Der Nöck (ABC-Etüde)

November ist es und ich ernte noch Bohnen und Broccoli. Alles scheint im Wandel zu sein. Ist das gut, ist das schlecht?

Weg mag das bewerten.

Nur gelingen mir keine heiteren Texte zurzeit. Nichts zu machen.

Kain Schreiber danke ich für seine wunderschöne Wortspende (Nachtlicht, teilen, lieblich) zur vorletzten Etüdenrunde des gar seltsamen Jahres 2020.

Christiane gebührt wie immer der Dank fürs getreuliche Bereiten des Etüdenbodens!

Etüdenkennbild mit den vorgegebenen Wörtern: Nachtlicht, lieblich, teilen und dem Hinweis auf den Spender kainschreiber

Im Dunkel weiß man nicht, wo oben ist, wo unten, wo hinten, wo vorn. Ich jedenfalls weiß das nicht mehr. Das hat der Nöck getan.

Im Dunkeln streckt er seine kalten Flossen wieder nach mir.

Sannchen, Sannchen, wo bist du. Wo ist das grüne Lichtlein? Wo?

Ich ruf sie, das heißt, ich probiers, was aus meinem Mund kommt, das ist kein Rufen mehr. Sannchen, wo ist das grüne Lichtlein wider dem Nöck?

Reg dich nicht auf. Ich bin doch bei dir. Ach, schau an, dein Nachtlichtlein ist durchgebrannt. Ich lass die Lampe an, ja?

Im Lampenlicht, da kommt er nicht, der Nöck. Nur schlafen kann ich dann auch nicht.

Sannchen hol mir ein Lichtlein. Mein Sannchen. Was wär ich ohne sie?

Sie hat mich schwimmen gelehrt, drunten am kalten See, fands lustig, dass einer nicht schwimmen konnte, hier lernten das alle schon mit vier. Bei uns war das nicht üblich gewesen.

Wer nicht schwimmen kann, den holt der Nöck, hatte sie gelacht, das lieblichste und klügste Mädchen, das ihr euch denken könnt.

Unsern Entschluss, das Leben zu teilen, hatten viele nicht gern gesehen. Ich war ja Flüchtling bloß, katholisch dazu und sie die protestantische Lehrerstochter.

Bin selbst Lehrer geworden und man lacht heute über solche alten Geschichten. Als unsere Tochter einen Moslem geheiratet hat, war wieder Gezeter, dabei ist er ein Guter. Sannchen hatte gelacht: Die Leute ändern sich nie.

Ich bin ein guter Schwimmer geworden, da hat der Nöck mich am Lande geholt, am helllichten Tag alles duster gemacht, Chaos geschaffen im Körper und Kopf.

Guck mal, erinnerst du dich?, nun war ich doch weggenickt, ja an das Nachtlicht erinnere ich mich. Habs gekauft, weil das Sannchen das wollte fürs Enkelchen. Ist Selma schon groß? Kanns ja nicht fragen.

Fische schwimmen beharrlich um die Lampe herum.

Schwimmen in die Ewigkeit.

Ich freue mich immer über Likes und Kommentare zu meinen Texten, muss aber darauf hinweisen, dass WordPress.com – ohne dass ich daran etwas ändern könnte — E-Mail und IP-Adresse der Kommentierenden mir mitteilt, die Daten speichert, verarbeitet und an den Spamerkennungsdienst Akismet sendet. Ich selbst nutze die erhobenen Daten nicht (näheres unter Impressum und Datenschutz). Sollte das Löschen eines Kommentars im Nachhinein gewünscht werden, bitte eine Mail an fundevogelnest@posteo.de, meistens werde ich es innerhalb von 48 Stunden schaffen dieser Bitte nachzukommen.

18 Gedanken zu “Der Nöck (ABC-Etüde)

  1. Kain Schreiber November 7, 2020 / 6:27 pm

    guten abend!
    schöne ist die geschichte ja nicht, fast schon ein wenig gruselig, von ängsten geprägt. was bitte ist „der Nöck“? schön geschrieben allemal!

    Gefällt 2 Personen

  2. Christiane November 7, 2020 / 6:50 pm

    Oje. Ich finde deine Innenansichten unglaublich beklemmend und sehr, sehr gut. Der arme Mann … ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll. Furchtbar. 🤔
    Du weißt, dass ich auf Heiterkeit keinen Wert lege, auch wenn ich sie zu schätzen weiß. Was du schreibst, hat seine eigene Klasse.
    Vielen lieben Dank 😁
    Abendgrüße 😉🍷🌖👍

    Gefällt 3 Personen

    • kommunikatz November 7, 2020 / 7:24 pm

      Beklemmend und irgendwie verstörend, aber gerade deshalb unglaublich gut! Deine Texte haben irgendwie immer eine beeindruckende Tiefe. Und ich komme nichtmal dazu, etwas Seichtes zu schreiben…

      Gefällt 3 Personen

      • fundevogelnest November 8, 2020 / 7:28 pm

        Zum Schreiben etwas Seichtem komme ich auch nicht, das andere drängelt.
        Okay die Geschichten, um das Kind unterwegs bei Laune zu halten, die haben immer gern Slapstickcharakter.

        Gefällt 1 Person

    • fundevogelnest November 8, 2020 / 7:25 pm

      Man kann es auch als Geschichte einer lebenslangen Liebe lesen.
      Heiter wird es dadurch natürlich nicht.
      Wahrscheinlich ist meine innere Heiterkeit gerade etwas auf Abwegen und das ist, was mich eigentlich stört,

      Gefällt 2 Personen

  3. Melina/Pollys November 7, 2020 / 7:25 pm

    Der Wassermanngeist – interessant – alte Kinderängste aus der Vergangenheit …. Mögest Du sie alle vertrieben haben.

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest November 8, 2020 / 7:30 pm

      Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern als Kind den Nöck gefürchtet zu haben.
      Solches hat immer eher angenehm gegruselt. Angst hatte ich hauptsächlich vorm Alleinsein

      Gefällt 1 Person

  4. Werner Kastens November 8, 2020 / 12:35 pm

    Wieder etwas dazu gelernt: den Nöck kannte ich bisher nicht, eher den Klabautermann.

    Sehr intensiv geschrieben. Das geht unter die Haut!

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest November 8, 2020 / 7:44 pm

      Für mich das Überraschendste dieses Abends. Ich hatte wirklich gedacht den Nöck kennt jede(r), sonst hätte ich mich um eine Erläuterung bemüht.
      Es ist ein Wassemann nicht, direkt böse, aber unberechenbar, weil er versucht Menschen in sein Reich zu ziehen oder auch um Königstöchter freit, die auf dem Grunde des Sees nicht glücklich werden.
      „Es tönt des Nöckens Harfenschall,
      Da steht der wilde Wasserfall
      Umschwebt mit Schaum und Wogen
      sen Nöck im Regenbogen…“
      Wie ging es nur weiter?
      Irgendwo kommt noch eine Nachtigall, vermutlich des Harfenschalles wegen.
      Und wer hats verfasst?
      Vielleicht komme ich nachher noch dazu nachzuforschen.

      Gefällt 1 Person

  5. fundevogelnest November 8, 2020 / 7:45 pm

    Und der Nöck wohnt im oder am Wasser und zwar an Binnengewässern.
    Der Klabautermann fährt Schiff auf hoher See.

    Gefällt mir

  6. fundevogelnest November 9, 2020 / 7:52 pm

    Das Leben hat eben düstere Seiten – warum die zurzeit so in meine Texte drängen weiß ich selbst nicht

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.