Geheime Künste (ABC-Etüde)

Jajaja, genau daher komm‘ ich, da, wo sie jetzt alle von reden, wo plötzlich Blumen in Strandkörben blühen, richtig echte Blumen, glaubste kaum, mit den Wurzeln im Plastik und ohne Wasser, haste bestimmt im Fernsehen gesehen oder im Internet.

Und echt, der Duft haut dich um, schade eigentlich, den können sie im Fernsehen nicht zeigen.

Und soll ich dir mal was sagen? Diese Strandkörbe, die habe ich aufgestellt, mache ich seit Jahren.

Verdammt anstrengend, kann ich dir sagen, im Oktober rein, im April raus, wer da nicht Rücken kriegt. Und letztes Jahr wars fast umsonst, erst Corona, dann dieses Schietwetter, und nu‘ hamse alles abgesperrt wegen die Blumen, dabei tun die keinem was, wer se nicht leiden kann, kann se ja rausreißen, sag ich immer.

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Pfützen (ABC-Etüde, Sommeredition)

Die Goldruten blühen, die Hühner mausern und wenn morgens der Wecker klingelt, müssen wir das Licht einschalten. Der Sommer ist zum Spätsommer geworden und es ist höchste Zeit die Sommerextraetüde in die virtuelle Welt zu entlassen. Sie ist nicht auf den letzten Drücker geschrieben, sondern begleitete mich die ganze Zeit wie ein mäandrierendes, verklausuliertes Tagebuch meines Sommers, auch wenn ich nichts aus der Geschichte erlebt habe, die Personen frei erfunden sind und ich noch lange nicht Großmutter bin.

Die Geschichte durfte so lang sein wie sie wollte und wurde in den letzten Tagen von übermäßig ausschweifend auf knapp achtfache Etüdenlänge zusammengekürzt.

Mindestens sieben der in der Graphik unten aufgelisteten Wörter mussten darin vorkommen, zehn sind es geworden, das Eigentor und das Wetterleuchten erlitten im Rahmen der Kürzung Platzverweise.

Und ein Gewässer musste vorkommen, ein real existierendes. Heikel wie eine Diva sah sich die Geschichte um, wo wir zu Fuß, per Fahrrad, Kanu oder Tretboot unsere Sommertage verbrachten: an der Berner Au, wo unser Garten liegt, auf der Außenalster, dem Kuhmühlenteich, am Oberlauf der Alster, an der Beste, der Trave und da wo die Pfingstbeek in die Ostsee mündet.

Siegerin war schließlich die Bille.

Meine Heimatstadt Hamburg liegt ja „an’ne Elbe, an’ne Alster, an’ne Bill'“, wobei die letztere die unbekannteste unter ihnen ist. Die Bille ist ein 65 km langer nördlicher Zufluß der Elbe. Sie entspringt bei Lienau in der Nähe von Trittau und durchfließt große Teile des Sachsenwaldes. Bei Reinbek ist sie zum Mühlteich aufgestaut, an dessen Ufer liegt ein Schloss, in Hamburg wird sie von vielen Brücken gequert, die wie in einem Kinderbuch Blaue Brücke, Rote Brücke, Braune Brücke …. heißen. Mitten in einem Industriegebiet mündet sie in Rothenburgsort bei der Brandeshofer Schleuse in die Elbe. Dort ist sie nur noch Industriekanal, aber im Sachsenwald fließt sie wild und unreguliert durch die Grundmoränen. Wir sind von Grande nach Aumühle am Fluß entlang gelaufen, die ganze Zeit durch den Wald. Eine Wanderung, die ich jeder und jedem ans Herz lege. In Aumühle gibt es dann bei Bedarf reichlich – ich glaube ziemlich teure – Restaurants und eine S-Bahnstation.

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Cardámines Garten (7)

Hej, da bist du ja wieder.

Lächelnd lässt die Frau Fundevogel die Fee Cardámine zur Balkontür herein. Ich habe dich vermisst.

Du weißt ja, ich bin eine Fee, die viel zu tun hat und Regen und Kälte machen mich langsam.

Und ich bin eine Frau, die unendlich viel zu tun hat und die durch so manches langsam gemacht wird. Blaubeere? Schokoladenstreusel? Warmer Tee?

Die Fee nimmt alles und sie, die Frau und der Erzählvogel berichten einander, wie es ihnen ergangen ist in diesem regenreichen Brombeermond.

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Familienbesuch (ABC-Etüde)

Das trockene Gras kitzelt unter Ziegenbarts Füßen. Seit über 300 Jahren kennen sie nur das Innere seiner Stiefel, seines Schlafsacks und gelegentlich das Wasser des Waschzubers im Weihnachtsmannhaus.

Etwas Buntes flattert vorbei, er lächelt, auch Schmetterlinge hat er seit Jahrhunderten nicht gesehen. Ein Kleiner Fuchs ist es, das weiß er noch.

In seiner Kindheit gauckelten sie zu hunderten über den Vorplatz ihrer Wohnhöhle.

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Im Wäldchen (ABC-Extra-Etüde)

Vieles bleibt liegen in dieser verrückten Coronazeit: Der Kleine Fundevogel ist wunderbar und liebenswert, aber eben auch nach wie vor völlig unberechenbar. Lieb und aufmerksam erlernt er das Zähneputzen – und drückt dann schneller als ich Stop sagen kann die Zahnbürste so tief in den Siphon, dass ich alles auseinanderschrauben muss.

Er darf aus guten Gründen auf keinen Fall allein auf den Balkon und schafft es trotzdem den Schuh seiner Schwester über jemanden drüber aus der Stube heraus über die Balkonbrüstung zu werfen zum Glück auf niemandens Kopf. Weiterlesen

E-Mail — Julian und Cardámine, letzter Teil

Heute kommt der letzte Teil der Geschichte von Julian und der Fee Cardámine und ich hoffe, ich habe keinen Strang zu lösen vergessen, sonst fragen Sie gern.

Und denen, die noch mehr lesen wollen von Frau Fundevogel, empfehle ich mein – feenfreies-Buch Zwischenzeit. Es ist im Buchhandel erhältlich. Wenn Sie es direkt bei mir bestellen, lässt sich über den Preis gern reden.


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Jo arbeitete während der gesamten Sommerferien, von frühmorgens bis mitten in der Nacht. Julian regte sich nicht mehr darüber auf. Er war sogar stolz auf seine Mutter, die in den letzten Wochen fast berühmt geworden war, weil sie sich so unermüdlich für Wiesen und Teiche einsetzte und natürlich, weil sie das weltbekannte Phänomenfoto gemacht hatte. Berühmter war nur der der auf den Fotos zu sehen war: Wolfgang Schröter. Er stieg nur noch selten in Müllcontainer. Den Supermärkten des Viertels war es eine Ehre, dem Retter ihre abgelaufene Ware frei Haus zu liefern. Nichtsdestotrotz waren einige Supermärkte dazu übergegangen Wachmänner auf ihren Hinterhöfen aufzustellen, denn in Containern nach Essbarem zu suchen, war zur coolsten Masche dieses Sommers geworden, wie das „Neue Tageblatt“ in einem langen Artikel verwundert feststellte. Wenn man sie gut kannte, konnte man auf dem unscharfen Schwarz-Weiß-Foto Isabella, Desdemona und den Kameramann mit dem Drachentatoo erkennen. Weiterlesen

Kastenzauber — Julian und Cardámine 65

Nun ist die Geschichte fast zu Ende – aber eine wichtige Sache har Cardámine noch zu erledigen …


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Rund wie die Sonne versank der Mond im Westen. Die vier leuchtenden Sterne des Pegasus prangten am östlichen Himmel. Verführerisch duftete die Nacht, trotzdem schlug ich Anemonas Einladung zum Tanzen aus. Den Weg zu Julians Kobel hätte ich mittlerweile im Schlaf fliegen können. Nur weil ich wusste, dass die Menschen nachts ihre Einfluglöcher versiegeln, bat ich Achillea mich hinzuwünschen und freute mich schon jetzt auf den Rückflug durch die erste warme Himbeermondnacht. Weiterlesen

Julian – Julian und Cardámine 64

Ich mag den Julian so sehr – und in diesem Kapitel bin ich unendlich stolz auf ihn. Mehr innere Größe kann ein Junge seines Alters eigentlich kaum beweisen.


Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Am Mittwoch waren die Feenferien – wie Pamina sie getauft hatte – zu Ende. Müde starrte Julian in seine Müslischüssel. Die beste Nachricht war, dass Frau Steffke zur kommissarischen Schulleiterin ernannt worden war. Über das Leiden der Frau Schmidt-Bruhns wurde allerlei gemunkelt. Angeblich wurde sie von der Wahnvorstellung heimgesucht, ihr liefe glitzernder Schleim aus der Hand, mit der sie vor ein paar Tagen einen Schüler der dritten Klasse geschlagen hatte. Dabei hatte sie Dennis gar nicht gehauen, grübelte Julian. Doch Gerüchte hatten bekanntlich ein ganz spezielles Eigenleben. Weiterlesen

Nachtigall — Julian und Cardámine 63

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Die Menschen und der Hund waren schlafen gegangen. Wir waren hellwach und saßen noch lange auf dem breiten Ast mit der ungewohnt hellen Rinde. Ich fühlte mich federleicht und quoll beinahe über vor Freude. Immer wieder strich ich über meinen neuen Zauberstab. Süße Vertrautheit duftete aus dem rötlichen Holz. Weiterlesen

Lillys Ernüchterung (ABC-Etüde)

Die sich kringelnden Coronatage laufen weiter. Ich trudele zwischen Arbeit und Kinderbetreuung und habe das Gefühl gar nichts zu tun, obwohl das Gegenteil zutrifft. Gefühlt könnte ich drei Wochen durchschlafen.

Hätte ich nicht meine Feengeschichte, wäre dieser Blog eine coronabedingte Wüstenei. Aber die Geschichte wird am 2. Juni endgültig zu Ende sein. Dann möchte ich wirklich wieder etwas Neues schreiben, es gibt ja ein Wispern, das von Kita ab 8.6. raunt. Glaube ich aber erst, wenn der Kleine Fundevogel durch die Pforte getreten ist. Weiterlesen