Krik und Krak

Als anständiges Nest liegt das Fundevogelnest hoch oben zwischen den Kronen der Hainbuchen, Birken und Ahornbäumen. Dementsprechend sind unsere nächsten Nachbarn Blaumeisen, Amseln, Eichhörnchen, Elstern, Eichelhäher und Ringeltauben. Dass auf dem Fundevogelbalkon eine stets frische Wasserschüssel bereitsteht und meist ein paar Leckereien zu finden sind, hat sich herungesprochen. Die Eichhörnchen hopsen manchmal neugierig zum Fenster oder zur geöffneten Balkontüre herein. Die beiden Ringeltauben aber sind unsere treusten Gäste.

Wenn sie auf dem Balkon landen, dröhnt leise das Geländer. Ihr dunkles Gurren ist der Soundtrak unsere Sommerabende.

Wenn ich vom Schreibtisch durch die Balkontür schaue oder auch aufstehe, fliegen sie nicht auf, sondern schauen entspannt zurück.

Krik und Krak hat der Kleine Fundevogel die beiden getauft. Er besteht darauf, sie voneinander unterscheiden zu können. Da muss ich passen. Ich hege stattdessen den Verdacht, da sind auch noch Krek, Krok, Kreik, Krük und Krauk, vielleicht sogar Krök.

Nun gründen Krik und Krak eine Familie – und ohne Arg lassen sie uns daran teilhaben.

Taube im Nest

Blick aus dem Küchenfenster

Mutter oder Vater? Krik oder Krak?

Ihr Vertrauen rührt mich tief. Vielleicht wissen sie aber auch einfach, dass niemand von uns fliegen oder wie ein Eichhörnchen springen kann.

Jetzt darf der Kleine Fundevogel aber nicht mehr so kreischen, mahnen manche, denen ich vom Schauspiel vor unserem Küchenfenster erzähle. Selbst wenn ich das beeinflussen könnte – Krik und Krak kennen uns genau, sie wussten worauf sie sich einließen.

Noch tollkühner war jenes Amselpaar, das vor ein paar Jahren auf dem Balkon des Wartezimmers der Kinderarztpraxis seine Jungen groß zog.

Die ruhige und gleichzeitig hellwache Präsenz eines brütenden Vogels hat mich auch bei meinen Hennen schon immer fasziniert. Sie rühren sich kaum und bekommen dabei alles mit. Ob sie dabei über irgendetwas nachdenken? Träumen? Ihnen die Brüterei auch mal über ist?

Wenn Menschen Eier legten und ausbrüten müssten – ich stelle mir vor, sie hätten das längt an maschinelle Brutmaschinen delegiert, damit sie weiter ökonomisch effizent durchs Leben hechten könnten, ohne je etwas zu verpassen. Wer selber brütete, wäre ein Freak.

Morgen früh noch bevor ich das Teewasser aufsetze, werde ich zu Krik (oder Krak?) herüberschauen und ihr zulächeln.

Und sie wird meinen Blick gelassen erwidern.

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9 Gedanken zu “Krik und Krak

  1. puzzleblume März 30, 2021 / 7:52 pm

    Wie schön, auch das Vertrauensverhältnis, mit dem sie euch offenbar als ungefährlich betrachtet. Ringeltauben sind zwar schlampige Nestbauer, die schnell mit ihrem Werk zufrieden sind, aber sie suchen sich dafür ihren Nistplatz sorgfältig und normalerweise gut versteckt aus, soweit ich das bei uns im Garten und herum beobachten kann. Ich mag diese Tauben mit dem immer dutzigen Blick.

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  2. eva März 30, 2021 / 10:20 pm

    Die Präsenz eines brütenden Vogels. Was ein schöner Satz. So treffgenau. Bei uns wartet immer eine Rasselbande aus Amseln, Meisen, Spatzen und neuerdings Grünfinken auf die Auffüllung der Badewanne, aka Wasserschüssel. Wenn sie alle durch sind, kann mensch nachfüllen. Neulich war die Amsel so ungeduldig, dass sie in der Wasserschüssel zu puddeln anfing, ehe mein Mann 60 cm daneben giessend, weggegangen war. Irre Hühner…. Danke für den Besuch bei mir!

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  3. fundevogelnest April 2, 2021 / 9:28 pm

    Diese ruhige Wachheit bewundere ich auch imer wieder bei meinen eigenen Glucken.
    Faszinierend der Wandel der zappeligen Hühnerwesen zu dieser Yogapersönlichkeit.
    Und der stoischen Taube hätte ich bei den Hagelschauern neulich am liebsten einen Schirm rausgereicht.
    Ich schaue öfter in Ihrem Garten vorbei, warum ich plötzllich kommentieren kann (ohne einen Blog auf dieser Plattform zu eröffenen) und warum es vorher nicht ging, bleibt Geheimnis der Betreiber.

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