Retter– Julian und Cardámine 58

Die Frau Fundevogel ist ja von Natur aus etwas fahrig und tut sich schwer damit ihre Dinge zu beaufsichtigen, weshalb gerne die Warnung kommt: Pass besser auf deinen Krempel auf, die Menschheit ist schlecht. In der derzeitigen Coronafundevogelwirrnis habe ich das große Glück dem guten Teil der Menschheit zu begegnen, dem Teil, der von der Frau Fundvogel abfallende Portemonaies, Kontokarten und Schlüssel nicht zu bösartigen Zwecken nutzt, sondern ihr noch hinterher trägt. Schlecht ist doch nur ein Teil der Menschheit und deshalb darf ich auch Geschichten wie diese ohne echte Bösewichte schreiben. Wie erfreulich! Trotzdem nehme ich mir zum hunderelften Male vor meine Siebensachen besser zu hüten. Viel Ärger sparte das schon. Weiterlesen

Megaphon– Julian und Cardámine 57

Heute morgen trafen der Kleine Fundevogel und ich eine kleine Katze, klein im Sinne von noch sehr jung. Sie wollte sich zwar nicht streicheln lassen, aber heftete sich an des Kleinen Fundevogels Fersen und ließ sich nicht mehr abschütteln, zwischendurch raste sie halsbrecherisch im Zickzackkurs über die Straßen. Weil sie so klein war, sich so leichtsinnig verhielt und es so schüttete, nahmen wir sie schließlich mit nach oben.

Über eine „Vermisste Katzen Gruppe“ des Fratzenbuchs gelang es dem Studenten der Geowissenschaften den Besitzer ausfindig zu machen. Weiterlesen

Proviant — Julian und Cardámine 56

„Wir sollten nachsichtig miteinander sein, das Leben ist beschissen genug“, mit dem Satz habe ich heute eine Kollegin verärgert, die von mir wollte, dass ich Patienteneltern wegen irgendwelcher auch sie nicht ganz überzeugenden Coronavorschriften diszipliniere.

Mit dem Satz im Herzen habe ich eben die verbalen Ausfälle des Großen Fundevogels ohne eigenen Wutanfall überlebt, wenn auch die dringend abzugebenden Hausaufgaben immer noch nicht erledigt sind.

Wir brauchen alle viel Nachsicht in dieser zermürbenden Zeit, sogar jene die in ihrer Sorge und ihrem Regelungswahn vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu weit gegangen sind.

Das Leben ist nämlich beschissen genug. Weiterlesen

Bier — Julian und Cardámine 55

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Herr Börner wachte auf. Sein Schädel brummte, als sei er zusammen mit seiner verlorenen Karre in der Schrottpresse gewesen. Krampfhaft versuchte er sich zu erinnern, wieso er nicht nur in all’ seinen Klamotten, sondern auch mit völlig verschlammten Turnschuhen an den Füßen eingeschlafen war. Mit welchem seiner Kumpel hatte er gezecht? Und warum um Himmels Willen lag Dennis‘ Mountainbike in der nicht mehr genutzten Hälfte des Ehebetts? Weiterlesen

Aethusa — Julian und Cardámine 53

Aethusa ist heil und unversehrt von ihrem Rendezvous mit Frau Stachelbeermonds Schweinehund zurückgekehrt. Auf den Schweinhund trifft heil und unversehrt leider nicht ganz so zu.


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„Carámine! Carámine!“

Meinen Namen wusste er immer noch nicht. Wie eine Blindschleiche robbte der Junge Dennis durch die Binsen, wohl in der Hoffnung so nicht von seinen Mitmenschen entdeckt zu werden, er wusste wie unglaublich schlechte Beobachter sie waren. Kein einziger bemerkte die blonden Borstenhaare, oder ihnen war egal, was jenseits des Bannbandes geschah. Um seine rechte Hand hatte Dennis eine Feenfalle geschlungen, aus der goldglitzernd Strafschleim quoll. Ich hatte richtig vermutet. Fee brauchte nicht besonders schlau zu sein, um zu raten, was er von mir wollte. Aber weder hatte er Wünsche frei, noch ich einen Zauberstab. Er würde lebenslang vor sich hin glibbern. Dieser Strafschleim zehrte den Körper aus. Zauberstabdiebe lebten meist nur noch wenige Sommer nach ihrer Tat. Ein elendes Siechen, das der Junge Dennis nicht verdient hatte. Weiterlesen

Schlafen — Julian und Cardámine 52

Der Titel passt heute sehr gut. Ich bin zum Umfallen müde, zwei Frühschichten hintereinander – aus mir wird in diesem Leben kein früher Vogel mehr.


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Bevor er sich richtig ausgestreckt hatte, stürzte Julian schon in abgrundtiefen Schaf. Plötzlich schreckte er hoch, ohne zu wissen, was ihn geweckt hatte. Othello, Tamino und Dennis atmeten beruhigend nah bei ihm. Nur das strahlende Sonnenlicht störte die vertraute Gemütlichkeit. Es war seltsam, tagsüber im Bett zu liegen ohne krank zu sein. Ungebeten flatterten die Ereignisse der letzten Tage durch seine Gedanken: Blut troff aus Frau Steffkes Stirn, die Hassfee stieß Todesdrohungen aus, die tote Fee lag mit verdrehten Gliedern in schwarzem Schleim, Filipendula sagte: „Der Junge Dennis läuft dem Jungen Julian nach wie ein Entenküken“. Wie ein Echo hallten die verzweifelten Schreie der versinkenden Bauarbeiter in seinem Kopf. Weiterlesen

Wasserlache — Julian und Cardámine 51

Heute trafen der Kleine Fundevogel und ich an dem Bach, der in die Feenwasser fließt, zwei Kindergärtnerinnen, die mit allerlei Stofftieren und Figuren für ihre zu Hause weilenden Kitakinder einen Film mit ihren Handys drehten. Feen waren auch dabei.


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Erschöpft kauerten wir bei Ortigas Leichnam. Filipendula weinte vor Verzweiflung. Sie hatte versucht, den Zauber zu sprechen, der Ortigas Geist den Wassern zurückgeben sollte. Das musste geschehen, wenn eine Feenartige starb. Leider hatte Ortiga uns nicht gelehrt, wie es ging. Ich hatte zugesehen, wie sie damals Angélica den Wassern übergeben hatte. Während der letzten Starrmonde hatte eine Lungenentzündung diese ewig kränkelnde Fee dahingerafft. Sogar über den paar Resten, die eine Katze von Jasione übergelassen hatte, hatte Ortiga die magische Formel gesprochen. Beide Male hatte sie mehrere Anläufe gebraucht bis die komplizierten magischen Bewegungen und Worte gelungen waren. Wahrscheinlich deshalb hatte sie die Totenriten an keine von uns weitergegeben. Weiterlesen

Grosse — Julian und Cardámine 50

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Julian hatte Mamas Chef noch nie leiden können. Guido Grosse behandelte ihn wie ein lästiges Zubehörteil, das leider nicht von Jo abgeschraubt werden konnte. Einmal hatte er zu ihr gesagt: „Wenn du nicht so ein schwieriges Kind hättest, würde ich dir glatt eine Festanstellung anbieten.“

Dabei war Julian nicht schwierig. Herr Grosse sollte sich mal Dennis angucken oder Othello, der seit bald einer halben Stunde ohne Pause schrie. Weiterlesen

Verräterin –Julian und Cardámine 49

Dinge gehen vor im Internet … Der Schweinehund der Frau Stachelbeermond hat dem Vernehmen nach Aethusa von irgendwelchen Pralinenpapierflügeln befreit und wird sie demnächst zum Essen ausgeführen. Ich hoffe das artet nicht in irgendwelche Dummheiten aus, denn Aethusa wird hier ziemlich bald ziemlich dringend gebraucht werden.

Nicht, dass das Ganze unvorhergesehene  Eigendynamik entwickelt, damit hat die Geschichte schon Erfahrung: Es war ja nur eine „Feengeschichte für Jungs“ bestellt worden, so für einen gemütlichen Vorleseabend oder so … Weiterlesen