Aus dem Keller geholt IV (Etüdensommerpausenintermezzo)

Erste Äpfel reifen, Brombeeren und Bohnen auch. Was man jetzt nicht gepflanzt hat, wird dieses Jahr nichts mehr. Die ersten Zeichen, dass auch dieser Sommer in seine letzte Runde geht, noch drei, vier Wochen, dann werden die Mauersegler davonziehen. Ich möchte ihre Schreie, ihren Anblick in mich saugen, die Wärme, die Helligkeit, das Bild der Hummeln auf der Goldrute, denn die Wucherblume ist schon vorbei, einen Seelenwintervorrat anlegen möchte ich in mir, weiß, dass ich mich sehnen werde, monatelang. Feuchte Wärme, ich weiß,  vielen ist sie eine Qual, mir ist sie ein Lebenselixier.

Auch die Sommerferien trudeln ihrem Ende entgegen, Dienstag fangen der Kleine Fundevogel und ich wieder an, am Donnerstag der Große Fundevogel, sehe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf uns zukommen. Ich genieße das Zusammensein mit den Fundevögeln, den Tag langsam angehen zu lassen, nicht morgens schon „antreiben“zu müssen, sondern kuscheln und vorlesen zu dürfen und später am Tag in Teichen und Bächen zu planschen.

Und ich merke wie der Kleine mich 24 Stunden am Tag an meine inneren Grenzen bringt, es ist nicht die Unruhe, die ist anstrengend, aber zu ertragen, es ist sein grenzenloses Ausflippen bei jeder Anforderung , jeder Grenze, läuft etwas nicht wie er will, hat also etwa ein anderer Passant die Ampel gedrückt, wird die Wut grenzenlos, mit Worten, Schlägen, Tritten und Bissen, wieder und wieder, unzugänglich, als sei ein Geist in ihn gefahren. Ein Geist, der meistens schnell wieder davonfliegt, trotzdem höhlen diese Attacken mich aus. Ich möchte mich nicht mehr provozieren lassen, aber am Ende des Tages passiert es doch. Nächste Woche gönne ich mir Erziehungsberatung – viel Hoffnung setze ich da gerade rein, hoffentlich nicht zu viel, noch glaube ich an einen Weg aus dem Irrgarten, in dem wie irgendwie gerade sind.

Denn ich sehe auch den Jungen, der nicht glauben mag, dass sein Gast behinderungsbedingt nicht Roller fahren kann, ihn draufhievt und umsichtig festhält. (was ihn nicht hindert kurz danach wegen irgendeines Fliegenschisses wieder auf ihn loszugehen)

Und weil solcherart verbrachte Freien dem Schreiben schlechten Boden bereiten, hole ich noch eine letzte Etüde für Christianes Sommerintermezzo aus dem virtuellen Keller, irgendwie meine liebste, ein gelungenes Textkind, das ich voller Stolz betrachte.

Hier ist es, die Wörter spendete M.Mama, deren Blog leider schon länger schweigt.

Ihnen allen wunderbare Spätsommertage.

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7 Gedanken zu “Aus dem Keller geholt IV (Etüdensommerpausenintermezzo)

  1. hummelweb August 3, 2019 / 7:01 am

    Wirklich eine sehr schöne Etüde, die du da verlinkt hast, und sie hat eine Kaskade von Erinnerungen in mir freigesetzt…
    Herzliche Grüße von einer, die die feuchte Wärme auch schön findet 😉
    Hummel

    Gefällt 1 Person

  2. Christiane August 3, 2019 / 7:27 am

    Ich bin heute noch genau so beeindruckt wie damals, als du sie veröffentlicht hast. Wie man so viel … Horror … in einem Satz unterbringen kann.
    Sehr fein, vielen Dank fürs Erinnern.
    Liebe Grüße
    Christiane 🌞👍

    Gefällt 1 Person

  3. dergl August 3, 2019 / 7:44 am

    Ja, die war so schön und so respektvoll auch. Es freut mich, dass die auch zu deinen Lieblingen zählt.

    Gefällt 1 Person

  4. Myriade August 3, 2019 / 2:24 pm

    Eine sehr plastische Vorstellung hatte und habe ich bei dieser Etüde. Die alte Frau, die Wohnung, einen Duft, das leise Klappern der Knöpfe. Eine schöne Idee diese Sammlung von Knöpfen, die für Menschen stehen, die gegangen sind …

    Gefällt 1 Person

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