Inklusive Wechselfälle

Im Februar vergangenen Jahres veröffentlichte ich einen Erfahrungsbericht über schulische Inklusion als Gastbeitrag auf dem Blog Kleinstadtlöwen.

Die Kleinstadtlöwen befinden sich nun schon länger im geschützten Modus.

Beim Stöbern in meiner Statistik habe ich neulich festgestellt, dass just dieser alte Beitrag sehr oft angeklickt wird.

Deshalb stelle ich diesen Text hier noch einmal für alle Interessierten lesbar ein. Weiterlesen

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Wie der Froschkönig die Frau Fundevogel etwas lehrte (ABC-Etüde)

Die Wörterspende für die Etüden stamm dieses Mal von Viola, deren ehrlichen Texte ich sehr gern lese.

Froschkönig

trüb

helfen

heißen ihre Wörter, die in einem Text mit höchstens 300 Wörtern vorkommen sollen.

Alles mehr oder weniger Märchenhafte, das um Violas Wörter herum gesponnen wurde, findet sich bei Christiane, die wie immer alles vorbildlich organisiert und illustriert hat. Weiterlesen

Der Frau Magister ganz wunderbare Ferien

Teilt man sein Leben mit Kindern ab etwa fünf Jahren aufwärts und trifft dann Menschen, auf die das auch zutrifft, landet das Gespräch über kurz oder lang bei dem Thema Schule im Allgemeinen und bei den dort Arbeitenden im Besonderen.

Unmöglich, vollkommen unfähig, überfordert sind Vokabeln, die in diesen Gesprächen häufig fallen. An Lehrern und Lehrerinnen kein gutes Haar zu lassen scheint fast so beliebt zu sein wie verbal über Menschen hererzufallen, die sich in der Kommunalpolitik abrackern.

Es manchen Eltern recht zu machen, muss fast unmöglich sein.

Ich bin auch schon an Menschen dieses Berufsstandes verzweifelt. Ich selbst bin ausgespochen ungern zur Schule gegangen, war aber immer eine Schülerin mit akzeptablen Leistungen und ansonsten wahrscheinlich völlig unauffällig, habe also wenig Stress mit Lehrern gehabt, diesen aber manches Mal ungläubig bei anderen mit angesehen, Freundinnen in existentielle Krisen stürzen sehen. Obwohl die meisten, die ich kannte, ihre Eltern deutlich mehr zu fürchten hatten als ihre Lehrer- und das erschreckt mich bis heute. Weiterlesen

Junikind — die Liebeserklärung, die noch fehlte

Die Fundevögel, der Große und der Kleine, haben diesem Blog seinen Namen gegeben.

Doch im Nest lebt noch ein sehr Geliebter, einer, der lang schon kein Kind mehr ist und doch mein Baby war, das ich Ende des letzten Jahrhunderts an einem Mittwoch noch Pfingsten gebar (nun ja, mir mühsam entrissen wurde, aber das erspare ich Ihnen).

Die Erinnerung versteht vieles zu retouchieren, mit Weichzeichnern und entzückenden kleinen Ornamenten zu versehen, da soll man sich nichts vormachen, heißt es mahnend.

Ja, ich weiß.

Es gab in der ersten Zeit mit Kind auch einiges an Tränen, Zweifeln und  Verwerfungen, nicht zuletzt mit dem Mann, ohne den es dieses Kind nie gegeben hätte.

Geblieben, im Herzen spürbar geblieben, ist die Erinnerung an das Glück der ersten Jahre, vielleicht auch das ein Grund, dass ich mich seit jeher schwer tue, mich für die Bedürfnisse von Alleinerziehenden zu engagieren oder wenigstens so zu interessieren, wie es für eine dreifache alleinerziehende Mutter naheliegend wäre. Weiterlesen

Das Rauschen in den Kronen

Der Kleine Fundevogel schläft schnuffelnd unter seiner Marienkäferlampe, die Spülmaschine brummt dezent vor sich hin. Die Großen sind nicht da.

Ich trete auf den Balkon, fülle die Vogeltränke, gieße die Kräutertöpfe, hänge Wäsche ab und Wäsche auf, wie die Gezeiten über einen alten Stein im Wattenmeer laufen die Wäschestücke regelmäßig durch meine Hände, auf den Wäscheständer und wieder herunter, Ebbe und Flut, Aufhängen und Abhängen bis in alle Ewigkeit.

Es rauscht, nicht die Gezeitenwäsche ist das, die Baumkronen rauschen, die Baumkronen, die unser Nest so kuschelig umgeben, als hätten wir es wirklich in die Äste hineingebaut zwischen Hainbuchen, Spitzahorn, Ahlkirsche und Weißdorn. Endlich rauscht ihr volles Sommerlaub wieder im Winde. Ohne dass es mir bewusst war, fehlte mir dieses Geräusche den ganzen blattlosen Winter lang wie die Schreie der Mauersegler. Weiterlesen

Schreimutter

In unseren Haushalt hat sich ein Buch („Schreimutter“ von Jutta Bauer, erschienen bei Beltz&Gelberg) geschlichen. Ich finde die Geschichte schrecklich, aber der Kleine Fundevogel möchte sie dauernd vorgelesen bekommen:

Eine Pinguinmutter schreit ihr Kind so heftig an, dass es auseinanderfliegt. Die einzelnen Körperteile fliegen in alle Himmelsrichtungen, landen im Meer, im Dschungel, sogar im Weltall. Nur die Füße sind noch da und rennen verzweifelt los –  ohne Augen, die sehen könnten, ohne Schnabel, der um Hilfe schreien könnte, nicht einmal Flügel hat er mehr, mit denen er ängstlich flattern könnte.

Schreimutter sammelt alle Teile ein, näht ihr Kind wieder zusammen und sagt „Entschuldigung“. Damit soll alles wieder gut sein. Flügel in Flügel stehen sie sichtbar vergnügt an der Reling eines irgendwie fliegenden Schiffes. Als sei nichts geschehen.

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis.

Mir schnürt es beim Lesen den Hals zu.

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Nächtliches Intermezzo

In der Stunde, in der der Schutzmantel der Seele am durchlässigsten ist, in der Stunde der Nachtgespenster, werde ich wach. Durchs geöffnete Fenster faucht der Wind, die Baumkronen, die unser Zuhause im zweiten Stock so wundervoll umkränzen, sind in ächzender Aufruhr.

Hat mich das geweckt? Oder waren es die zwei eisekalten Füßchen, die sich unter mein Nachthemd schieben, die ebenso klammen Händchen, die sich um meinen Nacken legen?

Was ist das?, fragt ein banges Stimmchen.

Und ich antworte, was Eltern seit Menschengedenken ihren Kindern antworten, wenn sie wach werden, in den Stunden, in denen die Gespenster unterwegs sind: Es ist nichts, es ist nur der Wind. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Und hör mal: Es regnet. Weiterlesen

Österliches

Aus diesen und jenen Gründen und vor allem weil nicht abgeschlossen war (Kinder, die glauben erwachsen zu sein, grmpf) bin ich nach abgesandter Etüde mitten in der Osternacht zum Schrebergarten gelaufen. Einmal angekommen und die nötigen Handgriffe erledigt, konnte ich natürlich nicht widerstehen mit der Taschenlampe übers Grundstück zu streiche: Kein Igel, keine Kröte, kein Frosch. Schade. Doch haben sie schließlich keinen Vertrag mit mir.

An den Bienenstöcken dagegen , wo ich wirklich nichts und niemanden erwartet hatte, herrschte ein sommerliches Treiben wie im Schanzenviertel (ein beliebtes Partyviertel hier in der Stadt). Weiterlesen

Für Ulli Gaus Alltags-Projekt: Aus dem Nestalltag (3)

Das spannende Projekt „Alltag“ wird fortgesetzt. Wieder ist bei Ulli Gau im Café Weltenall ein buntes Kaleidoskop von Texten eingetrudelt, die zeigen, wie verschieden Alltag doch sein kann.

Auch ich setze meine Nestalltagsreihe gern fort.

Weil hier letze Woche alle krank waren, ich dieses Wochenende arbeiten muss und die Fundevogelkonfirmation am nächsten Wochenende ihre Schatten voraus wirft, habe ich es mir diesmal einfach gemacht und auf einen alten Text von mir zurückgegriffen. Er erschien erstmalig  im 2.Quartal 2016 unter dem – wie ich fand – nicht sehr gelungenen Titel Hausbesuch von der Großfamilie im Hamburger Blickpunkt Pflegekinder, für den ich manchmal ehrenamtlich schreibe, ich habe ihn leicht überarbeitet. Weiterlesen