Der russische Osterhase

Damals als sie das Haus auflösten, hätte er den russischen Osterhasen vermutlich einfach mitnehmen dürfen. Aber er hatte überhaupt nicht an ihn gedacht.

Weggeworfen hatten sie kaum etwas, vielleicht hatte der Opa den Hasen in die kleine Wohnung noch mitgenommen, denn er hatte ihm wohl mal viel bedeutet.

Jahrzehnte nach Opas Tod schien der Osterhase verloren. Weder seine Geschwister noch seine Cousinen wussten, was aus ihm geworden war.

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Das Rettungskomittee

Der erste heftige Frühlingsregen fiel im Haselkätzchenmond, das Erdreich trank, wie es lange nicht hatte trinken dürfen und alles Lebendige barst vor Eifer zu wachsen und zu erblühen. Die Au glitzerte breit in der Sonne. Sie war ein wenig über die Ufer getreten und die Enten schwammen um die Erlenstämme herum.

Cardámine, die Fee, war sobald Sturmböen und Schauer nachgelassen hatten, aus ihrem Nest gekrochen und saß nun in der Frühlingssonne, winkte einer geschäftigen Erdhummelkönigin zu, sog den feuchten Duft in sich ein, auch sie unendlich dankbar für soviel Wasser, auf das kein Verlass mehr war.

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Roiboos-Zimt-Orange

Zeit für Weihnachtsgeschichten, aus guten Gründen nur eine aus der Dose.

Aber vielleicht gefällt sie ja trotzdem . Und falls Sie Sören so ins Herz schließen sollten wie ich, verspreche ich es gibt sehr bald ein Wiedersehen.

Nikolas Bergt maß Weihnachten nicht viel Bedeutung bei. Natürlich, als er noch ein Kind gewesen war, hatte ihn das Strahlen des geschmückten Weihnachtsbaumes jedes Jahr überwältigt und die Sorge, dass der Weihnachtsmann die Bestellnummern aus dem Lego-Katalog auf seinem Wunschzettel eventuell nicht richtig entziffern könnte, hatte immer angenehm aufregend gekitzelt.

Das war lange her. Der Weihnachtsmann war niemals jemand anders gewesen als seine Eltern, die ihren Lebensabend nun in der andalusischen Heimat seiner Mutter verbrachten. Da die Flugpreise in der Weihnachtszeit einfach unverschämt waren, verzichtete die Familie vernünftigerweise darauf, sich zu dem Fest zu besuchen, obwohl sie sonst einander sehr zugetan waren.

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Salz der Erde

Kleines zartes Wesen in meinen Arm gelegt, zwanzig Minuten bloß, eine halbe Stunde vielleicht, so lang wie deine Mutter im Sprechzimmer des Arztes verweilen wird.

Dreizehn Tage bist du alt, gerade erst hast du den schmerzhaften Weg aus der warmen Geborgenheit hinter dich gebracht, einen der beiden schmerzlichen Wege, die keinem Menschen erspart bleiben.

Sonst aber bist du unversehrt. In Liebe empfangen, in voll ausgekosteter Sehnsucht erwartet, heil und zur rechten Stunde durch den Geburtskanal gerutscht, auf einer warmen Brust von liebkosenden Händen mütterlich, väterlich willkommen geheißen, mit süßer Milch aus dieser Brust genährt.

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E-Mail — Julian und Cardámine, letzter Teil

Heute kommt der letzte Teil der Geschichte von Julian und der Fee Cardámine und ich hoffe, ich habe keinen Strang zu lösen vergessen, sonst fragen Sie gern.

Und denen, die noch mehr lesen wollen von Frau Fundevogel, empfehle ich mein – feenfreies-Buch Zwischenzeit. Es ist im Buchhandel erhältlich. Wenn Sie es direkt bei mir bestellen, lässt sich über den Preis gern reden.


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Jo arbeitete während der gesamten Sommerferien, von frühmorgens bis mitten in der Nacht. Julian regte sich nicht mehr darüber auf. Er war sogar stolz auf seine Mutter, die in den letzten Wochen fast berühmt geworden war, weil sie sich so unermüdlich für Wiesen und Teiche einsetzte und natürlich, weil sie das weltbekannte Phänomenfoto gemacht hatte. Berühmter war nur der der auf den Fotos zu sehen war: Wolfgang Schröter. Er stieg nur noch selten in Müllcontainer. Den Supermärkten des Viertels war es eine Ehre, dem Retter ihre abgelaufene Ware frei Haus zu liefern. Nichtsdestotrotz waren einige Supermärkte dazu übergegangen Wachmänner auf ihren Hinterhöfen aufzustellen, denn in Containern nach Essbarem zu suchen, war zur coolsten Masche dieses Sommers geworden, wie das „Neue Tageblatt“ in einem langen Artikel verwundert feststellte. Wenn man sie gut kannte, konnte man auf dem unscharfen Schwarz-Weiß-Foto Isabella, Desdemona und den Kameramann mit dem Drachentatoo erkennen. Weiterlesen

Kastenzauber — Julian und Cardámine 65

Nun ist die Geschichte fast zu Ende – aber eine wichtige Sache har Cardámine noch zu erledigen …


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Rund wie die Sonne versank der Mond im Westen. Die vier leuchtenden Sterne des Pegasus prangten am östlichen Himmel. Verführerisch duftete die Nacht, trotzdem schlug ich Anemonas Einladung zum Tanzen aus. Den Weg zu Julians Kobel hätte ich mittlerweile im Schlaf fliegen können. Nur weil ich wusste, dass die Menschen nachts ihre Einfluglöcher versiegeln, bat ich Achillea mich hinzuwünschen und freute mich schon jetzt auf den Rückflug durch die erste warme Himbeermondnacht. Weiterlesen

Julian – Julian und Cardámine 64

Ich mag den Julian so sehr – und in diesem Kapitel bin ich unendlich stolz auf ihn. Mehr innere Größe kann ein Junge seines Alters eigentlich kaum beweisen.


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Am Mittwoch waren die Feenferien – wie Pamina sie getauft hatte – zu Ende. Müde starrte Julian in seine Müslischüssel. Die beste Nachricht war, dass Frau Steffke zur kommissarischen Schulleiterin ernannt worden war. Über das Leiden der Frau Schmidt-Bruhns wurde allerlei gemunkelt. Angeblich wurde sie von der Wahnvorstellung heimgesucht, ihr liefe glitzernder Schleim aus der Hand, mit der sie vor ein paar Tagen einen Schüler der dritten Klasse geschlagen hatte. Dabei hatte sie Dennis gar nicht gehauen, grübelte Julian. Doch Gerüchte hatten bekanntlich ein ganz spezielles Eigenleben. Weiterlesen

Nachtigall — Julian und Cardámine 63

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Die Menschen und der Hund waren schlafen gegangen. Wir waren hellwach und saßen noch lange auf dem breiten Ast mit der ungewohnt hellen Rinde. Ich fühlte mich federleicht und quoll beinahe über vor Freude. Immer wieder strich ich über meinen neuen Zauberstab. Süße Vertrautheit duftete aus dem rötlichen Holz. Weiterlesen

Feentanz — Julian und Cardámine 62

Langsam wird so manches besser. Die Feen tanzen wieder und der Kleine Fundevogel ist in der Kita zwar noch immer nicht erwünscht – aber der Bauspielplatz hat zumindest für sechs Kinder gleichzeitig wieder offen. Zwei Stunden am hellichten Tage ohne jede Verantwortung – meine Ohren klingen noch immer von dieser Stille und der Kleine Fundevogel schläft angefüllt mit Seligkeit. Weiterlesen

Vergoldet — Julian und Cardámine 61

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Ohne weitere Worte verließen Achillea und Filipendula das Festmahl. Waren sie beleidigt, weil der Junge Dennis und der Mann Frank sich vor unseren Tränken ekelten?

Matricaria hatte zum Abschied prophezeit, wir würden uns schneller mit unseren Menschennachbarn entzweien, als ein Kaninchen blinzeln kann. Ich hatte abgewinkt, aber die Sorge war gesät. Weiterlesen