Frost (ABC-Etüde)

Es gibt Frost. Die Kürbisse müssen rein.

Das war das letzte , das die Meli gesagt hat, sagt Penny, Fassungslosigkeit in jeder einzelnen Silbe.

Dass eine wie die Meli überhaupt Krebs kriegen und sterben kann, geht schon eigentlich nicht, aber dass sie uns keine Worte hinterlässt wie Haltegriffe.

Die Kürbisse hätten wir auch so reingeholt und hätten dabei gesagt es gibt Frost, die Meli hätt gewollt, dass wir die Kürbisse reinholen.

Weiterlesen

Vom Gesehen werden, von Kürbissen und Gespenstern

Letzte Woche nun, da wollte ich die Hecke zwischen Bienenstand und Hochbeet ein ganz klein wenig auslichten, sonst kommt man da bald nicht mehr durch und die Blaubeerpflanze muss auf Nachtschattengewächs umsatteln. Da rumpelt es, da pumpelt es und vor meinen Füßen baumelt orange leuchtend ein Kürbis. Knapp neun Kilo leuchtendes Orange wussten sich einen Sommer lang trefflich zu verbergen, während seine Geschwister von mir gehegt, gepflegt, in Fruchtschutzbeutel gesteckt und kuschelig unterpolstert wurden.

Weiterlesen

Unterwegs

Auf dem Weg zum Bahnhof hoffe ich inständig, keiner möge gegen mich stoßen, ich könnte zerbrechen, bin heute aus Glas, ungeachtet des schweren Rucksacks, den ich mit mir schleppe.

Das Hilfeplangespräch, jene ach so wichtige Zusammenkunft aller am Hilfesystem eines Kindes Beteiligten, war so oft verschoben worden, da sollte es doch meinetwegen zwei Stunden vor Urlaubsantritt über die Bühne gehen, was man hat, das hat man und einiges zu klären gibt es auch, wenn ein Kindchen es schafft, im Schnitt einmal die Woche von der Polizei gesucht und zum Glück auch gefunden zu werden.

Den von selbiger Polizei gewüschten GPS-Tracker hatte ich mir bereits telefonisch absegnen lassen. Die einzige Person, der es schlaflose Nächte zu bereiten scheint, einem Kind einen Peilsender anzuhängen, der eigentlich dafür gedacht ist, verschusselte Schlüssel und gestohlene Fahrräder wiedezufinden, ist die Frau Fundevogel selbst, und zwar nicht, weil sie nun nach jahrelanger Bockigkeit doch die Zusammenarbeit mit einem Smartphone lernen muss. Es lacht den ganzen Tag über sie, wenn sie telefonieren will und nicht findet wo die Nummer eingegeben werden muss oder sie elf identische Fotos einer Schnecke macht, weil sie den Finger nicht vom Auslöser nimmt .

Weiterlesen

Konfirmation (nachgereichte ABC-Etüde)

Dich hätte ich am liebsten dabei, schreibt Amelie, aber du weißt ja, die Familie…der Smiley rollt genervt die Augen.

Sie lädt mich zu ihrer Konfirmation, per Videostream, weil wegen Corona nur fünf Gäste pro Konfirmand leibhaftig zugelassen sind.

Ich bin perplex. Es lassen sich 2021 noch Jugendliche konfirmieren. Über vieles reden Amelie und ich, oft nebenbei, wenn Gemüse in der Pfanne schmort oder wir an den Bienenkisten sind. An Gott habe ich nie gedacht.

Weiterlesen

Das alte Pferd (ABC-Etüde)

Das alte Pferd steht in der noch zögerlichen Frühlingssonne und lässt sich von Ebba den Rücken massieren. Mager ist es geworden, allen Kraftfutter- und Vitamingaben zum Trotz.

Irgendwann werden wir es einschläfern lassen müssen, hat Julia gerade wieder gesagt. Sie behauptet das alte Pferd hat Schmerzen, vielleicht hat sie sogar recht damit. Es läuft kaum noch, steht meist einfach herum, den Apfel, den Ebba ihm hinhält zermalmt es dennoch mit Genuss.

Ohne das Pferd hätten sie das Café nie eröffnen können.

Weiterlesen

Monika (ABC-Etüde)

„Sie haben aber eine erhebliche Lücke da in Ihrem Lebenslauf“

„Das war die Zeit, in der ich versucht habe für meine Eltern einen Impftermin zu bekommen.“

Diesen Witz hat mir mein Sohn heute morgen erzählt und ich finde ihn ziemlich gelungen. Meine Mutter ist diesbezüglich relativ selbstständig bzw. möchte meine Hilfe nicht, aber der größte Teil meiner Zeit geht mit irgendetwas den Coronaumständen geschuldetem ins Land.

Weiterlesen

Rettendes — die Wunderbaren

Um ein Kind zu aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

ist ein Spruch, der immer wieder im Zusammenhang mit Kindererziehung zitiert wird. Angeblich handelt es sich um ein „afrikanisches Sprichwort“, aus welcher Region und welcher Sprache auch immer (stelle man sich mal kurz „europäisches Sprichwort“ als Quellenangabe vor).

Ich fand die Vorstellung immer ein klein wenig erschreckend – ein ganzes Dorf, das sich in alles und jedes einmischt, ist eigentlich das Letzte, was ich noch gebrauchen kann. Mir reichen die, die ohnehin schon alles immer besser wissen.

Weiterlesen

Der Engel auf dem Parkdeck (ABC- Etüde)

Heute sind den ganzen Tag Wildganskeile über unser Nest hinweggeflogen, ihr unverwechselbarer Schrei bringt wohl nicht nur in meiner Seele viel Widersprüchliches zum Klingen.

Im Nest toben weiterhin schwere Stürme, die mich vollauf beschäftigen. Daher bin ich froh, nicht nur endlich meine Adventüde (Danke für die Geduld, liebe Christiane), sondern auch noch einen Beitrag zur ersten Etüdenrunde des Herbstes fertigbekommen zu haben. Schreiben tut mir immer gut – nur muss ich halt dazu kommen. Eine Lehre der letzten Monate ist. weder dafür noch für anderes am Schlaf zu sparen.

Weiterlesen

Abhängigkeiten

Den einen Abend nun will die Frau Fundevogel zu Bett, muss aber erst mal wieder etwas suchen,

Mandy sucht wieder ihr Handy, spottet gutmütig der Student der Geowissenschaften und wählt hilfsbereit die Nummer. Es klingelt – nicht.

Dieses Mal steckt es nicht in Ach-diese-Jacke-hatte -ich -an. Im Garten vergessen? Unterwegs verloren?

Nun ja, kümmer ich mich morgen drum. Ich habe ja den Kleinen Fundevogel, da macht es nichts , wenn das Telefon mich nicht weckt, sage ich cool und gehe schlafen. Schlafen? Von wegen. Ich liege im Bett und mache mir Sorgen um mein Telefon. Hoffentlich find ich es wieder. Hoffentlich liegt das arme Ding irgendwo warm und trocken und scheidet nicht in nassem Gras und Regen elendig dahin. Weiterlesen

Freundschaftsgeschichten (verspätete ABC-Extraetüde)

Keine Etüde von mir in der letzten Runde und die Extraetüde nun mit Verspätung. Ich bin noch immer mit meiner inneren Mauser zugange. Meine Mausertexte behalte ich für mich, mag nicht entblößt im Internet stehen.

Dieser Etüde liegt allerdings ein Mausertext zugrunde. Der wäre aber vermutlich nur noch für Leute die mich gut kennen wiederzuerkennen und so ist es mir auch recht. Weiterlesen