Ein Todesfall (ABC-Etüde)

Den Laden aufschließen, die Kasse öffnen, jeder Handgriff eingesponnen in den Kokon der Traurigkeit.

Was hast du?, fragt Marieke, die liebste Kollegin. Ach, schlecht geschlafen, Kopfschmerzen, einen Kaffee, dann ists besser. Wir öffnen gleich. Ich kann mich nicht verkrümeln. Ich werde ihr nicht von Micha erzählen, Marieke wird überhaupt nie erfahren, dass ich einen Bruder gehabt habe. Auf den spärlichen Fotos sieht sein Gesicht inzwischen aus wie ausgeliehen. Beim Zurechtrücken der Auslagen stelle ich mir vor in Mariekes Armen zu weinen. Es täte unendlich gut. Anständig wäre es nicht.

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