Für Ulli Gaus Alltagsprojekt: Aus dem Nestalltag (4)

Wie zu Beginn eines jeden Monats interessiert sich Ulli Gau vom wunderbaren Café Weltenall für unseren Alltag.

Wer dem Link folgt, wird einen ganzen Strauß unterschiedlichster Alltage finden!

Vielen Dank für dieses inspirierende Projekt! Weiterlesen

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Mauerseglertag

Endlich ist sie da, die erste grazile halbmondförmige Silhouette vor lila Regenwolken. Erhaben kreisend über dem normalen Elster-Meisen-Ringeltaubenverkehr, der sich in der Höhe unseres Zuhauses zwischen den Baumkronen abspielt. Wie kleines Gewusel müssen wir von ihrer Höhe aus wirken. Kühn segelnd, Kinder der Lüfte, die beim Fliegen schlafen und sich im Flug paaren können, Körper gewordene Eleganz.

Keinen Mauersegler wird interessieren, dass sein bloßer Anblick für mich reines Glück ist. Jahr für Jahr fange ich spätestens am 29.April, meinem Geburtstag, an in die Luft zu starren, da muss doch irgendwo … Noch bin ich gegen keinen Laternenpfahl gerannt, aber ein bisschen komisch sieht sie bestimmt aus, dieses Frau, die da in der Luft nach irgendetwas sucht, als hätte sie es verloren. Weiterlesen

Nächtliches Intermezzo

In der Stunde, in der der Schutzmantel der Seele am durchlässigsten ist, in der Stunde der Nachtgespenster, werde ich wach. Durchs geöffnete Fenster faucht der Wind, die Baumkronen, die unser Zuhause im zweiten Stock so wundervoll umkränzen, sind in ächzender Aufruhr.

Hat mich das geweckt? Oder waren es die zwei eisekalten Füßchen, die sich unter mein Nachthemd schieben, die ebenso klammen Händchen, die sich um meinen Nacken legen?

Was ist das?, fragt ein banges Stimmchen.

Und ich antworte, was Eltern seit Menschengedenken ihren Kindern antworten, wenn sie wach werden, in den Stunden, in denen die Gespenster unterwegs sind: Es ist nichts, es ist nur der Wind. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Und hör mal: Es regnet. Weiterlesen

Österliches

Aus diesen und jenen Gründen und vor allem weil nicht abgeschlossen war (Kinder, die glauben erwachsen zu sein, grmpf) bin ich nach abgesandter Etüde mitten in der Osternacht zum Schrebergarten gelaufen. Einmal angekommen und die nötigen Handgriffe erledigt, konnte ich natürlich nicht widerstehen mit der Taschenlampe übers Grundstück zu streiche: Kein Igel, keine Kröte, kein Frosch. Schade. Doch haben sie schließlich keinen Vertrag mit mir.

An den Bienenstöcken dagegen , wo ich wirklich nichts und niemanden erwartet hatte, herrschte ein sommerliches Treiben wie im Schanzenviertel (ein beliebtes Partyviertel hier in der Stadt). Weiterlesen

Für Ulli Gaus Alltags-Projekt: Aus dem Nestalltag (3)

Das spannende Projekt „Alltag“ wird fortgesetzt. Wieder ist bei Ulli Gau im Café Weltenall ein buntes Kaleidoskop von Texten eingetrudelt, die zeigen, wie verschieden Alltag doch sein kann.

Auch ich setze meine Nestalltagsreihe gern fort.

Weil hier letze Woche alle krank waren, ich dieses Wochenende arbeiten muss und die Fundevogelkonfirmation am nächsten Wochenende ihre Schatten voraus wirft, habe ich es mir diesmal einfach gemacht und auf einen alten Text von mir zurückgegriffen. Er erschien erstmalig  im 2.Quartal 2016 unter dem – wie ich fand – nicht sehr gelungenen Titel Hausbesuch von der Großfamilie im Hamburger Blickpunkt Pflegekinder, für den ich manchmal ehrenamtlich schreibe, ich habe ihn leicht überarbeitet. Weiterlesen

Ein Versuch dem Gesundheitssystem Kosten zu ersparen

Es ist bekannt und Thema unendlich vieler verzweifelter Texte, wie zermürbend es sein kann, dringend benötigte Therapien oder Hilfsmittel zu bekommen.

Die Kosten! Die raren Plätze! Und noch einmal die Kosten.

Also dachte ich, man würde mich mit großem Wohlwollen, wenn nicht mit Beifall empfangen, wenn ich eine Therapie, genauer gesagt die Therapie meines Kindes, beenden möchte. Therapieplatz frei! Kosten gespart! Halleluja!

Auf jeden Fall habe ich es mir ganz unkompliziert vorgestellt.

Und habe mich mal wieder ziemlich geirrt. Weiterlesen

Zweierlei Plastikmaß

Mittwoch nun ist Markttag. Und immer wieder mittwochs wird mir bewusst, wie gut ich es habe mir und meinen Kindern nach Herzenslust Essen kaufen zu können, Essen, das uns gut tut, Leib und Seele nährt.

So ungern ich sonst einkaufe, mit den mir inzwischen so vertrauten Maktleuten schwatze ich gern. Kohlrabiblätter und Möhrengrün für das Hühnervolk gibt es gratis dazu, manchmal auch einen nicht mehr verkäuflichen Salat. Weiterlesen

Denken an N.

Vielleicht liegt es daran, dass gerade mein zweites Kind volljährig geworden ist, jedenfalls laufen meine Gedanken in schlaflosen Nächten kindheitenweit zurück.

Vielleicht werde ich auch einfach nur selbst alt.

Den größten Teil meiner eigenen Kindheit verbrachte ich einer Reihenhaussiedlung, Reihe um Reihe stand ins ehemalige Feld gebaut und jedes Scheibchen Haus mit Gärtchen war wie das andere. Das hatte den Vorteil, dass Nachbarskinder nie irgendwo fragen mussten, wo denn bitte das Klo sei. Manchmal war es auch verwirrend, denn es konnte sein, dass da, wo das Kinderzimmer hingehörte überraschenderweise das Elternschlafzimmer lag. Weiterlesen

Denken an D.

Seit ein paar Tagen muss ich wieder an D. denken. Unsere letzte Begegnung liegt an die 40 Jahre zurück und ich hätte ich ihn gern längst vergessen.

D. war eine Pestilenz, ein Quälgeist, eine wandelnde Demütigung.

Ich kann nicht mehr richtig klein gewesen sein, denn der Weg, auf dem er mir auflauerte, war nicht der von der Grundschule, sondern der vom Gymnasium.

Ich war klein, sehr klein für mein Alter, das Adjektiv zart traf damals in fast jeder seiner Bedeutungen auf mich zu, allerdings nicht zart wie ein graziles Reh, eher unbeholfen. D. war fast einen Kopf kleiner als ich, ziemlich kompakt und vermutlich ein paar Jahre jünger. Weiterlesen

Wie der Januar roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Der Februar ist schon eine Woche alt und ich hoffe das Fräulein Read On sieht es mir nach, wenn ich erst jetzt dazu komme meinen Beitrag zu ihrer monatlichen Gerüchesammlung zu verfassen.

Fräulein Read On hat ihren Schnupperjahreskreis im Januar vollendet, so erscheint dieses mir lieb gewordene Format zum letzten Male. Weiterlesen