Das Nest-ABC (ABC-Etüde, aber sowas von)

Der Sommer schreitet voran, die Mauersegler sind abgereist. Die Kürbisse reifen, wenn man sie täglich gießt, die Bohnen und die ersten Äpfel auch.. Goldrutengold wispert: Kein Sommer währt ewig und hoffentlich auch keine Trockenheit. (Nein tut sie nicht, jetzt endlich fällt Wasser vom Himmel.)

Im zweiten Teil der ABC-Etüdensommeredition hat Christiane uns aufgegeben uns einmal durch ganze ABC zu einem selbst gewählten Thema hindurch zu etüden und auch bei Q, X und Ypsilon nicht zu zagen.

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Mitternächtliches

Gegen Abend nun fängt es endlich an zu regnen, sehr, sehr zaghaft noch und keineswegs ausreichend. Das erleichterte Seufzen von Gras und Bäumen bilde ich mir bestimmt nur ein. Der Duft aber ist einer der geliebtesten. Petrichor heißt das — habe ich beim Bloggen gelernt. Nachdem der Große Fundevogel und ich, mal mit der Materie, mal eher miteinander ringend, die Matheaufgaben besiegt und ich das Durcheinander in Küche und Diele halbwegs beseitigt habe, hält mich nichts mehr. Ich vertraue das schlafende Fundevögelchen seinem Bruder an, schlüpfe in die Schuhe und laufe los, einmal um den (Feen-)Teich, sauge Petrichor in meine Lungen, dazu den Duft der blühenden Ahlkirschen, zu frühen Weißdorns und Flieders. Genieße jeden Tropfen in meinem Gesicht. Weiterlesen

Wahlsonntag

Vor ein paar Wochen nun plumpsten drei dicke Umschläge in den Nestbriefkasten, die Unterlagen zur Teilnahme an der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Der Große Fundevogel reagierte alarmiert: Muss ich das? Beißt das? Da beschäftige ich mich später mit. Vergesse ich lieber einfach.

Könnte man natürlich so laufen lassen, es gibt keine Wahlpflicht in Deutschland, aber es widerstrebt mir. Habe ich nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um dem Fundevogel eine gesetzliche Betreuung zu ersparen? Gehört in einer Demokratie leben zu lernen nicht irgendwie auch zum Erziehungsauftrag? Weiterlesen

Vom Aushalten

Letzthin waren wir im Kino, der Große Fundevogel, die Fundevogelfreundin und ich.  Den Film Systemsprenger wollte ich den Großen Fundevogel – volljährig oder nicht- auf gar keinen Fall allein schauen lassen. Zuviele Gespenster könnte die Geschichte der verlassenen und traumatisierten „Benni“ wecken, fürchtete ich. Die Neunjährige – beklemmend gut dargestellt von einer Zehnjährigen -, die so wenig Halt mehr in dieser Welt hat, dass ein Minimum an Zurückweisung und sei es nur eine Anweisung oder ein nicht jetzt, sondern später reicht, um sie Vernichtungsangst spüren zu lassen, sie regelrecht expoldieren zu lassen. Sie wird gewalttätig und läuft fort. Wehe dem oder der, die sich ihr in den Weg stellen. In ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung hat sie keinen Zugang mehr zu ihrem Verstand oder ihrer sonst durchaus vorhandenen Empathie.

Nur Erwachsene hier, der Große Fundevogel sieht sich beklommen im Kinosaal um, den Rest des Films verbringen die Freundinnen eng aneinandergeschmiegt, Popcorn essend, scheinen meine gelegentlichen besorgten Blicke nicht wahrzunehmen, bin wohl gerade nicht notwendig und lasse mich in „Bennis“ schwer auszuhaltendes Leben ziehen. Weiterlesen

Proud & platt

Power-Spin-off-was-weiß-ich-Yoga, Marathon, Iron Man – kann man alles machen. Aber wenn man mal so richtig ausgepowert und platt vor Erschöpfung sein will, empfehle ich den Besuch des CSD mit vier aufgeregten Jugendlichen und einem hyperaktiven Kleinkind mit Weglauftendenz.

Ohne Erwachsenenbegleitung hätte die Fundevogelfreundin  (nein, ich soll schreiben Verlobte) nicht mitgedurft und da sie gerade — wie den Großteil des Sommers — hier weilt, war es Ehrensache mitzukommen.

Einhörner tanzen in Netzstumpfhosen. Wasserstoffblonde Engel breiten ihre schwarzen Flügel aus. Überall Farbe, Glitzer und Freundlichkeit. Wer mit großem Rucksack durch eine dichte Menschenmenge einem Kleinkind hinterherrennt und immer noch auf Wohlgesonnene stößt, ist unter außergewöhnlich freundlichen Menschen gelandet. Weiterlesen

Aus dem Keller geholt III (Etüdensommerpausenintermezzo)

Konnten wir nicht auch in Wagen Neun steigen?, jammert der Kleine Fundevogel beim Ins-Bett-bringen, denn dem (Zug-)wagen Neun haben haben wir vorhin nachgewinkt und unsere wunderbaren Gäste entschwinden sehen

Innerlich zappelig war ich die Tage zuvor. Würde ich die Frau Taugewas im wirklichen Leben genauso mögen würde wie in ihrer Blogform? Und was soll ich sagen, „in echt“ ist sie noch liebenswerter und ihre beiden Kinder sind einfach bezaubernd.

Zu diesem Besuch demnächst mehr, denn noch sind Kitaferien und die Schreibzeit ist noch rationierter als sonst. Gar nichts gäbe es hier, wenn nicht Christiane die Etüdenverrückten gebeten hätte ihre Lieblingsetüden aus dem virtuellen Keller zu holen und noch einmal einzustellen. Weiterlesen

Wie der Froschkönig die Frau Fundevogel etwas lehrte (ABC-Etüde)

Die Wörterspende für die Etüden stamm dieses Mal von Viola, deren ehrlichen Texte ich sehr gern lese.

Froschkönig

trüb

helfen

heißen ihre Wörter, die in einem Text mit höchstens 300 Wörtern vorkommen sollen.

Alles mehr oder weniger Märchenhafte, das um Violas Wörter herum gesponnen wurde, findet sich bei Christiane, die wie immer alles vorbildlich organisiert und illustriert hat. Weiterlesen

Der Frau Magister ganz wunderbare Ferien

Teilt man sein Leben mit Kindern ab etwa fünf Jahren aufwärts und trifft dann Menschen, auf die das auch zutrifft, landet das Gespräch über kurz oder lang bei dem Thema Schule im Allgemeinen und bei den dort Arbeitenden im Besonderen.

Unmöglich, vollkommen unfähig, überfordert sind Vokabeln, die in diesen Gesprächen häufig fallen. An Lehrern und Lehrerinnen kein gutes Haar zu lassen scheint fast so beliebt zu sein wie verbal über Menschen hererzufallen, die sich in der Kommunalpolitik abrackern.

Es manchen Eltern recht zu machen, muss fast unmöglich sein.

Ich bin auch schon an Menschen dieses Berufsstandes verzweifelt. Ich selbst bin ausgespochen ungern zur Schule gegangen, war aber immer eine Schülerin mit akzeptablen Leistungen und ansonsten wahrscheinlich völlig unauffällig, habe also wenig Stress mit Lehrern gehabt, diesen aber manches Mal ungläubig bei anderen mit angesehen, Freundinnen in existentielle Krisen stürzen sehen. Obwohl die meisten, die ich kannte, ihre Eltern deutlich mehr zu fürchten hatten als ihre Lehrer- und das erschreckt mich bis heute. Weiterlesen

Wie der Januar roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Der Februar ist schon eine Woche alt und ich hoffe das Fräulein Read On sieht es mir nach, wenn ich erst jetzt dazu komme meinen Beitrag zu ihrer monatlichen Gerüchesammlung zu verfassen.

Fräulein Read On hat ihren Schnupperjahreskreis im Januar vollendet, so erscheint dieses mir lieb gewordene Format zum letzten Male. Weiterlesen

Weihnachten – nichts für Weicheier

Weihnachten ist weitgehend vorbei. Ganz vorbei wird es sein, wenn der Weihnachtsbaum meinen Schreibtisch verlässt und keine Schokoladenweihnachtsmänner mehr als morgendlicher Brotbelag zur Verfügung stehen. Und wenn der Kleine Fundevogel wieder schläft.

Er wirkt so unbekümmert, Hänschen klein ging allein die weite Welt hinein, keinen Blick zurück wirft er, wenn eine Schiebetür sich auftun könnte, ein Schalter lockt, eine Fahrstuhltür, ein Hund. Völlig unbefangen geht er auf Wildfremde zu, erzählt ihnen was ihm gerade durch den Kopf geht, fordert ohne eine Spur des Unbehagens im Bus Fahrgäste auf, ihm diesen, ja genau diesen von ihm erwünschten Platz freizugeben (nein, das erlaube ich nicht). Weiterlesen