzt nur so erklären, daß ich, weiß nicht mehr wo, aufgeschnappt habe, daß Winja eine germanische Gottheit sein solle – was aber nicht stimmt, sondern (zumindest auch) ein Buchstabe des gotischen Alphabets ist mit der Bedeutung ‚Weideland‘ oder auch ‚Wonne‘ (Na bitte ;-)). Da hab ich wieder einmal gleich gefragt und mich danach selbst informiert … 😉

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  2. Myriade Juli 29, 2020 / 2:27 pm

    Ja, Corona-Krise ist nicht Corona-Krise und Lockdown ist nicht Lockdown …….. es kommt darauf an, wo man lebt und mit welchen finanziellen Ressourcen. Eigentlich ist das ja in allen Bereichen des Lebens so.
    Es freut mich sehr, dass wenigstens eine weitere Etüdenschreiberin diese herausschreiend gemachten Wörter nicht mag, die das Textlesen so stören

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  3. fundevogelnest Juli 29, 2020 / 10:06 pm

    Ja meinen Lesefluss stört das „Fetten“ erheblich, die Worte, die ja manchmal nur mühevoll irgendwie untergebracht sind, bekommen ein Gewicht, das ihnen vom Text her nicht zusteht.

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  4. blaupause7 Juli 30, 2020 / 6:40 am

    Erschütternd, wenn man sich vorstellt, wie vergleichsweise gut wir im Vergleich zu anderen Lockdowngebieten weggekommen sind, überlege ich mir das Gejammer,, wenn ich bei 30 Grad eine Maske tragen soll, lieber zweimal.

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    • Olpo Olponator Juli 30, 2020 / 10:41 am

      Solange du jammerst, ist eigentlich alles gut bei dir – mit einer geschädigten Lunge stöhnst du bloß unter einer Maske bei +30° … 😉

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    • fundevogelnest Juli 30, 2020 / 11:56 pm

      Ich finde ja, dass ein bisschen Jammern der Seele ganz gut tut.
      Aber es ist nicht falsch, es in Relation zu den wahren Katastrophen zu setzen.

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  5. violaetcetera Juli 31, 2020 / 10:13 pm

    Am Anfang dachte ich, Corona würde uns alle irgendwie vereinen… Pustekuchen. Mittlerweile habe ich eher das Gefühl, es sind neue Gräber entstanden, wie du es auch in deiner Geschichte erzählst.

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