Brilles Abwege

Am Samstagmorgen nun ist Brille weg, irgendwie zwischen gemütlichem Wochenendmorgenvorlesen und Aufstehen verschwunden. Das ist nicht besonders aufregend, Brille ist die geborene Abenteurerin. Solange wir wissen, wo Ersatzbrille ist, die zwar veraltet und nicht optimal ist, aber den Kleinen Fundevogel vor Kollisionen mit dem Türrahmen bewahrt – das passiert wirklich – , ist alles gut. Ich schüttel ein bisschen am Bettzeug herum und schlüpfe für alle Fälle in einen Gummihandschuh, nein in den Abflussrohren der Toiletten ist Brille dieses Mal nicht gelandet und wenn doch, ist es schon zu spät.

Meistens taucht Brille so unvermutet wieder auf, wie sie verschwindet, bevorzugt an Plätzen, an denen man schon dreimal nach ihr gesucht hat.

Sonntagmorgen genießen der Kleine Fundevogel, Ersatzbrille und ich wieder das vorlesende Faulenzerglück, bis mir plötzlich etwas einfällt.

Fundevogel, sage ich, Brille muss wieder her, wir haben morgen einen Termin beim Augenarzt.
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Im Regen

Rundum warm war die Weihnachtslesung im Café Mehlbeere, angenehm geheizt und vor allem menschlich warm. Es brannte kein Feuer, aber es fühlte sich an, als säßen wir um eines herum. Vor der Lesung Geschichten und Erinnerungen ausgetauscht mit den befreundeten Damen des Cafés, gelacht und nachdenklich gewesen. Die Lesung selbst hat gefallen, das oberste Gebot du darfst dein Publikum nicht langweilen, scheine ich erfüllt zu haben.

Auf dem Weg zum Zuge peitschten uns eisige Böen genau entgegen, es regnete mit einer Macht, die gefühlt irgendwo zwischen echt norddeutschem Schietwedder und Apokalypse lag, die Herzensfreundin gab ihrem Rollstuhl die Sporen, der Große Fundevogel und ich rannten, nichtsdestotrotz klatschten hinterher drei Jeans eiskalt an den Beinen ihrer schlotternden Besitzerinnen.

Ein einzelner Mensch stand auf dem Bahnsteig und fragte, wann denn der Zug nach Kiel käme.

Nach Kiel? Im Leben fährt hier kein Zug nach Kiel, aber in ein paar Minuten kommt hier ein Zug nach Lübeck, da können Sie umsteigen. Weiterlesen

Wie der November roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Wieder beschreibt und sammelt das bezaubernde Fräulein Read On Geruchseindrücke des vergangenen Monats.

Am besten lesen und schnuppern Sie dort selbst.

Und so roch es hier:

Der November riecht nach geschlossenen Fenstern, nach Heizung riecht er und der ungelöstenFrage, wieviel Heizung ist für das Klima zuviel, wie wenig für die Bewohner zuwenig? Weiterlesen

Novemberleuchten

Die Sonne ist mit ihrem dünnsten Wolkenschleier angetan. Zerstäubt wie Mehl aus einem großen Sieb rieselt das Licht auf Fluss, Sträucher und Weg.

Gelb ist der Weg, so gelb wie ein Kind die Sonne malen würde. Sonnengelb ist der Weg, auf dem das Kind, das nie eine Sonne malt, auf einem gelben Fahrrad fährt. Weich ist der Weg unter dem Kind und er leuchtet. Leuchtet sonnengelb. Sanft fallen gelbe Blätter durch zerstreutes Licht, machen noch weicher den laubgelben Weg. Machen frei den Blick durch die Zweige. Weiterlesen

Wie der Oktober roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Das geschätzte Fräulein ReadOn führt ihre wunderbare Suche nach Gerüchen weiter. Schon ist auf ihrer Seite wieder ein wahres Zauberkästchen zum Schnuppern und Festlesen zusammengetragen worden. Weil es hier in den ersten Novembertagen nach der Salzlösung im rauschenden Inhaliergerät, nach dem Salbei, der meine Halsschmerzen tatsächlich fortnehmen konnte und dem Schnupfenatem eines kleinen Kindes roch, kommt mein Beitrag erst jetzt. Weiterlesen

Versüßen

Jeden Oktober rollt von der Kirchengemeinde, der der Student der Geowissenschaften einen großen Teil seiner Zeit und Energie widmet, ein Vierzigtonner nach Rumänien. Eine Partnergemeinde gibt es dort, einen Ort an dem viele Familien in großer Armut leben. Roma auch, die sich in einer rassistischen Gesellschaft fast tot arbeiten könnten, ohne je ein Einkommen zu erwirtschaften, das diesen Namen verdiente. Weiterlesen

Fahrstuhlgeschichten

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Der Vierjährige verzückt mich ganz ungemein, wenn er beharrlich nach Worten fischend, über Silben stolpernd von Glees erzählt. Nach Glees reist man im Gleeszug, der hat keine Sitze, sondern nur Schiebetüren, ganz viele Schiebetüren. Und massenhaft Klos gibt es in diesem Zug, alle mit Schiebetüren natürlich.

Glees selbst liegt am Strand und man schläft in Hochbetten. Vor allem aber gibt es in Glees Fahrstühle, viele Fahrstühle, die nie kaputt gehen und mit denen man jederzeit fahren darf, denn jede anständige Utopie beinhaltet Kritik an den herrschenden Verhältnissen und in denen fordert die Macht, wenn sie sich in einem Gebäude mit Fahrstuhl befindet, die Dinge zu tun, wegen derer sie das Gebäude mit dem Fahrstuhl aufgesucht hat. Weiterlesen