Das Leben in den Zeiten der Koboldkriege

Keine Fantasy diesmal.

Leider.


Eine Armee ist in unser Nest eingefallen. Vor Jahren schon. Ein Heer listenreicher Koboldwesen. Viele sind sie.

Und gerissen.

Wenn meine Großmutter mal wieder ihre Brille verlegt hatte, rief sie da sitzt doch wohl schon wieder so ein Kobold drauf!

Erst wenn der sich wegbequemt hatte, wurde die Brille wieder sichtbar, lag, wo die Oma doch vorher schon fünfmal nachgesehen hatte. Weiterlesen

Regentonnenblues

Die Regentonne geht kaputt, wenn du Steine reinwirfst, lass es sein!

Wie oft kann man einen Satz wiederholen? In Variationen, mit Erklärung und ohne, ruhig und genervt. Alle Steine in einem Garten wegzuräumen ist unmöglich.

Und so ist die Kunststoffregentonne schließlich erfolgreich leck geschlagen.

Ich hätte in Tränen ausbrechen können. Weiterlesen

Mitternächtliches

Gegen Abend nun fängt es endlich an zu regnen, sehr, sehr zaghaft noch und keineswegs ausreichend. Das erleichterte Seufzen von Gras und Bäumen bilde ich mir bestimmt nur ein. Der Duft aber ist einer der geliebtesten. Petrichor heißt das — habe ich beim Bloggen gelernt. Nachdem der Große Fundevogel und ich, mal mit der Materie, mal eher miteinander ringend, die Matheaufgaben besiegt und ich das Durcheinander in Küche und Diele halbwegs beseitigt habe, hält mich nichts mehr. Ich vertraue das schlafende Fundevögelchen seinem Bruder an, schlüpfe in die Schuhe und laufe los, einmal um den (Feen-)Teich, sauge Petrichor in meine Lungen, dazu den Duft der blühenden Ahlkirschen, zu frühen Weißdorns und Flieders. Genieße jeden Tropfen in meinem Gesicht. Weiterlesen

Kringelzeiten und Aprilfeen

Ist es momentan dekadent die vom Kind liegen gelassenen Nudeln an die Hühner zu verfüttern? Wo Nudeln doch zurzeit so schwer zu bekommen sind.

Nicht der einzige sonderliche Gedanke, den die letzte Zeit hervorgebracht hat.

Im Nest herrscht gewissermaßen Ausnahmezustand deluxe, wir sind einigermaßen gesund, verfügen über ein krisenfestes Einkommen und die innere Stabilität über seltsame Kinderverhaltensweisen weder gewalttätig noch mutlos zu werden, vom Dach über dem Kopf und dem Schrebergarten in der Nähe ganz zu schweigen.

Keine Termine bei Jugendämtern, Theapieeinrichtungen, Diagnostikern, Schulämtern, alles was so wichtig für unser Leben gewesen sein soll, so unverzichtbar, dass der Frau Fundevogel mit dem Jugendamt gedroht werden muss, weil sie den Therapiewald auslichten wollte, hat keine Relevanz mehr. Weiterlesen

Heute kann es regnen, coronan oder schnei’n…

Seit Freitag bröselten die Fundevogelgeburtstagspläne dahin. Beim Abholen aus der Kita war klar, dass die Geburtstagsrituale der Kita für den Kleinen Fundevogel diesmal nicht stattfinden würden, jedenfalls nicht an seinem Geburtstag. Am Sonntag sagte ich dann den Gästen für nachmittags auch ab. Das Vögelchen war und ist ordentlich am Husten. Wie bei jedem kleinsten Infekt vermutlich wochenlang, das kennen wir schon und die Hustenhygiene sitzt noch immer nicht, obwohl schon lange vor Corona eingeführt. Feiern mit der Oma und den ebenfalls hochbetagten Großeltern aus Leidenschaft wurden deswegen ebenfalls gestrichen. Gestern noch hegte ich -meiner Abneigung gegen Zoos trotzend – den Plan zur Feier des Tages einmal leibhaftige Elefanten anzugucken, vorausgesetzt der Husten sei soweit eingedämmt, dass man sich in eine U-Bahn wagen könnte. Weiterlesen

Wahlsonntag

Vor ein paar Wochen nun plumpsten drei dicke Umschläge in den Nestbriefkasten, die Unterlagen zur Teilnahme an der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Der Große Fundevogel reagierte alarmiert: Muss ich das? Beißt das? Da beschäftige ich mich später mit. Vergesse ich lieber einfach.

Könnte man natürlich so laufen lassen, es gibt keine Wahlpflicht in Deutschland, aber es widerstrebt mir. Habe ich nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um dem Fundevogel eine gesetzliche Betreuung zu ersparen? Gehört in einer Demokratie leben zu lernen nicht irgendwie auch zum Erziehungsauftrag? Weiterlesen

Tenebrio molitor

Der Erzählvogel ist unzufrieden mit der Frau Fundevogel.

„Findest du dich nicht etwas trübsinnig zurzeit?“, moniert er.

Bin halt nachdenklich, reg dich nicht auf, das vergeht wieder“.

„Ich kann die erzählen was ich will, du machst garantiert einen Text daraus, der dir nachher für deinen Blog zu missgelaunt ist.“

„Grmpf“

„Was ist das für eine unqualifizierte Antwort?“

„Eine, die alles sagt.“

„Als ob hier nur Trübsinniges passieren würde, denk doch mal an…“

Finger und Schnabel stürzen sich auf die Tastatur. Weiterlesen

Vorweihnachtsgeist

Die Hamburger Hochbahn wünscht ihren Fahrgästen filmreife Weihnachten.

Was soll das denn sein?

Brennender Tannenbaum? Spektakuläre Schlägerei um das letze Stück Stollen? Verhaftung des Weihnachtsmanns durch ein Sondereinsatzkommando während der laufenden Bescherung? Danke, ich verzichte und wünsche mir ein Fest, bei dessen Verfilmung das Publikum nach zehn Minuten vor Langeweile das Kino verlässt.

Ich schiebe es ein bisschen auf die wundersame Wirkung des Adventüdenkalenders, jedenfalls fühle ich mich dieses Mal Weihnachten gewachsen: Sonst erschien mir dieses Fest Jahr für Jahr wie eine Flut, in der es möglichst nicht unteruzugehen galt. Doch 2019 plansche ich recht vergnügt durch gewaltige Wassermassen und sehe mir erstaunt dabei zu. Weiterlesen

Scheppernde Collage (nachgereichte ABC-Etüde) und ein Adventskalenderrausch

Morgens aufwachen und mit bloßen Füßen durch die noch ungeheizte Wohnung tappen und das nächste Päckchen vom Kalender schneiden, ach nein, den Computer hochfahren, mit aufgeregt zappelnden Fingern das nächste Päckchen im Etüdenadventskalender öffnen und sich eine Geschichte auf der Zunge zergehen lassen mit der Süße von Zimtkakao oder der herben Bitternis des Lebens. Zuckerquietschebunt wird vielleicht noch kommen.

Man weiß es vorher nicht, aber jedes Päckchen bisher war ein Gewinn.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich in diesem Leben ein Adventskalender noch einmal so elektrisieren könnte, ich stehe mit meiner morgendlichen Ungeduld kaum dem Kleinen Fundevogel nach. Wenn das mit dem unbemerkten morgendlichen Tappen über die Dielen auch noch gar nicht geklappt hat, doch gut angerichtete Buchstaben munden bekanntlich zu jeder Tageszeit.

Tun Sie sich den Gefallen und schauen Sie rein. Weiterlesen

Vom lieben (Pflege-)geld

Ja, die Gerüchte stimmen: Die Frau Fundvogel lässt sich fürs Mama-Sein bezahlen.

Da ich in Hamburg wohne und eine Erziehungsstelle anbiete, sogar recht gut (wer jetzt Zahlen braucht, konsultiere bitte seine Suchmaschine, die Summen sind nicht geheim). Wohnten wir dagegen z.B. in Ostholstein, wäre der monatliche Betrag auf dem Konto deutlich niedriger.

Jeder Landkreis in Deutschland legt selbst fest, was Pflegefamilien monatlich für ihre Leistung bekommen. Die Unterschiede sind beachtlich, um nicht zu sagen schlichterdings ungerecht und mit dem Mietgefälle zwischen Großstadt und Land nicht schlüssig zu erklären. Der Unterhalt für das Kind orientiert sich an der ortsüblichen Grundsicherung, hinzu kommen die Kosten der Erziehung und die wird von Ort zu Ort sehr unterschiedlich wertgeschätzt. Ob irgendwelche zusätzlichen Hilfen gewährt oder verweigert werden, ob ein Kind in einer – teureren – Erziehungsstelle oder einer „normalen“ Pflegefamilie untergebracht wird,  all‘ dieses scheint nach Gusto der jeweils Zuständigen entschieden zu werden und in gewissem Maße auch von der Hartnäckigkeit und dem Verhandlungsgeschick der Pflegefamilien abzuhängen. Transparente, gar öffentlich nachlesbare Kriterien vermag ich nicht zu finden. Steuerfrei ist das Ganze aber grundsätzlich. Ich bitte diese Zustände beim weiteren Lesen dieses Textes im Hinterkopf zu behalten, jedenfalls bevor Sie über irgendeine Pflegefamilie in der Nachbarschaft herfallen, die Frau Fundevogel, die hat aber gesagt… Weiterlesen