Der Landvermesser (ABC-Etüde)

Und schon sind die Herbstferien da. Der Kleine Fundevogel, der zufällig gerade mal nicht hustet, geht in die Kita und der Große Fundevogel und ich haben Zeit füreinander und uns vorgenommen, wenigstens eine Wand der Gartenlaube zu streichen.

Doch heute war das nichts, es hat geschüttet wie aus Kübeln. Endlich! Ich konnte mich gar nicht satthören am Geprassel. Und während der Große Fundevogel so eine Art Herbstschläfchen hielt, schlich hier ein ungewöhnlicher Landvermesser vorbei.

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26.April 1986

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Gedenkstein am Atomkraftwerk Brokdorf

aufgestellt von den Basisgemeinenden Schulau und Wulfshagenerhütten und offensichtlich von allen respektiert


Ich will diesen Tag nicht vergessen.

Mich erinnern, in diesem Jahr nicht in der Gemeinschaft am Atomkraftwerk am Elbdeich, diesem verqueren Sehnsuchtsort, sondern in einem Frühjahr, das ohne Traditionen überstanden werden muss. Wieder aus dem Rhythmus des Jahres gefallen, wieder Angst vor einer unsichtbaren Gefahr, ein bisschen wie damals und doch ganz anders. Weiterlesen

Kein Sonnenuntergang (ABC-Etüden-Fundstück)

Mein Laptop ist wieder bei mir, mit einer neuen Festplatte, die im Gegensatz zur alten funktioniert, aber leider weitgehend nackedei ist.

Also suche ich meine alten Texte zusammen, die auf einer bunten Mischung Speichermedien überdauerten (bei der Behördenkorrespondenz habe ich diese Voraussicht sträflich vernachlässigt), wühle knietief im Wust dessen, was mir vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren durch den Kopf ging, kann nicht lassen von den alten Texten, komme deswegen nicht dazu neue zu schreiben und finde eine quasi fertige Etüde zu Corlys sanfter Wörterspende – Sonnenuntergang, fliegen, warm – geschrieben 1998, nur ein einziges Wörtchen musste ich ändern. Weiterlesen

Wo warst du?

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Fragen sie sich gegenseitig in diesen Tagen. Sie wissen schon an diesem Tag, in dieser Nacht vor dreißig Jahren, als wieder einmal bewiesen wurde, dass keine Mauer ewig steht.

Also ich war im KZ.

Natürlich nicht als Häftling, durchaus freiwillig war ich da, an diesem grausigen Ort in den Hamburger Vier-und Marschlanden, in der Klinkerhalle des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme, dem einzigen Konzentrationslager, das nicht durch allierte Truppen befreit, sondern quasi leergeräumt übergeben wurde. Die meisten skandinavischen Insassen wurden auf Bestreben des Grafen Bernadotte nach Schweden übergeben, die anderen aber wurde auf Todesmärsche nach Bergen-Belsen oder sonstwohin geschickt, tausende auf den Schiffen Cap Arcona und Thielbek zusammengepfercht, die schließlich am dritten Mai 1945 bei einem britischen Luftanfgriff in der Neustädter Bucht versenkt wurden. Weiterlesen

Allerseelen

Es begab sich an Allerseelen …, ich  könnte jetzt gar kein Beispiel nennen für so eine Geschichte, aber es gibt einige und als Kind habe bei diesem stahlblauen Wort mit zartgraulichten Tupfen immer wohligen Schauer empfunden. Ich wusste, das ist irgendwas katholisches, da unten im Süden, aber weder wann es im Jahreskreis stattfindet noch was und wie gefeiert wird.

Beim wann? half bald ein Kalender und zweiter November, das hat auch so ein hübsches Blau mit Brauntönen dazu. Weiterlesen

Junikind — die Liebeserklärung, die noch fehlte

Die Fundevögel, der Große und der Kleine, haben diesem Blog seinen Namen gegeben.

Doch im Nest lebt noch ein sehr Geliebter, einer, der lang schon kein Kind mehr ist und doch mein Baby war, das ich Ende des letzten Jahrhunderts an einem Mittwoch noch Pfingsten gebar (nun ja, mir mühsam entrissen wurde, aber das erspare ich Ihnen).

Die Erinnerung versteht vieles zu retouchieren, mit Weichzeichnern und entzückenden kleinen Ornamenten zu versehen, da soll man sich nichts vormachen, heißt es mahnend.

Ja, ich weiß.

Es gab in der ersten Zeit mit Kind auch einiges an Tränen, Zweifeln und  Verwerfungen, nicht zuletzt mit dem Mann, ohne den es dieses Kind nie gegeben hätte.

Geblieben, im Herzen spürbar geblieben, ist die Erinnerung an das Glück der ersten Jahre, vielleicht auch das ein Grund, dass ich mich seit jeher schwer tue, mich für die Bedürfnisse von Alleinerziehenden zu engagieren oder wenigstens so zu interessieren, wie es für eine dreifache alleinerziehende Mutter naheliegend wäre. Weiterlesen

Der Sog

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Viel ist in den letzten zwei Wochen über das Fräulein Read On geschrieben worden, über die Bloggerin, der überzeugend vorgeworfen wird, sich eine jüdische Familiengeschichte und einiges anderes zusammengesponnen und als authentisch verkauft zu haben, bis hin zum Einreichen biographischer Angaben über erfundene und angeblich in Vernichtungslagern ermordete Familienmitglieder bei der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

Sie lässt mich nicht los, aber ich werde diese Geschichte nicht noch einmal wiederkäuen. Sie ist im Netz vielfach verfügbar, einschließlich reichlicher Empörung, es-schon-immer gewusst haben (ich nicht!) und vieler Versuche das irgendwie doch sehr Erschütternde einzuordnen, Lehren daraus zu ziehen und der ratlosen Frage, was um Himmels Willen attraktiv daran sein könnte, als Nachfahrin von Holocaustopfern wahrgenommen zu werden.

(besonders nachdrücklich fand ich diesen Text)

(und sehr behutsam und liebevoll jenen) Weiterlesen

Eine bürgerliche Frau des 20.Jahrhunderts (ABC-Etüde)

Die Wörterspende dieser Etüdenrunde ist etwas Besonderes, dergl gab ihren Spendenaufruf weiter an drei Personen. Das Team dergl spendete:

Malkasten

torpedieren

gleitend

Die ungewöhnliche Kombination von Malkasten und torpedieren brachte bei mir sofort etwas zum Klingen, ließ mich aber zögern, denn es ist immer so eine Sache über jemanden zu schreiben, den es wirklich gibt oder gab, zumindest wenn der Text keine Hommage ist. Daher betone ich: Dies‘ sind meine Erinnerungen und Interpretationen, nicht mehr und nicht weniger, wie sie hieß, wo das Dorf und die kleine Stadt liegen und woher ich sie kannte, ist unwichtig für den Text.

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