Aufgetaucht

… ist der russische Osterhase!

Er war nie fort, sondern lag Jahre, Jahrzehnte in einem Keller in einer Schachtel ungenutzten Osterschmucks. Seine Fliege musste wieder angeklebt werden. Die Ohren haben diese Prozedur offensichtlich schon hinter sich. Sonst isr er unversehrt. Ein Hoch auf all‘ jene, die nicht der Heiligen Kuh des Ausmistens huldigen.

Die, die ihn verwahrte, kannte seine Geschichte nicht. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen ihren Enkeln mehr anvertrauen als ihren Kindern. Vieles was ich über meine Mutter weiß, erzählte mir zuerst mein Sohn. Erst dann konnten auch wir darüber reden.

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Konferenz — Julian und Cardámine 43

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an und geht dann fortlaufend nummeriert weiter:

Im Joromoauto sah es aus wie bei einer richtigen Konferenz in der Redaktion des „Neuen Tageblatts“. Wenn gar kein Babysitter aufzutreiben gewesen war, hatte Julian in der Vorschröterzeit einigen dieser Veranstaltungen beigewohnt. Da hatten auch alle ernst zusammen gesessen, nur waren die Teilnehmer trocken gewesen und niemand hatte Flügel gehabt. Außerdem interessierte Julian sich heute für das Besprochene, bei Herrn Grosse hatte er immer nur Meerschweinchen gemalt. Weiterlesen

Ortiga — Julian und Cardámine 16

Strahlender Ostersonnenschein – regnen könnte es gern mal wieder, sagt die Baumfreundin –  aber im Fundenvogelnest stürmt es wie in in meiner Geschichte. Ich hatte gedacht in dieser Zeit würde das Krankenhaus mich dauernd sehen wollen oder der Kleine Fundevogel rund um die Uhr würde zu mir anstrengend werden, stattdessen stürzt der Große durchs Dunkle und Zornesböen jagen durch das Nest. Soviel Munterkeit und Auferstehung kann kein Mensch in sich haben, um solch einem Sog ununterbrochen zu wiederstehen. Obwohl ich meiner Empathie gerade zu ihrem Stehvermögen gratuliert habe. Ich hoffe solcherlei Komplimente halten sie bei Laune, ohne sie würde es finster werden. Weiterlesen

Frohe Ostern

So ist es uns ergangen(1933)

So ist es uns ergangen.
Vergiss es nicht in bessrer Zeit!-
Aber Vöglein singen und sangen,
Und dein Herz sei endlos weit,


Vergiss es nicht! Nur damit du lernst
Zu dem seltsamen Rätsel „Geschick“.-
Warum wird, je weiter du dich entfernst, 
Desto größer der Blick?


Der Tod geht stolz spazieren.
Doch Sterben ist nur Zeitverlust.-
Dir hängt ein Herz in deiner Brust,
Das darfst du nie verlieren.


Joachim Ringelnatz

Ja, ich habe das selbe Gedicht Ostern vor einem Jahr schon einmal hier eingestellt. Weiterlesen

Frühjahrsdurchsicht (ABC-Etüde)

Es ist mir nicht gelungen.
Ich wollte zu Elke Speidels inspirierender Wortspende Forsythien, lächerlich, erfrieren eine garantiert coronafreie Fantasyetüde schreiben, aber das Thema dringt mit seinen langen, bohrenden Wurzeln invasiv in jeden Winkel des Kopfes vor.

Im Augenblick antworte ich auf 90 Prozent der Fragen meiner Kinder: Nein, ist nicht– wegen Corona. Besonders der Große Fundevogel, der sich noch nie allein beschäftigen konnte und fast immer unterwegs ist, ist sehr unausgeglichen. Weiterlesen

Die Garde der Tiger (ABC-Etüde)

Als der Kleine Fundevogel einzog, lasteten viele medizinische Hypotheken auf dem winzigen Körperchen, doch dann lief fünf Jahre alles zig mal besser als erwartet und die im Hintergrund skizzierten Gefahren verblassten … nun ja …zu Papiertigern ( nein, dies‘ ist noch nicht die Etüde).

Nun sind den Papiertigern wieder Zähne gewachsen, keine lebensbedrohlichen (kann man Tigern jemals ganz vertrauen?), aber sehr schmerzhafte und seit zwei Wochen piepst ein sonst so tolldreistes  Vögelchen „mir gehts nicht gut“ und noch ist keine rechte Lösung in Sicht.

Zeit und  ganz besonders Schlaf werden dieser Tage zu noch kostbareren Gütern als sonst. Weiterlesen

Das Zaubererhaus (ABC-Etüde)

Alles ist plötzlich  voller orangener Schmetterlinge. Bei Ihnen auch?

Distelfalter sind es, Wanderfalter, die den Winter im nördlichen Afrika und im Nahen Osten verbringen und von denen es alle paar Jahre Masseneinflüge gibt (bei Interesse ist reichlich im Netz darüber zu finden z.B.beim NABU)

Ich kann nicht umhin jedem einzelnen zuzulächeln. Und in meinem Garten, in dem es aus Zeitmangel noch irrer wuchert, als es sowieso schon soll, sind die Tische schon mal reich für sie gedeckt.

Vielleicht ist es ja dem Distelfalterumflattertsein zu verdanken, dass mir endlich mal wieder eine leichte Etüde gekommen ist, ausgerechnet zu den eher schweren Wörtern, die Werner Kastens spendete: Weiterlesen

Der Sog

Dieser Text enthält Links zu Websites, denen ich vertraue. Dass auch dort Daten von Ihnen gespeichert werden, ist Ihnen sicherlich bewusst.

Viel ist in den letzten zwei Wochen über das Fräulein Read On geschrieben worden, über die Bloggerin, der überzeugend vorgeworfen wird, sich eine jüdische Familiengeschichte und einiges anderes zusammengesponnen und als authentisch verkauft zu haben, bis hin zum Einreichen biographischer Angaben über erfundene und angeblich in Vernichtungslagern ermordete Familienmitglieder bei der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem.

Sie lässt mich nicht los, aber ich werde diese Geschichte nicht noch einmal wiederkäuen. Sie ist im Netz vielfach verfügbar, einschließlich reichlicher Empörung, es-schon-immer gewusst haben (ich nicht!) und vieler Versuche das irgendwie doch sehr Erschütternde einzuordnen, Lehren daraus zu ziehen und der ratlosen Frage, was um Himmels Willen attraktiv daran sein könnte, als Nachfahrin von Holocaustopfern wahrgenommen zu werden.

(besonders nachdrücklich fand ich diesen Text)

(und sehr behutsam und liebevoll jenen) Weiterlesen

Viele Geburtstage und ein Geschenk

Lange haben die Krokusse in diesem kalten März gezögert, nun tun blühen sie trotz des eisigen Windes (und jetzt schneit es auch noch!) voller Elan. Falls mal ein paar Minuten die Sonne scheint, schwärmen die Bienen aus und tragen dicke Klumpen, „Pollenhöschen“ , leuchtend orangen Krokusspollens an ihren hintersten Hinterbeinen in die Stöcke und füttern ihre Brut damit. Endlich ihr lieben Bienen, ihr habt mir gefehlt. Weiterlesen