Dennis — Julian und Cardámine 9

An diesem Frühlingstag, der schon vom Sommer träumte haben die geschätzte Mitimkerin, der Kleine Fundevogel und ich die Bienenkisten geöffnet und das pralle Leben gesehen. Unzählige Bienen, viel Brut, aus der Arbeiterinnen und Drohnen schlüpfen werden und wir haben den unglaublichen Duft nach Wachs, Bienen und Holz und Honig schnuppern dürfen (mit Mundschutz!).

Bienen können so glücklich machen.

Als ich die Geschichte von Cardámine schrieb träumte ich noch davon mit Bienen zu leben, dafür hatten wir Meerschweinchen, an denen mein Sohn zärtlich hing. Sie leben längst nicht mehr. Beim Wiederlesen der Geschichtevermisse ich ihren Geruch und ihr behagliches Geschnurpsel, auch sie haben ziemlich viel Glücklichsein im Gepäck. Weiterlesen

Menschenkobel — Julian und Cardámine 8

Für alle, die jetzt erst einsteigen: Hier fängt die Geschichte an.

Sonne sei Dank. Achillea schaffte es mich in die Salatfalle zu wünschen.

Kaninchenschnell rannte der Junge Julian mit uns in der Falle zum Menschenkobel und machte dabei eichhörnchenhohe Sätze. Die arme Achillea war mehr grün als blau im Gesicht, als er endlich anhielt. Schnell und ungesehen schlüpften wir aus der Tüte.

Und nun?“ fragte Achillea.

Jetzt suchen wir uns ein Einflugloch und versuchen diese Mo zu sehen.“ Weiterlesen

Die Liese (ABC-Extraetüde)

Der März 2020 war außergewöhnlich lang, so verwundert es nicht, dass er fünf Sonntage hatte und in solchen Monaten werden bei Christiane Extraetüden angerichtet, fünf gespendete Wörter in 500 Wörtern verpackt.

Die Wörterspenden stammen aus den beiden vorigen Etüdenrunden, in diesem Fall von von Elke Speidel und Corly

Die Geschichte von der Liese trage ich schon die ganze Woche mit mir herum, auf die Idee eine Etüde daraus zu machen, bin ich erst jetzt gekommen.

Meine verlorene Freundin zitierte immer wieder Kurt Tucholsky (und da ich die Quelle nicht weiß, kann ich jetzt nur aus dem Kopf zitieren): Wie können nicht einen Sinn stärken, der über dem Menschen die Menschlichkeit vergisst. Weiterlesen

Jo– Julian und Cardámine 7

„Ein Haus putzen, in dem Kinder spielen, ist in etwa so sinnvoll wie Schneeschippen, während es schneit“.  Ich weiß nicht mehr, in welchem Buch ich das gelesen habe, es war irgendetwas Seichtes, etwas das man liest, genießt, vergisst. Bis auf diesen Satz, weil er so wahr ist.

Nur bleibt mir im Moment nicht viel anderes übrig. Andere schreiben über ihre Wohnungen, die mittlerweile perfekt geordnet, sortiert, poliert und ausgemistet sind – das Nest ist währenddessen deutlich unterputzt.

Und wenn ich merke, dass nicht ich die Dinge, sondern die Dinge mich im Griff hanben, muss ich aufpassen nicht gar zu garstig und ungerecht zu werden. Darin bin ich Jo ähnlicher, als mir lieb ist. Weiterlesen

Insektenspray — Julian und Cardámine 6

Die nächste Schachbrettblume ist erblüht, der Birnbaum und die Küchenschelle auch, heute habe ich die Freude darüber schön für mich behalten und weiteren Streit vermieden und stattdessen uns eine schöne Kugel Eis gegönnt. Die Hausaufgaben sind fertig zur ungewöhnlich frühen Stunde, der Kleine Fundevogel ist anstandslos eingeschlafen, das Internet muckt auch nicht — vielleicht wird es doch noch was mit einer pünktlichen Extraetüde … Weiterlesen

Mo — Julian und Cardámine 5

Heute blühte die erste Schachbrettblume im Garten und in mir war alles April. Voller Unvorsicht zeigte sie ich dem Kleinen Fundevogel und das war auch das Ende dieser tapferen Pionierin, auf die hoffentlich noch viele folgen werden. Ich werde es mir nie abgewöhnen können meine verletzlichen Stellen zu zeigen.

Später haben die Fundvögel Kuchen gebacken und der Student Lasagne gemacht. Wir hamstern nicht, wir fressen uns gleich eine Speckschicht an.  Es passt,  dass das heutige Feenkapitel ziemlich viel Gefräßigkeit enthält.


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Coladose — Julian und Cardámine 4

Das Krankenhaus, von dem alle anerkennend mutmaßen, dass ich in diesen Tagen den Großteil meine Zeit dort aufopferungsvoll verbringe, liegt noch immer im Habachtsdämmerschlaf und die Leitung bittet darum Überstunden abzubauen.

Noch ist es so, wispert es in den Gängen, bleibt leise, um den Drachen nicht zu wecken. Vielleicht schläft er sich ja einfach aus, vergisst unsere Stadt und die Kapazitäten der Universitätskliniken werden ausreichen, um  alle krank Gewordenen zu versorgen. Weiterlesen

Drei Wünsche — Julian und Cardámine 3

Eine nicht repräsentative Auswahl von Begründungen über Achtzigjähriger aus dem Nestumfeld , warum sie zurzeit ganz dringend alleine einkaufen müssen:

“ Der Laden ist doch direkt nebenan, was soll da schon passieren.“

„Mein Nachbar kennt sich mit Sojaprodukten nicht aus, der kauft bestimmt die falschen.“

„Das kann ich euch doch nicht auch noch zumuten“

und mein Schönstes: „Ich wasche mir jetzt doch immer ganz gründlich die Hände, wenn ich aus dem Hühnerstall komme“ Weiterlesen

Feenkobel – Julian und Cardámine 2

Heute mittag habe ich zum ersten Male Bienen auf Schnee sitzen sehen, wir haben den ersten Schneemann dieses Winters gebaut und selbstgebastelte Eisberge (aus Schnee) in der Regentonne schwimmen lassen.

Wenn soviel Unerwartetes in der Luft liegt, gilt es die Augen offen zu halten, vielleicht ist es sogar möglich eine Feezwischen den Schlehenblüten am Bachufer zu erblicken – oder einen Eisvogel, der sieht von Ferne fast genauso aus und macht ebenfalls glückselig. Weiterlesen

Trauriggelb – Julian und Cardámine 1

Die Geschichte von Julian und der Fee Cardámine habe ich vor vielen Jahren für meinen ältesten Sohn geschrieben, der sich eine Feengeschichte „für Jungs“ gewünscht hatte. Ich glaube am Ende machte sie mir fast mehr Spaß als ihm.

Die Fee Cardámine hatte sich in den letzten Wochen immer mal wieder in die Etüden geschlichen. Mit zwei Kindern im Coronahausarrest komme ich zurzeit viel zum Kneten, Basteln, Ringeltauben benennen, Lückentexte über Schädlingsbekämpfung ausfüllen, Textaufgaben lösen und sonstigen vergnüglichen Dingen, aber kaum zum Denken oder gar Schreiben. Aus diesem Anlass gibt es nun als Corona-Special jeden Tag ein Kapitel der ganzen Geschichte. (das heißt aber nicht, dass ich sonst gar nichts mehr schreinen will.) Weiterlesen