Pfützen (ABC-Etüde, Sommeredition)

Die Goldruten blühen, die Hühner mausern und wenn morgens der Wecker klingelt, müssen wir das Licht einschalten. Der Sommer ist zum Spätsommer geworden und es ist höchste Zeit die Sommerextraetüde in die virtuelle Welt zu entlassen. Sie ist nicht auf den letzten Drücker geschrieben, sondern begleitete mich die ganze Zeit wie ein mäandrierendes, verklausuliertes Tagebuch meines Sommers, auch wenn ich nichts aus der Geschichte erlebt habe, die Personen frei erfunden sind und ich noch lange nicht Großmutter bin.

Die Geschichte durfte so lang sein wie sie wollte und wurde in den letzten Tagen von übermäßig ausschweifend auf knapp achtfache Etüdenlänge zusammengekürzt.

Mindestens sieben der in der Graphik unten aufgelisteten Wörter mussten darin vorkommen, zehn sind es geworden, das Eigentor und das Wetterleuchten erlitten im Rahmen der Kürzung Platzverweise.

Und ein Gewässer musste vorkommen, ein real existierendes. Heikel wie eine Diva sah sich die Geschichte um, wo wir zu Fuß, per Fahrrad, Kanu oder Tretboot unsere Sommertage verbrachten: an der Berner Au, wo unser Garten liegt, auf der Außenalster, dem Kuhmühlenteich, am Oberlauf der Alster, an der Beste, der Trave und da wo die Pfingstbeek in die Ostsee mündet.

Siegerin war schließlich die Bille.

Meine Heimatstadt Hamburg liegt ja „an’ne Elbe, an’ne Alster, an’ne Bill'“, wobei die letztere die unbekannteste unter ihnen ist. Die Bille ist ein 65 km langer nördlicher Zufluß der Elbe. Sie entspringt bei Lienau in der Nähe von Trittau und durchfließt große Teile des Sachsenwaldes. Bei Reinbek ist sie zum Mühlteich aufgestaut, an dessen Ufer liegt ein Schloss, in Hamburg wird sie von vielen Brücken gequert, die wie in einem Kinderbuch Blaue Brücke, Rote Brücke, Braune Brücke …. heißen. Mitten in einem Industriegebiet mündet sie in Rothenburgsort bei der Brandeshofer Schleuse in die Elbe. Dort ist sie nur noch Industriekanal, aber im Sachsenwald fließt sie wild und unreguliert durch die Grundmoränen. Wir sind von Grande nach Aumühle am Fluß entlang gelaufen, die ganze Zeit durch den Wald. Eine Wanderung, die ich jeder und jedem ans Herz lege. In Aumühle gibt es dann bei Bedarf reichlich – ich glaube ziemlich teure – Restaurants und eine S-Bahnstation.

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Leerdrehende Glucke

364 Tage ist es nun her, dass ich diesen Blogbeitrag zum sechsten Fundevogelgeburtstag verfasst habe, nun steht wieder ein Kuchen im Ofen und ich warte händeringend auf ein Paket, das morgen gerne im Geschenkpapierkleid auf dem Frühstückstisch stehen dürfte. Corona ist nichts Besonderes mehr und meinen geschätzten Lesenden wird nicht entgangen sein, wie müde die Frau Fundevogel in diesem Jahr geworden ist.

Wie sie kämpft, um menschlich zu bleiben, nicht zu verdriften in einem Strudel aus Nörgelei und lasst micht doch alle in Ruhe.

Der Kleine Fundvogel und ich haben in diesem Jahr drei Hochbeete gemeinsam gebaut, ein Viertel Gartenhaus abgeschliffen und neu gestrichen, wir sind nach Nütschau gewandert, nach Ahrensburg, Großensee und Tremsbüttel und mehrfach nach Hamburg-Barmbe, mehrere spannende Kilometer an der U-Bahn lang. Im Naturschutzgebiet Höltigbaum werden wir uns nie wieder verirren. Wir haben die gesamte „Sams“-Reihe und viele andere Bücher gelesen. Er kann seit der Große Fundevogel für die Prüfungen lernen muss, jeden Tag meht Englisch und wie ein gelernter Kellner Teller einsetzen und ausheben – so heißt Tisch auf- und abdecken, wenn man das studiert. Auch ich lerne dazu.

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Fremde Federn 4 – und impflich Befindliches

„Man soll sich mit fremden Federn schmücken, solange man welche hat“, steht auf einem Kühlschrankmagneten.

Dieser Text enthält Links zu Websites, denen ich vertraue. Dass auch dort Daten von Ihnen gespeichert werden, ist Ihnen sicherlich bewusst.

Vorweg, weil ich jetzt so oft gefragt worden bin: Ich habe Anfang der Woche meine erste Coronaimpfung bekommen, bei meinem Arbeitgeber, nicht in einem Impfzentrum. Es war eine Impfung wie jede andere auch, desinfizieren, pieken, Pflaster drauf, nur vorher noch fünf Seiten Aufklärung lesen, ausfüllen und unterschreiben. Hinterher habe ich mich zwei Tage lang gefühlt, als ob ich jetzt gleich krank würde, aber nun scheint der Körper damit durch zu sein.

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3. Mai 2020 (ABC-Etüde, Sommeredition)

Sommer ist es, diesmal wieder mit Regentagen, besänftigend ist das und den Schnecken leider ein Jubelfest.

Keine vertrauten 300-Wörter-Etüden derzeit.

Stattdessen lädt Christiane zur Sommergeschichte ohne Limit, dafür mit mindestens sieben aus zwölf kunterbunt zusammengespendeten Wörtern, die auf der ebenfalls von Christiane gestaltetet Graphik zu finden sind, die von mir rausgepickten habe ich nicht „gefettet“, wie Olpo so schön sagt, weil mich das immer beim Lesen irritiert. Und ein Ort auf Erden sollte darin erkennbar sein, es wurden mehrere. Weiterlesen

Feentanz — Julian und Cardámine 62

Langsam wird so manches besser. Die Feen tanzen wieder und der Kleine Fundevogel ist in der Kita zwar noch immer nicht erwünscht – aber der Bauspielplatz hat zumindest für sechs Kinder gleichzeitig wieder offen. Zwei Stunden am hellichten Tage ohne jede Verantwortung – meine Ohren klingen noch immer von dieser Stille und der Kleine Fundevogel schläft angefüllt mit Seligkeit. Weiterlesen

Proviant — Julian und Cardámine 56

„Wir sollten nachsichtig miteinander sein, das Leben ist beschissen genug“, mit dem Satz habe ich heute eine Kollegin verärgert, die von mir wollte, dass ich Patienteneltern wegen irgendwelcher auch sie nicht ganz überzeugenden Coronavorschriften diszipliniere.

Mit dem Satz im Herzen habe ich eben die verbalen Ausfälle des Großen Fundevogels ohne eigenen Wutanfall überlebt, wenn auch die dringend abzugebenden Hausaufgaben immer noch nicht erledigt sind.

Wir brauchen alle viel Nachsicht in dieser zermürbenden Zeit, sogar jene die in ihrer Sorge und ihrem Regelungswahn vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu weit gegangen sind.

Das Leben ist nämlich beschissen genug. Weiterlesen

Morgen früh um vier (ABC-Etüde)

Letzte Etüdenrunde musste ich passen, ich hatte zwar eine Etüde im Kopf, aber keine Ruhe sie aufzuschreiben, deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, die Wortspenden von Frau Myriade( Teppich, gläsern, flattern) und Herrn Olpo Olponator (Katamaran, totschweigen, großspurig) in einer einzigen Etüde zu verarbeiten, ich hoffe die beiden sehen mir das nach.

Nachdem es anlässlich einer anderen Etüde bereits zu Missverständnissen kam, betone ich ausdrücklich: Die in dem Text vertretene Meinung zu den Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist NICHT meine eigene, wiewohl eine, mit der ich mehrmals täglich konfrontiert bin, wenn auch mit deutlich anderer Wortwahl. Und ich habe keine Schuppentür vernagelt, nicht mal in Gedanken. Weiterlesen

Altfrau — Julian und Cardámine 42

Die Welt am Ende der Welt“, „Der Alte,  der Liebesromane las“ und natürlich die kleine verwaiste Möwe Afortunada, die der Kater Zorbas in Hamburg-St.Pauli das Fliegen lehrt: Luis Sepúlveda verwebte in seinen Romanen Spannung und Apelle  für Umweltschutz und Menschenrechte mit Spannung auf geradezu magische Art genausogut konnte er scharfsinnige und gut lesbare Artikel zu Themen wie Privatisierung verfassen.

Im April ist er nach einem überaus abenteuerlichen Leben an den Folgen einer Coronainfektion in Spanien gestorben. Weiterlesen

Verglühen — Julian und Cardámine

Bei uns im Keller scheint sich eine Art Undergroundfitnessstudio etabliert zu haben. Junge Männer schwitzen und stöhnen, wenn einer von ihnen coronainfiziert sein sollte, wird der Austausch in der dumpfen Kellerluft wohl problemlos gelingen.

Auf die Frage warum sie nicht lieber an die frische Luft gehen, kommt unschlüssiges Gemurmel.

Überall bröckelt die Pandemiedisziplin, Großfamilien wie sie zurzeit durchs Naturschutzgebiet walzen gibt es in Deutschland nicht in dieser Zahl, „mal ausnahmsweise kurz diesen oder jenen besucht“, wird zum immer häufiger gehörten Satz.

Auch wenn ich manches für ziemlich bekloppt halte, zur Denunziantin tauge ich einfach nicht.

Und der Große Fundevogel zerrt am heftigsten an der Leine. Weiterlesen

Autofahrt — Julian und Cardámine 30

Der Kleine Fundevogel ist großer Pippi-Langstrumpf-Fan und ein Sachensucher ersten Ranges. Fünf kaputte Staubsauger stapeln sich in unserem Schrebergarten, zwei schrottreife Puppenwagen, ein ebenso schrottreifer Fahrradanhänger, ein Koffer und das ist noch längst nicht alles. Heute brachte er voller Stolz einen offensichtlich benutzten Mundschutz, „kann ich gut gebrauchen, dann habe ich zwei“, — aaaargghh — ich finde ja 150 Euro Strafe für das Verweigern eines Mundschutz im öffentlichen Raum arg überzogen, zumal die Wirksamkeit ja überschaubar ist, aber für das nachlässige Entsorgen vollgerotzten Mundschutzes im öffentlichen Raum fände ich 1500 Euro Strafe gerade mal genug. Über diese Infektionsquelle hat sich wohl niemand so recht Gedanken gemacht.

So das musste einfach raus, nun zu Filipendula auf ganz besonderer Mission:

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