Familienbesuch (ABC-Etüde)

Das trockene Gras kitzelt unter Ziegenbarts Füßen. Seit über 300 Jahren kennen sie nur das Innere seiner Stiefel, seines Schlafsacks und gelegentlich das Wasser des Waschzubers im Weihnachtsmannhaus.

Etwas Buntes flattert vorbei, er lächelt, auch Schmetterlinge hat er seit Jahrhunderten nicht gesehen. Ein Kleiner Fuchs ist es, das weiß er noch.

In seiner Kindheit gauckelten sie zu hunderten über den Vorplatz ihrer Wohnhöhle.

Ja, sie werden selten, sagt Eichhörnchenfell. Seine Schwester verstehtihn auch ohne Worte. Und wer raubt unseren Wald, wer vergiftet das Land?

Ziegenbart seufzt, nie hat er geahnt, wie übel Eichhörnchenfell ihm sein Leben im Dienste des Weihnachtsmanns nimmt.

Rumpelquietsch, ausgerechnet die nichtsnutzige Polarkoboldin, die nach seinem Dafürhalten kaum mehr tut, als herzhaft liebevoll verpackte Geschenke zu zerbeißen und überarbeitete Wichtel zu tyrannisieren, hatte ihn aus dem Winterschlaf geweckt, der wie bei allen Mitgliedern der Crew zum Sommerschlaf geworden war.

Seine Mutter Himbeerblüte war in ihrem tausendvierundreißigsten Lebensjahr in die Erde zurückgekehrt. Zuletzt hatte er sie vor dreihundertfünfzig Jahren gesehen, damals als die Klabautermänner ihn Jungspund seiner ewigen Seekrankheit wegen rausgeschmissen hatten. Die sollten ihn heutzutage mal als Kutscher des Fliegenden Schlittens erleben.

Der leider nur zwei Nächte im Jahr mit Rentierkraft fliegt, weshalb Søren, der getreue Elch und auch Rumpelquietsch mit ihm zwei Monate durch Europa gewandert sind, ohne von den zahlreichen Elchmeldungen und Nachrichten über massenhaft zerbissene Pralinenschachteln Kenntnis zu nehmen.

Am Ziel verzogen seine Begleiter sich diskret in die Wälder.

Und er sitzt hier und wird von Eichhörnchenfell bezichtigt, sich mit dem weltenzerstörenden Menschengeschlecht gemein zu machen.

Ihr beschenkt sie!

Er schweigt lange.

Dann sagt er: Weißt du, die wirklich gefährlichen Menschen sind die, die den Blick auf die Zusammenhänge verloren haben. Ich möchte vielen Menschen liebevoll die Wahrheit hinter den Dingen sichtbar zu machen. Nur so kann es Rettung geben.

Eichhörnchenfell wirkt nicht überzeugt.

Die Adventüden werfen ihre Schatten voraus …

Denn dies ist die letzte Etüdenrunde vor der Sommerpause, in der (hoffentlich) wieder ein zauberhafter Adventskalender entstehen wird…

Die wunderbare Wortspende (Praline, herzhaft, wandern) kommt von Monika mit ihrem Blog Allerlei Gedanken. Vielen Dank dafür, wenn ich auch Pralinen für eine fürchterliche Erfindung halte. Wie kann man bloß arme, unschuldige, wunderbar leckere Schokolade mit irgendwelchem ungenießbaren Schleim, Matsch und Gekrümel verderben?

Allen einen wunderbaren Schreibsommer!

(Wer mehr von Rumpelquietsch, dem Elch und dem Wichtel wissen will, bemühe die Suchfunktion dieses Blogs Richtung „Weihnachtsgeschichten“….)

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7 Gedanken zu “Familienbesuch (ABC-Etüde)

  1. Christiane Juni 29, 2021 / 9:50 pm

    Ach Mensch, ich kann sie öfter als mir lieb ist gut verstehen. An allen anderen Tagen sage ich mir: Keine Brücke ist auch keine Lösung.
    Ziegenbart kann das besser 😉🧡
    Es wird Adventüden geben, und ich hoffe sehr auf die Beteiligung der Crew 😉 Aber zuerst gibt es ab nächsten Sonntag für ein paar Tage den Aufruf zu Wortspenden, also schau gern rein!
    Und herzlichen Dank, wie immer! Ich freue mich! 😁
    Abendgrüße 😁✨🍷🥨🧀👍

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  2. Monika Juni 30, 2021 / 6:18 am

    Auch wegen Du pralinen für eine schreckliche Erfindung hältst, so hast Du doch eine wundervolle Etüde dazu geschrieben.
    Viele Grüße Monika

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    • Monika Juni 30, 2021 / 6:19 am

      Nicht wegen, sondern wenn. Die Auto-Korrektur am Handy spielte mir einen Streich.

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    • fundevogelnest Juni 30, 2021 / 8:59 pm

      Freut mich, dass sie dir gefällt.
      Ich gönne natürlich allen ihre Pralinen. Ich bin allerdings immer etwas enttäuscht, wenn ich welche geschenkt bekomme. Es gibt schließlich so gute Schokolade ohne gjeglichen Firlefanz.

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