Flüchtiger Sommergruß

Der letzte Kitatag im Leben des Kleinen Fundevogels ist gewesen, der Bauspielplatz hat geschlossen. Seit der Kleine Fundevogel ein Medikament nimmt, kann er sich in der ersten Tageshälfte ganz passabel regulieren, in der zweiten nicht mehr. Aber am Einschlafen hindert ihn das Zeugs auch in der ersten Nachthälfte noch ganz gewaltig. Die Tage fließen ineinander. Das Liegengebliebene wächst zu imposanten Wällen heran.

Das Ungeschriebene auch. Ich schreibe in winzigsten Portionen einen Text über ein Thema, über das zu schreiben mich schmerzt und heilt zugleich und in noch winzigeren Häppchen an der Etüdenpausensommergeschichte. Die Adventüde mag sich noch nicht materialisieren, braucht noch Zeit.

Von meiner Arbeit habe ich Urlaub. Ein Todesfall dort hat mich tiefer berührt , als es bei professioneller Distanz sein sollte. Die Wucht des Schmerzes und der Verunsicherung hat mich selbst überrascht und an ungewohnte Orte geschubst. Nun ist der Abstand gewonnen und die Gewissheit, dass eine Schuld meinerseits nie existierte, in der Seele angekommen.

Heute haben wir Honig geerntet, der süße, klebrige Höhepunkt jedes Sommers. Der Kleine Fundevogel war zum ersten Male dabei, und er hat es großartig gemacht, ist eine echte Hilfe gewesen. Ein Hoch auch auf die geschätzte Mitimkerin, die nach eigene Worten mit Kindern nichts zu tun hat und dem Kleinen Fundevogel immer mit Geduld, Geschick und Weisheit begegnet.

Darauf gab es ein riesiges Eis.

Die Honigmenge ist in diesem Jahr vergleichsweise kümmerlich, habe aber nichts anderes erwartet, irgendetwas ging da vor in den letzten Wochen. Vielleicht ist die Bienenköngin verstorben und eine neue wurde herangezogen, so etwas passiert manchmal und gehört zum Lauf der Dinge. Süße hüllt unsere Wohnung ein.

Waben, frisch geerntet

Wir leben den größten Teil der Zeit in unserem Garten, genießen das Blühen und Reifen, naschen Himbeeren vom Strauch und legen frische Gurken aufs Brot. Schmerzhaft ist das stete Schwinden zu ertragen. Kommt alle paar Wochen mal ein Tagpfauenauge oder ein Kleiner Fuchs vorbei, ist das schon ein kleineres Fest. Und Igel scheinen unser Quartier inzwischen ganz zu meiden, man sieht nicht einmal überfahrene. Nächtens feiern die Gespenster die Gewissheit auf einem sterbenden Planeten zu leben.

Noch ist Sommer. Also lächele ich jedem Falter und jeder Hummel zu, sauge Blüten-und Honigduft in mich ein als sollte es für ein Leben reichen, lasse das kalte Bachwasser um meine Knöchel spielen und winke den blauen Prachtlibellen zwischen den Beinwellstauden zu. Mauersegler kreischen und am Himmel steht golden der volle Mond.

Haben Sie alle wunderbare Sommertage.

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6 Gedanken zu “Flüchtiger Sommergruß

  1. wildgans Juli 22, 2021 / 11:56 pm

    Noch….Sommer ist noch, es ist wie ein großes NOCH, das über fast allem liegt. Man wird nicht mehr richtig froh. Im Hintergrund befindet sich, ja, wie könnte man es ausdrücken…
    Gruß von Sonja

    Gefällt 2 Personen

    • fundevogelnest Juli 23, 2021 / 11:03 pm

      … das Grauen.
      …die Planetenangst.
      Ja, man wird nicht mehr im tiefsten Herzen froh.
      Auch wenn das ganz und gar traurig und alarmierend ist, freue ich mich,dass es auch andere gibt, die so fühlen.

      Gefällt 1 Person

  2. piri Juli 23, 2021 / 6:36 am

    Da hoffe ich doch sehr, dass euch das liegengebliebene nicht über den Kopf wächst und der Sommer noch eine Weile durchhält.

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    • fundevogelnest Juli 23, 2021 / 10:58 pm

      Das Über- den- Kopf wachsen gedeiht ganz hervorragend. Aber irgendwann brauch ich auch mal Schlaf und eine kleine Schreibpause.
      Hauptsache nichts ganz wichtiges aus den Augen verlieren, der Rest muss warten.

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  3. kommunikatz Juli 23, 2021 / 9:11 am

    Du beherrschst es so wunderbar, auch in flüchtigen Grüßen Stimmungen so einzufangen und festzuhalten, dass sie absolut nachspürbar sind. Vielleicht liegt es daran, dass ich manche der Empfindungen gerade sehr stark teile, auch ohne kleine und große Fundevögel in meinem Umfeld. Aber ja, dieser langsame und zugleich so rasend schnelle Verfall drückt sich in das persönliche Empfinden durch, wenn mensch aufmerksam, wach und – ja, eben empfindsam ist.
    Danke für die wunderbaren Zeilen und das Teilhabendürfen an Deinem Erleben!

    Gefällt 5 Personen

    • fundevogelnest Juli 23, 2021 / 11:01 pm

      Danke für deine Worte, sie tun mir gut.
      Mit den Fundevögeln haben diese Empfindungen auch nicht so viel zu tun, manchmal denke ich es ist ganz gut, dass der Lütte mich so auf Trab hält, sonst würde das Grauen übermächtig.

      Gefällt 1 Person

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