Coronunlogisches

Am Donnerstag nun rief mich die Mutter eines Fundevogelmitschülers an, ihr Kind hätte Corona. Drei Mal durchatmen, der Kleine Fundevogel sieht ja ganz lebendig aus und so erstaunlich ist das in diesem Advent nicht, zumal die Schule die Maskenpflich recht großzügig auslegt. Erstaunlicher ist zu hören, dass morgens schon ein Kind der Klasse einen positiven Schnelltest hatte und von der Schule auf keinem meiner derzeit drei Telefone die geringste Nachricht zu finden ist.

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Vom Bereuen und vom Nicht-Bereuen

Ich bereue manches in meinem Leben.

Manchmal nur eine Nacht lang den Kaffee und die Schokolade zur späten Stunde, die dann meinen Schlaf rauben.

Ich bereue ziemlich bei der Wahl des Verlags für mein Buch vor lauter Geschmeicheltsein unkritisch geworden zu sein.

Immer wieder reut mich viel zu leichtfertigen Konsum von Dingen, die ich diesem belasteten Planeten ersparen könnte.

Tiefer bereue ich Dinge, die ich unbedacht getan oder gesagt habe und noch viel, viel mehr dringende Worte, die ich zur rechten Zeit nicht gesagt habe, weil mir der Mut fehlte oder häufiger noch, ich so von den Geschehnissen um mich herum so überrollt wurde, dass mir erst viel zu spät klar wurde, was mir oder jemandem neben mir hier gerade angetan wird, wenn ein Kreis aufgeregter Menschen sich auf eine oder einen einschießt, wenn unterschwellige Beleidigungen fallen, Menschen klein und unfähig geredet werden, Rassismus durchschimmert oder sehr viel häufiger noch Ableismus (ein Wort, das viele nicht einmal kennen – es bedeutet die dem Rassismus vergleichbare Abwertung von Behinderten).

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Vom Gesehen werden, von Kürbissen und Gespenstern

Letzte Woche nun, da wollte ich die Hecke zwischen Bienenstand und Hochbeet ein ganz klein wenig auslichten, sonst kommt man da bald nicht mehr durch und die Blaubeerpflanze muss auf Nachtschattengewächs umsatteln. Da rumpelt es, da pumpelt es und vor meinen Füßen baumelt orange leuchtend ein Kürbis. Knapp neun Kilo leuchtendes Orange wussten sich einen Sommer lang trefflich zu verbergen, während seine Geschwister von mir gehegt, gepflegt, in Fruchtschutzbeutel gesteckt und kuschelig unterpolstert wurden.

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Unterwegs

Auf dem Weg zum Bahnhof hoffe ich inständig, keiner möge gegen mich stoßen, ich könnte zerbrechen, bin heute aus Glas, ungeachtet des schweren Rucksacks, den ich mit mir schleppe.

Das Hilfeplangespräch, jene ach so wichtige Zusammenkunft aller am Hilfesystem eines Kindes Beteiligten, war so oft verschoben worden, da sollte es doch meinetwegen zwei Stunden vor Urlaubsantritt über die Bühne gehen, was man hat, das hat man und einiges zu klären gibt es auch, wenn ein Kindchen es schafft, im Schnitt einmal die Woche von der Polizei gesucht und zum Glück auch gefunden zu werden.

Den von selbiger Polizei gewüschten GPS-Tracker hatte ich mir bereits telefonisch absegnen lassen. Die einzige Person, der es schlaflose Nächte zu bereiten scheint, einem Kind einen Peilsender anzuhängen, der eigentlich dafür gedacht ist, verschusselte Schlüssel und gestohlene Fahrräder wiedezufinden, ist die Frau Fundevogel selbst, und zwar nicht, weil sie nun nach jahrelanger Bockigkeit doch die Zusammenarbeit mit einem Smartphone lernen muss. Es lacht den ganzen Tag über sie, wenn sie telefonieren will und nicht findet wo die Nummer eingegeben werden muss oder sie elf identische Fotos einer Schnecke macht, weil sie den Finger nicht vom Auslöser nimmt .

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Neunter Neunter

Du hättest gestern etwas zum Welttag des alkoholgeschädigten Kindes schreiben sollen, nölt eine kleine nervige Stimme in mir, die mich dafür qua Blogthema für verpflichtet zu halten scheint.

Nee, da fällt mir gerade aber nix gescheites ein, habe mich schon immer schwer damit getan pünktlich zu irgendwelchen „Welttagen“ etwas auszuspucken. Neunter Neunter als Mahnung neun Monate lang nichts zu trinken, falls wer sich fragt, warum gestern und nicht morgen.

Außerdem war hier auch so genug los. Dass der Kleine Fundevogel seine erste Zahnlücke hat, wird erstmal gebührend fotographisch gewürdigt. Dann zockelt der Kleine Richtung Bauspielplatz und die geschätzte Mitimkerin und ich nutzen den schönen Spätsommertag, um Varroamilben zu zählen, jene biestigen kleinen Biester, die imstande sind ein Bienenvolk so auszusaugen, dass es stirbt.

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Von Schlägen– mit und ohne Publikum

Bekommen Sie manchmal mit wie Kinder ihre Eltern beleidigen, bespucken, schlagen?

Schublade auf:Das sind diese kleinen muslimischen Prinzen, deren Kopftuchmamis vor Männern kuschen, selbst wenn sie erst vier sind. Schublade zu.

Schublade auf:Das sind diese alten Mütter, die so abhängig sind von der Liebe ihrer spät empfangenen Kinder, dass sie nicht aushalten ihren verzogenen Goldschätzchen irgendetwas zu verbieten und darüber jede Selbstachtung zu verlieren. Und diesen Kindern so Halt und Orientierung versagen. Schublade zu.

Schublade auf: Das sind die Asozialen. Die gehen zu Hause alle so miteinander um. Die Kinder kennen keine andere Form der Konfliktlösung. Schublade zu.

Nicht die ersten Vorurteile meines Lebens, die mir mit großem Getöse auf die Füße gefallen sind.

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Flüchtiger Sommergruß

Der letzte Kitatag im Leben des Kleinen Fundevogels ist gewesen, der Bauspielplatz hat geschlossen. Seit der Kleine Fundevogel ein Medikament nimmt, kann er sich in der ersten Tageshälfte ganz passabel regulieren, in der zweiten nicht mehr. Aber am Einschlafen hindert ihn das Zeugs auch in der ersten Nachthälfte noch ganz gewaltig. Die Tage fließen ineinander. Das Liegengebliebene wächst zu imposanten Wällen heran.

Das Ungeschriebene auch. Ich schreibe in winzigsten Portionen einen Text über ein Thema, über das zu schreiben mich schmerzt und heilt zugleich und in noch winzigeren Häppchen an der Etüdenpausensommergeschichte. Die Adventüde mag sich noch nicht materialisieren, braucht noch Zeit.

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Cardámines Garten (3)

Am Freitag nun sollte die Gartenbaufirma mit dem Bagger kommen, um mit der Bereitung von Cardámines Insektenwiese anzufangen.

Die Fee und die Frau Fundevogel fragen sich noch immer, ob es wirklich so aufwändig sein kann und sollte , eine Wiese wachsen zu lassen, aber der Kleine Fundevogel freut sich riesig auf den Bagger, der die vorhandene Grasnarbe abschälen soll.

Wir beschließen, dass er zur Feier des Tages nicht in die Kita zu gehen braucht. Vor der Einschulung ist das Setzen von Prioritäten zum Glück noch der Familie überlassen.

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Rührteig, Eigewichtsklassen und die fünf Säulen der Sozialversicherung

… beschäftigen das Nest gerade vollauf. Der Erzählvogel schlägt Kapriolen und behängt sich mit glitzernden und umgefärbten Federn, um den hadernden Großen Fundevogel bei der Lernstange zu halten und der zwanzig Jahre alten Geschichte Ich kann das ja sowieso nicht ein überraschendes Kapitel hinzuzufügen.

Niemals hätte ich gedacht, was Fachpraktiker Hauswirtschaft alles wissen müssen. Und der Kleine Fundevogel gibt alles, um bloß keine dreieinhalb Sekunden zwischen Hefeteig und dem Unterschied zwischen Frischmilch, Rohmilch, H-Milch und ESL-Milch in Vergessenheit zu geraten.

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