Freuden des Gärtnerns (nachgereichte ABC-Etüde)

Drei Tage die Woche geht der Kleine Fundevogel nun zur Kita, das heißt eigentlich geht er in den Park, aber zusammen mit den Erzieherinnen und einem Teil der Kita-Kinder. Andere werden in der Kita betreut und durch verschiedene Eingänge, die mir noch nie aufgefallen waren, zu ungewöhnlichen Zeiten hereingeschleut. Abenteuerkita. Dem Kleinen Fundevogel gefällt es.

In den freien Stunden versuche ich ein wenig das angestaute Chaos zu entwirren, mit mäßigem Erfolg. Weiterlesen

Kein Sonnenuntergang (ABC-Etüden-Fundstück)

Mein Laptop ist wieder bei mir, mit einer neuen Festplatte, die im Gegensatz zur alten funktioniert, aber leider weitgehend nackedei ist.

Also suche ich meine alten Texte zusammen, die auf einer bunten Mischung Speichermedien überdauerten (bei der Behördenkorrespondenz habe ich diese Voraussicht sträflich vernachlässigt), wühle knietief im Wust dessen, was mir vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren durch den Kopf ging, kann nicht lassen von den alten Texten, komme deswegen nicht dazu neue zu schreiben und finde eine quasi fertige Etüde zu Corlys sanfter Wörterspende – Sonnenuntergang, fliegen, warm – geschrieben 1998, nur ein einziges Wörtchen musste ich ändern. Weiterlesen

Zagetage

Zagetage
sind Tage,
an denen ich 
Licht nicht ertrage, beim Kämmen versage, Rutschendes trage.
Klarheit nicht wage, lieber nicht frage, Flaches nur sage, keine Frage vertrage, alles bleibt vage. Zagetage sind Tage, an denen ich Witze erschlage, Lächeln zernage, Kränkungen jage, jede Lage beklage.
Eine Plage ist die Gemengelage am Zagetage.
Im Gebüsch wispert vage die Zagetagesage, bis ich mir sage ohne Frage solche Tage die gehen vorbei.

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Enge (ABC-Etüde)

Ein Text basierend auf Notizen, geschrieben vor einer Woche in einem Kinderkrankenhausbett, über der schönen Wörterspende von Donka von Only bats can hang sinnierend, ohne was Vernünftiges zustande bekommend, dauernd den Kleinen Fundevogel aus der Infusionsleitung heddernd.

Inzwischen ist der Spuk so vorbotenlos vorübergegangen, wie er vor knapp drei Wochen über uns herfiel. Was wirklich war, verbleibt im Ungefähren. Der Kleine Fundevogel ist wieder der, der er immer war. Meine Seele hinkt noch etwas hinterher, das wird schon vergehen.

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Neujahrsmorgen

Apfelsinensonne
rollt durch 
Himmelsgrau 

wer hören kann, 
vernimmt
das Januarblau 

Rotkehlchen 
pickt zwischen 
Böllerresten 

bettverkrümmt
erholen Nachbarn sich 
von Festen 

voll Umsicht
Fuß und Wort 
gesetzt 

das neue Jahr
ist doch noch
unverletzt 

Allen, die auf ihrem lesenden Neujahrsspaziergang am Nest  vorbeikommen, winke ich fröhlich zu, wünsche Euch und Ihnen Begegnungen voller Umsicht, möglichst viele muntere Rotkehlchen am Wegesrand und dass uns allen die Wörter niemals ausgehen werden.

Alle Schreibenden und Lesenden in der Umgebung des Fundevogelnests bereichern mein Leben so ungemein, geben selbst den Tagen Glanz, an deren Ende ich mich am liebsten jammernd verkriechen möchte.
Zeit für einen Dank aus tiefstem Herzen.

Eure und Ihre Frau Fundevogel

Sterngeboren

 

 

Sterngeboren

wurden wir

in die Sphäre des Planeten

verschlagen.

 

Unendlich einsam

fielen wir

Versteinerungen gleich

durch das All.

 

Fast erfroren

landeten wir

in den Armen

einer fremden Frau

die Heimat bot.

 

Ewig fremd

suchen wir

Verständigung

mit Blumen, Vögeln, Seen

und schaurig schnatternden Menschen.

 

Heimwehkrank

trinken wir

das Wasser der Seen

die Milch der Frau,

buchstabieren uns stockend durch die Zeichen der Menschen

und erlangen so

Bürgerrecht auf diesem Planeten.

 

Liebevoll und verzweifelt

kämpfen wir

im interstellaren Asyl

für die Klarheit der Seen,

die Rechte der Frauen

und die Freiheit, Zeichen zu setzen.

 

Immer

werden wir uns

nach der Sternenheimat

verzehren

und Gefährtinnen suchen

die wie wir

Lichtjahre gefallen sind.

 

Dieses Gedicht habe ich mir vor Jahren selbst zum Geburtstag geschenkt. Nun feiere ich mit ihm das einwöchige Bestehen dieses Blogs in den unendlichen Weiten des Internets.