Herr M. (ABC-Etüde)

Damals wohnten noch viele dauerhaft in der Schrebergartenkolonie, Behelfsheime nannte man das. Unser Garten war nur Hobby und ich habe die Kinder in den Behelfsheimen immer beneidet, weil sie sozusagen nie nach Hause mussten.

Am Ende der Kolonie, direkt neben dem Parkplatz wohnte Herr M. mit seinen Kaninchen. Ein kleiner, rundlicher Mann mit einem Dackelfaltengesicht, wie meine Mutter sagte.

Wir liebten die Kaninchen, wir liebten Herrn M. und seine Hütte, in der es fruchtig nach eingelagerten Äpfeln roch

Manche Eltern in der Kolonie waren zu eingesponnen in ihre Sorgen, um die Sorgen ihrer Kinder wahrzunehmen. Herrn Ms freundliche Mahnung Halt die Ohren steif löste keine Probleme, aber seine tiefe Anteilnahme half eben doch.

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Die Verschwörung der Dinge (ABC-Etüde)

Die neue Ärztin, so eine mit einem Zopf, aus dem keine einzige Strähne zippelt, behauptet ich würde dement.

Das ist Blödsinn. Ich war immer so. Von Anfang an haben mir die Dinge den Krieg erklärt.Trotzdem habe ich studiert, im Ausland gearbeitet, eine Tochter großgezogen, Bücher geschrieben, einen Bioladen geführt…

All das ist mir ohne nachhaltige Katastrophen gelungen und ich sage Ihnen, das war ein hartes Stück Arbeit.

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Nach dem Winterschlaf (ABC-Etüde)

Lilly band sie sich ihre Strickjacke um die Hüften, die Märzsonne wärmte. Eben hatten sie und Julian die Bienenstöcke durchgesehen. Alles strotzte vor Honig, die Immen schwankten fast unter der Last der Pollen, die sie an ihren Hinterbeinen heranschleppten.

Und doch fühlte sie sich verwundet, seit sie in den letzten Februartagen fassungslos zugesehen hatten, wie ein Großteil ihrer geliebten Schlehen von einem Trupp Arbeiter abgesägt und in Holzhäckselmaschinen gestopft worden war.

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Der Doktor und sein Äffchen (ABC-Etüde)

Eine Geschichte so oft gehört, dass sie Teil der eigenen Erinnerung wurde. Erst beim Aufschreiben, fallen die Lücken zwischen den vertrauten Wörtern auf.

Der Sohn des Doktors und mein Vater waren Schulfreunde, soviel ist sicher. Wann und warum sie sich aus den Augen verloren, ist kein Teil der Geschichte.

Der Doktor leitete die gynäkologische Abteilung des örtlichen Krankenhauses.

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Monika (ABC-Etüde)

„Sie haben aber eine erhebliche Lücke da in Ihrem Lebenslauf“

„Das war die Zeit, in der ich versucht habe für meine Eltern einen Impftermin zu bekommen.“

Diesen Witz hat mir mein Sohn heute morgen erzählt und ich finde ihn ziemlich gelungen. Meine Mutter ist diesbezüglich relativ selbstständig bzw. möchte meine Hilfe nicht, aber der größte Teil meiner Zeit geht mit irgendetwas den Coronaumständen geschuldetem ins Land.

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Eine Art Nestbeschmutzung (ABC-Etüde)

Nach dem wunderbaren Etüden-Adventskalender, der mir wirklich große Freude bereitet hat, starten die Etüden wieder im „Normalbetrieb“, etwas das ich vom Nest nicht behaupten kann. Keine Schule für den Großen Fundevogel, sondern Digitalunterricht, dem er ohne mich an seiner Seite komplett hilflos ausgeliefert wäre. Keine Kita, kein Bauspielplatz für den Kleinen Fundevogel, der nach jeder fachlichen Einschätzung im Wachzustand Nonstopaufsicht braucht. Fällt da jemanden etwas auf?

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24.12. – Der Coup der Crew | Adventüden

Als letztes Türchen in Christianes Adventskalender war nun meine Geschichte an der Reihe. Damit ist dieses bezaubernde Adventsspiel zu Ende. Vielen Dank, Christiane für die große, große Mühe, die hinter einem so perfekt funktionierenden Adventskalender steckt!

Ich wünsche allen Besucherinnen und Besuchern im Fundevogelnest ein Weihnachtsfest, das auch Ihnen Zuversicht und Klarheit schenkt.

Wer mehr von Sören, dem Elch, lesen will, den oder die lade ich ein sich den vorigen Beitrag anzusehen oder in meinen Weihnachtsgeschichten der früheren Jahre zu stöbern , dort kommen auch Hinnak und Ziegenbart vor.

Die Crew und das Nest sind einander schon lange verbunden.

Irgendwas ist immer

Ziegenbart, Hinnak und Søren standen im Schnee. Hätten sie bei der Müllabfuhr gearbeitet oder im Krankenhaus, hätten sie vermutlich eine miteinander geraucht. Echte Mitglieder der Crew teilten stattdessen Lebkuchen.

»Meint ihr, der Chef zieht das wirklich durch?« Hinnak war der Jüngste, erst knapp zwanzig Jahre dabei.

»Ich weiß nicht, so habe ich ihn noch nie erlebt.« Ziegenbart, ursprünglich vom Stamm der Kellerwaldwichtel, nun aber schon seit 400 Jahren Mitglied der Crew, legte den Kopf auf die Knie. »Ewig schon betont er, niemand müsse brav für Geschenke sein, Mensch sein, Kind sein – das reiche.«

»Aber er hat recht«, warf der Elch mit sanft dröhnender Glockenstimme ein, »die Gletscher schwinden und mit ihnen unser Hauptquartier am Polarkreis. Lange wird die Magische Schlittenfahrt nicht mehr möglich sein… Und was könnte der Chef sonst tun?«

Ziegenbart seufzte. Rentierkrankheiten nahmen zu, wer wusste das besser als er, der Kutscher des Fliegenden Schlittens. »Dennoch…

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Einladung zur Preisverleihung (ABC-Etüde)

In der ersten Coronarunde im Frühjahr waren alle im Krankenhaus in bereit, viel extra zu arbeiten, aber das Krankenhaus verharrte in einem seltsamen Dämmerschlaf.

Nun in der zweiten Welle arbeitet es mehr oder weniger im Normalbetrieb, Coronafälle hat es als Kinderkrankenhaus eher wenig, aber viele, die dort arbeiten sind krank und noch mehr in mehr oder weniger nachzuvollziehender Quarantäne.

Ich jedenfalls habe in den letzten zehn Tagen dort so viel gearbeitet wie seit Einzug des Kleinen Fundevogels nicht mehr. Und bei aller Liebe zu diesem Job an das Aufsehen vor fünf Uhr morgens werde ich mich in diesem Leben nicht mehr gewöhnen.

So bin fast erstaunt, dass doch noch eine Geschichte in der letzten Etüdenrunde des Jahres zu Ulli Gaus schöner Wortspende (siehe Grafik) gewachsen ist.

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Die Frau Vinzenz, ihr Mann und der dicke Ottokar (nachgereichte ABC-Etüde)

Eigentlich hat heute schon die neue Etüdenrunde begonnen, mit ganz wunderbaren Wörtern von Ulli Gau. Doch in meinem Notizbuch dümpelte noch eine zu Kain Schreibers Wortspende (siehe Graphik) herum.

Handschriftlich fast exakt 300 Wörter, sowas sollte man nicht verkommen lassen, auch wenn „heiter“ noch immer nicht so recht gelingen will.

Und ich weiß ja, dass Christiane ein Herz für Nachzüglerinnen hat.

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Der Nöck (ABC-Etüde)

November ist es und ich ernte noch Bohnen und Broccoli. Alles scheint im Wandel zu sein. Ist das gut, ist das schlecht?

Weg mag das bewerten.

Nur gelingen mir keine heiteren Texte zurzeit. Nichts zu machen.

Kain Schreiber danke ich für seine wunderschöne Wortspende (Nachtlicht, teilen, lieblich) zur vorletzten Etüdenrunde des gar seltsamen Jahres 2020.

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