Im Regen

Rundum warm war die Weihnachtslesung im Café Mehlbeere, angenehm geheizt und vor allem menschlich warm. Es brannte kein Feuer, aber es fühlte sich an, als säßen wir um eines herum. Vor der Lesung Geschichten und Erinnerungen ausgetauscht mit den befreundeten Herrinnen des Cafés, gelacht und nachdenklich gewesen. Die Lesung selbst hat gefallen, das oberste Gebot du darfst dein Publikum nicht langweilen, scheine ich erfüllt zu haben.

Auf dem Weg zum Zuge peitschten uns eisige Böen genau entgegen, es regnete mit einer Macht, die gefühlt irgendwo zwischen echt norddeutschem Schietwedder und Apokalypse lag, die Herzensfreundin gab ihrem Rollstuhl die Sporen, der Große Fundevogel und ich rannten, nichtsdestotrotz klatschten hinterher drei Jeans eiskalt an den Beinen ihrer schlotternden Besitzerinnen.

Ein einzelner Mensch stand auf dem Bahnsteig und fragte, wann denn der Zug nach Kiel käme.

Nach Kiel? Im Leben fährt hier kein Zug nach Kiel, aber in ein paar Minuten kommt hier ein Zug nach Lübeck, da können Sie umsteigen. Weiterlesen

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Der Nikolaus der vergessenen Schuhe

Der Adventskalender hängen, der Adventskranz hält mehr oder weniger zusammen und der Student der Geowissenschaften bäckt Stollen. Auch wenn die Japanischen Kirschen hier in der Straße zur Unzeit blühen, die Zeit für Weihnachtsgeschichten ist gekommen.

Diese hier schrieb ich vor einigen Jahren zum Nikolaustag für den Großen Fundevogel, der nicht Ina heißt, aber das Nikolaus-Sein im Herzen trägt. Außer der Namensänderung habe ich nur noch ein paar Insiderinfos hinzugefügt, ohne die die Geschichte außerhalb des Nests schwer verständlich wäre.

Am nächsten Samstag werde ich wieder im wunderbaren Café Mehlbeere in Großenbrode Weihnachtsgeschichten vorlesen (mehr dazu in der Seitenleiste) und bin ganz schön aufgeregt und beschäftigt deswegen. Weiterlesen

Wie der November roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Wieder beschreibt und sammelt das bezaubernde Fräulein Read On Geruchseindrücke des vergangenen Monats.

Am besten lesen und schnuppern Sie dort selbst.

Und so roch es hier:

Der November riecht nach geschlossenen Fenstern, nach Heizung riecht er und der ungelöstenFrage, wieviel Heizung ist für das Klima zuviel, wie wenig für die Bewohner zuwenig? Weiterlesen

Ewigkeitssonntag, Etüden, Ergebenheit

Totensonntag, Ewigkeitssonntag, das protestantische Pendant zu Allerseelen, der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Ich glaube noch immer nicht an Gott, aber der Rhythmus des Kirchenjahres gibt Takt. Auf dem Frühstückstisch sollen wie jedes Jahr Kerzen brennen für die, die im Umkreis des Nestes gestorben sind, ob sie nun Menschen waren, Fell oder Federn trugen. Weiterlesen

Anderer Blick

Die Auszubildende der Kita fragt, ob sie den Kleinen Fundevogel zum Objekt einer Hausarbeit machen darf. Und ob sie dafür Fotos machen darf.

Sie darf.

„Gucken Sie mal, voll süß geworden“, strahlt sie und schenkt mir Abzüge der Fotos. Liebevoll fotografiert, denke ich.

Ein paar Wochen später strahlt sie noch mehr: Bestnote! Ob ich ihre Hausarbeit vielleicht lesen möchte? Weiterlesen

Die kleine Schwester der Zauberei

Auf meinen Text von vorgestern über den Großen Fundevogel und auch auf den über den Kleinen vom Sommer bekam ich schöne und herzwärmende Kommentare.

Dafür noch einmal den allerherzlichsten Dank.

Und mag es sich auch ein wenig verrückt anhören, nicht nur die Kommentare, auch die Texte erwärmen mein eigenes Herz, das sich nach Wärme sehnt, denn auf meinem Herzen lässt die Schwere sich gerade gern nieder, sitzt da immer mal wieder wie eine riesige, klamme, schleimende Nacktschnecke. Weiterlesen

15 Jahre Großer Fundevogel – die zweite Liebeserklärung

Lieber Großer Fundevogel,

Vor ziemlich genau fünfzehn Jahren trat ich aus einem Fahrstuhl. Übel vor Aufregung war mir dabei, denn dort erwartete mich eine Frau, neben ihr ein Buggy mit einem wohlverpackten Kind. Das Kind war nicht besonders gut zu erkennen, war der größte Teil doch durch einen dunkelblauen Schneeanzug verdeckt. Was noch rausguckte, verschwand unter einer Mütze mit rotem Rand und hinter einem Schnuller, der falsch herum im Mund saß. Weiterlesen

Novemberleuchten

Die Sonne ist mit ihrem dünnsten Wolkenschleier angetan. Zerstäubt wie Mehl aus einem großen Sieb rieselt das Licht auf Fluss, Sträucher und Weg.

Gelb ist der Weg, so gelb wie ein Kind die Sonne malen würde. Sonnengelb ist der Weg, auf dem das Kind, das nie eine Sonne malt, auf einem gelben Fahrrad fährt. Weich ist der Weg unter dem Kind und er leuchtet. Leuchtet sonnengelb. Sanft fallen gelbe Blätter durch zerstreutes Licht, machen noch weicher den laubgelben Weg. Machen frei den Blick durch die Zweige. Weiterlesen

Wie der Oktober roch (inspiriert von Fräulein Read On)

Das geschätzte Fräulein ReadOn führt ihre wunderbare Suche nach Gerüchen weiter. Schon ist auf ihrer Seite wieder ein wahres Zauberkästchen zum Schnuppern und Festlesen zusammengetragen worden. Weil es hier in den ersten Novembertagen nach der Salzlösung im rauschenden Inhaliergerät, nach dem Salbei, der meine Halsschmerzen tatsächlich fortnehmen konnte und dem Schnupfenatem eines kleinen Kindes roch, kommt mein Beitrag erst jetzt. Weiterlesen