Von Abschieden und dem, was bleibt

Die meisten von Ihnen wissen, dass Steffi, die sehr lange und intensiv ihren Blog Mijonis Welt geschrieben hat, Anfang des Monats an ihrer schweren Krankheit gestorben ist.

Ich habe ihren Blog mit Anteilnahme gelesen und sie meinen auch, ihr verdanke ich hilfreiche Gedanken und Erfahrungen zu der Entscheidung den Kleinen Fundevogel medikamentös behandeln zu lassen.

Ihre älteste Tochter erwägt den Blog weiterzuführen. wie immer sie sich in dieser Sache entscheidet, ich finde es einen anrührenden Gedanken.

Auch Astrid, eine liebe Bekannte aus dem wirklichen Leben, verbringt ihre letzten Tage auf Erden. Mit bewundernswerter Klarheit ordnet sie ihre letzten Dinge.

Ihr großer Wunsch ist, dass ihre bemerkenswerten Texte nicht verlorengehen, welcher oder welche Schreibende könnte das nicht verstehen. Sie hat deshalb auf einer Website zusammengestellt, die der Förderkreis Rettet die Elbe betreuen wird.

Wer sich für Umweltschutz, norddeutsche Geschichte und regionale Ernährung interessiert und vielleicht sogar gern ab und an Platt lesen mag ist, bei Astrid Matthiae auf jeden Fall richtig.

Schauen sie einfach mal rein.

Schlaflos (ABC-Etüde)

Mein einst süßer Schlaf hat sich davongemacht wie ein Liebhaber, der eine Jüngere gefunden hat.

Mama ist mondsüchtig, witzeln die Mädchen, wenn sie mich bei ihren habschlafenden Toilettengängen am Fenster stehen sehen. Ich wäre zufrieden, läg ich nur in Vollmondmächten eingesponnen da, mit klopfendem Herzen, preisgegeben dem Schwinden der Tiere. Tagsüber suchen meine Augen nach Faltern und Vögeln, vielleicht wird der flüchtig übers Firmament huschende Mauersegler nicht bleiben können.

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Zlata und Matilda (ABC-Etüde)

Die Magnolie blüht, die Tulpen auch. Zlata schiebt ihr Püppi im Puppenwagen von Matildas Tochter herum, jahrelang hatte der ungenutzt auf Enkel wartend auf dem Boden gestanden. Die Kleine geht jetzt in die Kita und versteht jeden Tag mehr, so lang dauert dieser verdammte Krieg nun schon.

War das mit dem Deutsch bei Frau Rahloff und ihr damals auch so flott gegangen? Sie weiß es nicht mehr.

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26.April 1986

Gedenkstein am Zaun des Atomkraftweks Brokdorf (am Netz von 1986-2021)

Gedenken wie in jedem Jahr an alle Menschen und Landschaften, die durch den schwersten Atomunfall der Geschichte getötet wurden oder bis heute verwundet sind.

Gedenken an die „Liquidatoren von Tschernobyl“, jene Männer, die vor 36 Jahren das brennende AKW aus der Luft löschten, es eiligst irgendwie unter Sand und Beton verbuddelten, ihre Gesundheit opferten, manche freiwillig, viele gezwungen,die meisten kaum informiert und ganz Europa vor noch Schlimmeren bewahrten.

Ich möchte, dass sie niemals vergessen werden.

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Osternacht (sehr späte ABC-Etüde)

Mit ratlosem Wohlwollen akzeptierten ihre Eltern, dass ihre Tochter dieses Ostern in den Armen der Kirche und mit Jadwiga verbringen würde.

Kaum hatten sie ein paar Stunden nach der durchgemachten Gründonnerstagsnacht geschlafen, rannten sie in den Gottesdienst zur Sterbestunde Jesu. Am Karsamstag, an dem die Gläubigen doch in andächtiger Stille verharren sollten, waren die Jugendlichen aufgerufen, die Kirche zu schmücken mit dem Grün der jungen Birken, mit Osterglocken, Tulpen und vor allem Buchsbaum, den sie an diesem Tag eimerweise im Kirchgarten schnitt, weil Jadwiga ständig mehr davon verlangte.

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Gründonnerstag (ABC-Etüde)

Machst du mit bei der Gründonnerstagsnacht?, fragte Jadwiga sie und sie wusste gar nichts darauf zu antworten.

Gründonnerstag, das Wort hatte sie immer geliebt, grün wie die ersten Birkenblätter, violett wie Lerchensporn, hatte gehört, dass es bei manchen Leuten da Spinat zu Mittag gab.

Aber was war mit der Nacht?

Der Abend war apriliger wie er nicht hätte sein können, ein sanfter Regen fiel und um die kleine katholische Kirche am Stadtrand herum lugten Buschwindröschen und Scharbockskraut unter blühenden Felsenbirnen hervor.

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Hubschrauber

An einem einzigen Tag meines Lebens bin ich in einem Hubschrauber geflogen als begleitende Intensivschwester bei einer Langstreckenverlegung. Schnell fiel die Entscheidung an jenem regnerischen Tag. Ehe ich es richtig realisierte, hoben wir auch unter den neideischen Blicken meiner Kolleginnen schon ab– ein Erlebnis, das für mich unter man muss alles mal mitgemacht haben fällt.

Spannend war es. Lehrreich. Laut. Hochkonzentriert. Eng. Mulmig. Auch für den Magen.

War schon froh, dass das kleine Mädchen, um die sich alles drehte, während des Fluges keiner besonderen Tätigkeiten meinerseits bedurfte, sondern ruhig an ihrer Beatmung schlief. Sie ist am Ende ganz gesund geworden, da wo wir sie hingebracht haben.

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Letzter Märztag

Beim Hochziehen des Rollos schimmert die morgendliche Dunkelheit.

Kleiner Fundevogel, steh auf, schau, was für eine Überraschung!

In dieser Fülle gab es das in diesem eigentlich vergangenen Winter noch nicht.

Hineingeboren in die Phase des massiven Klimawandels hat Schnee im Leben des Kleinen Fundevogels bisher keine große Rolle gespielt. Die Schlitten und Plastikrutscher, die für die Geburtstagsfeiern des Großen Fundevogels im Grundschulalter unabdingbar waren, stauben im Keller vor sich hin.

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Der Taschendrache handelt auf seine Weise (verschlafene ABC-Etüde)

Jeden Tag freut sich der Taschendrache darauf in den Garten zurückzukehren, in dem er auf so wundersame Weise entstand. Was wird heute blühen, fragt er sich, wenn er aus ihrer kuscheligen Rocktasche schlüpft und freut sich, wenn sie ruft schau mal der Huflattich, sieh nur das Scharbockskraut, und hier die Buschwindröschen.

An zu vielen Tagen aber registriert sie die Schönheit nur aus dem Augenwinkel, hakt wie eine Buchalterin ab, Buschwindröschen 2022 erblüht, kein Handlungsbedarf. Wo bleibt der saumselige Lerchensporn?

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100 Milliarden für einen Friedensfond (Gastbeitrag)

Sprachlos. Ratlos. Fassungslos.

So geht es wohl fast allen beim Blick auf die Nachrichten auf aus der Ukraine, kaum welche, die sich nicht mit denen identifizieren, die da voller Angst und Fassungslosigkeit in U-Bahnschächten ausharren müssen.

So ging es mir nach der Rede des Bundeskanzlers am 27.2., in der er eine Zeitenwende heraufbeschwor. Eine Zeitenwende wohin?

In ein neues Wettrüsten? In einen Krieg am Ende?

Können Waffen die einzige Antwort auf einen grausamen, zweifelsohne völkerechtswidrigen Angriffskrieg sein?

Ist das wirklich das einzige Mittel, das bleibt?

Der folgende Text von Jan Stehn bringt das, was ich gern dazu sagen würde, sehr viel besser auf den Punkt, als ich es gerade zustande bekomme.

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